Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 06.08.2015

Gefahr liegt im Tun, nicht im Essen

Viele Menschen haben Angst vor zu viel Chemie in heimischen Lebensmitteln. Die größten gesundheitlichen Risiken liegen aber in unseren Essensgewohnheiten, sagte kürzlich Laimburg-Direktor Michael Oberhuber.

Bedenkenlos heimische Äpfel essen: Laut Oberhuber funktioniert die Lebensmittelkontrolle in Südtirol bestens und macht unser Essen sicher.

Bedenkenlos heimische Äpfel essen: Laut Oberhuber funktioniert die Lebensmittelkontrolle in Südtirol bestens und macht unser Essen sicher.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Versuchszentrums Laimburg sprach dessen Direktor Michael Oberhuber vergangene Woche an der EURAC in Bozen über „Pestizide, Dioxine, Gammelfleisch. Wie gesund und sicher sind unsere Lebensmittel?“ Vor rund 70 Interessierten ging er auf die verschiedenen Gefahren ein, die in Lebensmitteln stecken.

Chemische Risiken überschätzt
„Die größten gesundheitlichen Risiken“, sagt Oberhuber „liegen gar nicht in unseren Lebensmitteln, sondern in unseren eigenen Ernährungsgewohnheiten!“ Chemische Gefahren würden dagegen in der Regel überschätzt, da vor allem die Dosis das Gift macht.
Eine weitere, ernst zu nehmende Gefahr ist laut Oberhuber biologischer Art: Die Lebensmittel können Krankheitserreger wie Salmonellen oder das krankheitsauslösende Darmbakterium EHEC enthalten. Deshalb sei die Folge von Lebensmittelvergiftungen nicht zu unterschätzen. „Zum Beispiel können Bakterien und Pilze in den Lebensmitteln Gifstoffe produzieren“, erklärte der Experte.
Jeder einzelne kann hier vorbeugen. Dazu gehört, die Kühlkette aufrecht zu erhalten, den Kühlschrank regelmäßig zu säubern und verdorbene Lebensmittel zu entsorgen.
Zudem sei eine gründliche Lebensmittelkontrolle sehr wichtig. In diesem Bereich müssen sich Konsumenten keine Sorgen machen, bestätigte Oberhuber dem „Südtiroler Landwirt“: Südtirol hat hohe Lebensmittelstandards und auch die Hürden für Lebensmittelkontrollen sind sehr hoch.

„Mehr Angst vor dem, was wir nicht beeinflussen können“
Oberhuber ging auch darauf ein, wie die Gesellschaft Gefahren in Lebensmitteln einschätzt: „Unbeeinflussbare Gefahren wecken in uns größere Angst als jene, die wir kontrollieren können.“ So würden Konsumenten Gefahren wie Farbstoffe in Lebensmitteln, Chemie im Haushalt oder Hormone im Fleisch viel stärker bewerten als Experten. Auf der anderen Seite unterschätzen sie im Gegensatz zu Experten manche Risiken wie ungesundes Essen, zu wenig Bewegung oder rauchen. Daher wird Risiken oft entweder ein zu großer Wert zugeschrieben oder sie werden verharmlost. In diesem Licht sind laut Oberhuber auch gesundheitliche Gefahren von Pflanzenschutzmitteln auf Äpfeln zu sehen: „Jemand müsste über einen langen Zeitraum hinweg jeden Tag mehrere Hundert grenzwertig belastete Äpfel essen, um eine gesundheitsschädliche Dosis zu erreichen", veranschaulichte er an einem Rechenbeispiel mit dem Wirkstoff Boscalid. Behördlich definierte Grenzwerte halten einen großen Sicherheitsabstand zu jenen Konzentrationen ein, die die Gesundheit tatsächlich gefährden.

Mehr reden schafft mehr Vertrauen
Außerdem führen falsch deklarierte Lebensmittel immer wieder zu Lebensmittelskandalen, auch wenn sie für die Gesundheit überhaupt kein Risiko darstellen, erklärte Oberhuber. Als Beispiel nannte er den Pferdefleischskandal. Fakt sei: Die Konsumenten verlieren durch solche Falschdeklarierungen das Vertrauen in die Lebensmittel. Daher müsse die Kommunikation der Produzenten zum Konsumenten stimmen. Oberhuber rief dazu auf, wieder mehr mit der Gesellschaft zu reden: „Eine verstärkte Kommunikation könnte das Vertrauen des Konsumenten in die Lebensmittelsicherheit erhöhen.“ Aber auch der Verbraucher sei gefordert, indem er sich gut über Lebensmittel informiert.