Südtiroler Landwirt, Politik, Bauernbund | 04.08.2015

Surfen für alle

Eine flächendeckende Versorgung des Landes mit schnellem und kostengünstigem Internet und eine bessere Kleinkindbetreuung waren Thema eines Austausches zwischen Landesbauernrat und Landesrätin Waltraud Deeg. von Michael Deltedesco

Gleiche Chancen im Internet: Das fordert der Bauernbund. Auch auf entlegenen Höfen! (Foto: Landespresseamt)

Gleiche Chancen im Internet: Das fordert der Bauernbund. Auch auf entlegenen Höfen! (Foto: Landespresseamt)

Landesrätin Waltraud Deeg hat sich einiges vorgenommen. In der ersten Jahreshälfte 2016 soll das ADSL-Programm abgeschlossen werden, das über 99 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einer Grundversorgung an Internetanschlüssen gewährleistet. Bis 2020 soll dann ein Großteil der Haushalte bis in die letzten Täler hinein gemäß der europäischen und gesamtstaatlichen Vorgaben mit schnellem und ultraschnellem Breitband versorgt werden. Landesrätin Waltraud Deeg erklärte:„Schnelle Internetverbindungen sind heute genauso wichtig wie einst der Bau von Straßen.“

Gleiche Chancen für alle
Das stieß beim Landesbauernrat auf große Zustimmung, wobei eines besonders unterstrichen wurde, wie Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler berichtet: „Für uns ist es wichtig, dass auch die Menschen in den entlegenen Gebieten gleich behandelt werden wie die Bewohner der Ballungszentren. Sie müssen dieselben Chancen auf ein schnelles Internet zu fairen Preisen erhalten.“
Genau das sei eine der Zielsetzungen des so genannten Südtirolnetzes, das ein flächendeckendes und gut funktionierendes Breitbandnetz zum Inhalt hat. Deeg erklärte hierzu: „Wir wollen ein Südtirolnetz, das im Eigentum von Gemeinden und Land ist, ein offenes Netz ist und allen Providern zu gleichen Konditionen zugänglich ist. Und wir wollen Wettbewerb darauf, was den Südtirolerinnen und Südtirolern vorteilhafte Preise garantiert.“

Vorteile für die Südtiroler schaffen
Ein koordinierendes Vorgehen zwischen Gemeinden und Land beim Bau dieses Südtirolnetzes sei entscheidender Punkt. Nicht zuletzt deshalb, weil der Finanzbedarf mit rund 600 Millionen Euro im Endausbau zu Buche schlägt. „Über die Nutzung von Synergien, die Ausschöpfung finanzieller Fördermaßnahmen und den sinnvollen Mix der Technologien können wir beträchtliche Kosteneinsparungen realisieren und über den einheitlichen Betrieb des Südtirolnetzes zusätzliche Vorteile für die Südtiroler schaffen,“ so Deeg.

Familie und Berufsleben besser vereinbaren
Das zweite Thema des Treffens mit dem Landesbauernrat war die Kleinkindbetreuung, eines der zentralen Themen der Familienpolitik des Landes. Hier versicherte die Landesrätin:„Ziel muss es sein, Familie und Beruf besser zu vereinbaren, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Berufsleben herzustellen, die frühkindliche Förderung auszubauen und die Chancengleichheit von Kindern unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern zu gewährleisten.“
Dazu müsse den geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit steigender Frauenerwerbsquote und kleiner werdenden Familienstrukturen Rechnung getragen werden.

Qualität der Kinderbetreuung steigern
Das Konzept zur Kinderbetreuung legt daher mehrere Schwerpunkte fest. So soll die Qualität der Kinderbetreuung gesteigert werden – eine Aufgabe, die die Familienagentur übernehmen wird. Deeg stellte klar: „Zudem braucht es einheitliche Kriterien und Standards, was z. B. die Gruppengröße und die Infrastruktur betrifft, und einen Betreuungsschlüssel.“ So könne eine altersgerechte Betreuung der Kinder gewährleistet werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Platzangebot. Auch hier versicherte Deeg:„Es braucht einheitliche Mindestangebote in jeder Gemeinde, die stufenweise ausgebaut werden sollen, um den Grundbedarf zu decken.“

Außerschulische Betreuung weiter ausbauen
Ein dritter und wichtiger Schwerpunkt liegt in der familienergänzenden und außerschulischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen bis 14 bzw. 15 Jahren. Auch hier gibt es laut der Landesrätin noch Verbesserungspotential: „Wir wollen eine einheitliche Qualität der Sommer- und Nachmittagsbetreuung. Das Angebot – besonders der Sommerkindergärten – soll ausgebaut werden. Zudem brauche es angemessene Räumlichkeiten. Und nicht zuletzt sollen Tagesmütter eine Zusatzqualifikation erhalten – und das alles zu überschaubaren Preisen.“.
Diskutiert wurde auch über drei Säulen der Familienpolitik, insbesondere die Unterstützungsmaßnahmen für Familien, die ihre Kinder zuhause betreuen – ein Anliegen besonders der Südtiroler Bäuerinnenorganisation.

Rolle der Tagesmütter stärken

Der Landesbauernrat begrüßte das vorgestellte Konzept und verwies auf die wichtige Rolle der Tagesmütter, die es zu stärken gilt. Derzeit wären Tagesmütter nämlich vielfach nur Ersatz für die Betreuung in der Kindertagesstätte , wenn diese geschlossen ist. Auch sollte die soziale Absicherung der Tagesmütter und die Betreuerinnen in den Kitas verbessert werden, war einer der Wünsche des Landesbauernrates.

Beim Treffen mit dem Landesbauernrat hat Landesrätin Waltraud Deeg ihre Konzepte vorgestellt.

Beim Treffen mit dem Landesbauernrat hat Landesrätin Waltraud Deeg ihre Konzepte vorgestellt.