Südtiroler Landwirt, Energie | 23.07.2015

Wo Energie noch Zukunft hat

Es steckt noch Potenzial im Energiesektor. Das zeigte die Bauernbund-Initiative „Zukunft Energie“. Der Sektor ist zwar eine Herausforderung, aber es gibt vielversprechende neue Technologien und Modelle. Lesen Sie hier, welche davon für die Landwirtscahft interessant sein können. von Irene Unterkofler

Um Biomasse-Anlagen mit Kraft-Wärme-Kälte-Koppelung wirtschaftlich optimal zu betreiben, muss man alle Energieformen bestmöglich nutzen.

Um Biomasse-Anlagen mit Kraft-Wärme-Kälte-Koppelung wirtschaftlich optimal zu betreiben, muss man alle Energieformen bestmöglich nutzen.

Bauern können Strom, Wärme und Kälte intelligent produzieren und nutzen. Davon ist der Südtiroler Bauernbund überzeugt. Die Frage, wie das gelingen kann, stand im Mittelpunkt der Initiative „Zukunft Energie“ des Südtiroler Bauernbundes. Gemeinsam mit Partnern hat er untersucht, welches zukünftige Potential in den erneuerbaren Energien und in der Energieeffizienz steckt.
Im vorliegenden Artikel fasst der „Südtiroler Landwirt“ die zukünftigen Möglichkeiten zusammen und bietet einen Überblick. In der kommenden Ausgabe stellt er ausgewählte Themen im Detail vor.

Energieträger mehrfach nutzen
Aus Biomasse lässt sich nicht nur Wärme, sondern auch Strom und Kälte sowie auch Kraftstoffe erzeugen. Zukünftiges Potential besitzen laut Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler „Biomasse-Anlagen mit Kraft-Wärme-Koppelung oder – noch idealer – mit Kraft-Wärme-Kälte-Koppelung: Denn sie produzieren sowohl Strom als auch Wärme bzw. Kälte gleichzeitig.“ Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb ist allerdings, dass alle erzeugten Energieformen bestmöglich genutzt werden.
Für die Experten birgt auch die Produktion von Kraftstoff aus Biogas – das sogenannte Biomethan – Zukunftspotential in sich. Stefano Dal Savio vom TIS, Partner der Initiative „Zukunft Energie“, erklärt, wie das funktioniert: „Das Biogas wird auf Erdgasqualität aufbereitet. Dann kann es z.B. als Biokraftstoff für Fahrzeuge eingesetzt oder in das Erdgasnetz eingespeist werden.“

Mikronetze und Contracting
Für interessant hält Tiefenthaler im Biomassesektor auch kleine dezentrale Energieversorgungsnetze, die sogenannten Biomasse-Mikronetze: „Mit Hilfe einer Biomasse-Heizanlage, die in einem landwirtschaftlichen Betrieb untergebracht ist, lassen sich so mehrere naheliegende Gebäude mit Wärme oder zukünftig vielleicht auch mit Kälte mitversorgen.“ In Frage kommen etwa Hotels oder Gewerbebetriebe. „Dank dieser Mikronetze steigt die Wertschöpfung aus lokaler Biomasse,“ sagt der Bauernbund-Obmann.
Im Ausland kommt ein weiteres interessantes Modell häufiger zum Einsatz: das Wärme-Contracting. Dabei liefern Landwirte nicht nur den Rohstoff Biomasse und die daraus erzeugte Wärme, sondern errichten und führen gleichzeitig auch die Heizanlagen.

Auch Elektro-Traktoren möglich
In den vergangenen Jahren war der Boom in der Photovoltaik (PV) groß, bestätigt Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für Erneuerbare Energie der EURAC – ebenfalls Partner der Bauernbund-Initiative: „In Südtirol wurden über 1,1 Mrd. Euro in PV-Anlagen investiert.“ Dieser Boom ist nun vorüber. Dennoch halten die Experten die Photovoltaik nach wie vor für interessant – vor allem, wenn der produzierte Strom selbst verbraucht wird. Dies kann beispielsweise über die Kombination der PV-Anlage mit anderen elektrisch betriebenen Anlagen erfolgen: Wärmepumpen, Kühlanlagen usw. Denkbar wäre in Zukunft auch der Einsatz des PV-Stroms in elektrobetriebenen Traktoren. Verschiedene Elektro-Maschinen und -Geräte wie elektrische Hebebühnen oder elektrische Erntewagen sind bereits auf dem Markt.
Um den Ertrag aus  PV-Anlagen zu sichern, ist überdies eine regelmäßige Überprüfung und Wartung der Anlagen essentiell, sagt Sparber: „Wir haben mehrere PV-Anlagen pilothaft überprüft. Da haben wir gar einige Mängel und Schäden festgestellt. Sie führen letztlich zu monetären Verlusten!“ Daher haben der Südtiroler Bauernbund und der Südtiroler Energieverband das Servicepaket „PV-Monitoring“ geschnürt. Es beinhaltet diverse Leistungen von der Wartung bis hin zur Überwachung von PV-Anlagen (Detail siehe S. 51).

Energiespeicherung
Um Energie noch effizienter zu nutzen, wird weltweit mit Hochdruck an der Energiespeicherung geforscht. Stefano Dal Savio sieht in der Stromspeicherung den Vorteil, „dass der Eigenverbrauch des PV-Stroms auf bis zu 80 Prozent gesteigert werden kann. So sinkt die Abhängigkeit vom Strompreis.“ Derzeit sind die Kosten für Speichersysteme aber noch relativ hoch.
Kombination Solarthermie
Die Erzeugung von Energie durch thermische Solaranlagen ist nicht nur in Kombination mit Wärmepumpen effizient. Sie eignet sich neben der Wärmeerzeugung beispielsweise auch zur Trocknung von landwirtschaftlichen Produkten.

Neues Modell SEU
Zukünftige Einkommensmöglichkeiten können sich aus sogenannten effizienten Nutzungssystemen (sistemi efficienti di utenza – SEU) ergeben: Dabei beliefert ein Produzent einen Kunden direkt über eine private Leitung mit Strom. Der Strom kann z.B. aus PV-Anlagen oder aus mit Biomasse betriebenen Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen stammen. Norbert Klammsteiner, Energieexperte und fachlicher Begleiter der Initiative „Zukunft Energie“, ist überzeugt: „Effiziente Nutzungssysteme bieten einen Mehrwert und werden zukünftig an Bedeutung gewinnen.“

Was ist mit der Kleinwindkraft?
Untersucht wurden auch die Chancen im Sektor der Windenergie, vor allem im kleinen Leistungsbereich. Leo Tiefenthaler glaubt, „dass die rechtlichen Rahmenbedingungen die Nutzung der Windkraft stark einschränken.“ Dabei hält er gerade Klein-Windkraftanlagen in Südtirol für interessant, sowohl dank der verhältnismäßig geringen Auswirkungen auf das Landschaftsbild als auch aufgrund deren Wirtschaftlichkeit. „Hier sollte mehr differenziert werden“, sagt Tiefenthaler.

Energieeinsparung
Nicht nur die Engerie-Produktion, sondern auch Einsparpotentiale standen im Mittelpunkt der Initiative „Zukunft Energie“. Durch Effizienzsteigerungen bei Gebäuden, Maschinen und in der Produktion lässt sich demnach einiges an Energie einsparen. Am größten ist das Einsparpotenzial laut Wolfgang Sparber bei Wärme. „Aber auch sonst kann jeder zur Energieeinsparung beitragen: So sollten energiesparende Beleuchtungssysteme eingesetzt, die erzeugte Abwärme genutzt oder die Produktionsstätten richtig dimensioniert werden.“ Auch eine regelmäßige Wartung der Produktionsanlagen hilft, diese energiesparender zu betreiben.

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Die Initiative „Zukunft Energie“ wurde im Rahmen des Projektes „EnerCommunities“ umgesetzt und vom Europäischen Sozialfonds mitfinanziert.

- Kurzfilme
- Broschüre


Für weitere Informationen können sich Interessierte an die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie wenden (Tel. 0471 999317/363, innovation-energie@sbb.it). Diese vermittelt zu den verschiedenen Themen Fachberatungsgespräche über einen externen Energieexperten.