Südtiroler Landwirt, Arbeitsberatung | 23.07.2015

Erntehelfer richtig anstellen

In der Erntezeit stehen viele Betriebsinhaber unter großem Zeitdruck. Viele Betriebe sind auf Erntehelfer angewiesen. Sie werden so zu Arbeitgebern und übernehmen als solche die Verantwortung. Eine gute Vorbereitung kann vor Problemen schützen. von Thomas Wieser

Die Apfelernte steht bevor. Da viele Betriebe dabei auf Erntehelfer angewiesen sind, sollten sich Betriebsinhaber gut darauf vorbereiten. (Foto: VOG)

Die Apfelernte steht bevor. Da viele Betriebe dabei auf Erntehelfer angewiesen sind, sollten sich Betriebsinhaber gut darauf vorbereiten. (Foto: VOG)

Betriebe, die zum ersten Mal landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigen, müssen vor Beginn des Arbeitsverhältnisses beim Nationalen Fürsorgeinstitut NISF/INPS die so genannte Betriebsmeldung einreichen. Mitzuteilen sind darin alle Grundstücke und Maschinen des Betriebes, der landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigen will. Es handelt sich dabei um eine einmalige Verpflichtung, die nicht jährlich wiederholt werden muss. Später müssen nur noch Änderungen, wie beispielsweise neue Pachtflächen, mitgeteilt werden.
Da bei der Betriebsmeldung viele verschiedene Informationen abgefragt werden, sollten sich jene Betriebe, die die Lohnbuchhaltung beim Südtiroler Bauernbund, Abteilung Arbeitsberatung/Löhne machen wollen, aus organisatorischen Gründen schon einige Wochen vor Erntebeginn melden.  Nur dann  kann gewährleistet werden, dass auch alle Formalitäten fristgerecht erledigt werden.
Zudem gilt es, die Verpflichtungen im Bereich der Arbeitssicherheit einzuhalten. Neue Arbeitgeber müssen also die entsprechenden Pflichtkurse besuchen und eine Risikobewertung abfassen. Die genauen Verpflichtungen sind im Detail auf Seite 42 beschrieben.

Meldung der Arbeiter bei den zuständigen Ämtern
Die wichtigste Voraussetzung um spätere Strafen, z.B. für Schwarzarbeit, zu vermeiden, ist eine pünktliche Anmeldung der Arbeiter beim Arbeitsamt.
Auch die Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft müssen bis spätestens am Tag vor Arbeitsbeginn beim Amt für Arbeitsmarktbeobachtung gemeldet werden. Diese Meldung erfolgt ausschließlich elektronisch über das Portal der Landesverwaltung ProNotel2 (www.provinz.bz.it/ProNotel2).
Sie kann entweder von zu Hause aus gemacht oder von den Mitarbeitern der Abteilung Arbeitsberatung in den Bezirksbüros vorgenommen werden. Dabei müssen alle relevanten Daten der Arbeiter bis spätestens zwei Tage vor Arbeitsbeginn den Mitarbeitern in den Bezirksbüros mitgeteilt werden. Besonders wichtig ist es, die Steuernummer korrekt und gut lesbar anzugeben.
Der Arbeitgeber muss eine Kopie der Anmeldung am Betriebssitz aufliegen haben. Wird der Arbeiter nicht bei den zuständigen Stellen gemeldet, handelt es sich um Schwarzarbeit. Im Falle einer Kontrolle durch die Behörden kann es dann zu sehr hohen Strafen  für den Arbeitgeber kommen.
Was für eventuelle Kontrollen auch wichtig ist:  Die Arbeiter sollten sich auf der Wiese ausweisen können.

Beantragung der Steuernummer
Für die Anmeldung benötigt man die Steuernummer des Arbeitnehmers. Da viele Arbeiter aus den östlichen EU-Ländern kommen, muss, falls der Arbeiter das erste Mal in Italien arbeitet, diese Steuernummer erst beantragt werden. Es ist empfehlenswert, die Steuernummer so früh wie möglich zu beantragen.
Wird die Steuernummer bei einem Arbeiter, der das erste Mal in Italien arbeitet, vom Betrieb angefragt, muss dazu ein eigenes Formular verwendet werden. Es beinhaltet auch einen Teil, in dem der Arbeiter den Betrieb bevollmächtigt die Steuernummer zu beantragen. Das Formular wird von den Steuerämtern nur noch im Original unterschrieben akzeptiert.
Des Weiteren sind folgende Dokumente für die Steuernummer nötig: eine Kopie des Reisepasses und – bei Nicht-EU-Bürgern – zusätzlich das Original bzw. der Postabriss der Aufenthaltsgenehmigung.

Neu: die gemeinschaftliche Anstellung
Seit Frühjahr 2015 ist die gemeinschaftliche Anstellung von Arbeitnehmern in der Landwirtschaft möglich. Dabei können zwei oder mehrere Betriebe gemeinsam Arbeitnehmer beschäftigen.
Voraussetzung dafür ist, dass die Betriebsinhaber bis zum dritten Grad (also Nichte/Neffe oder Onkel/Tante) verwandt bzw. verschwägert sind. Unter Verschwägerten versteht man die Verwandten des Ehepartners.
Um die gemeinschaftliche Anstellung anwenden zu können, müssen die Betriebe ein Abkommen abschließen, in dem sie festlegen, welcher Betrieb die Verpflichtungen übernimmt. Dieses Abkommen muss dann mit „sicherem Datum“, z.B. per zertifizierter E-Mail (PEC) an den Südtiroler Bauernbund geschickt werden.
Sofern die Möglichkeit der gemeinschaftlichen Anstellung genutzt werden soll, sollten sich die Betriebe mindestens eine Woche vorher in der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne des Südtiroler Bauernbundes melden.
Die jeweiligen Arbeitgeber haften solidarisch für die vertraglichen und sozialrechtlichen Verpflichtungen (Beiträge NISF/INPS).

Verleih von Arbeitern
Der Verleih von Arbeitern an andere Bauern bzw. von anderen Bauern ist laut Gesetz verboten. Arbeitet ein Arbeiter bei zwei verschiedenen Arbeitgebern, muss er bei beiden gemeldet sein. Eine Ausnahme bildet hier die im vorherigen Absatz beschriebene gemeinschaftliche Anstellung.
Falls Betriebe den Verleih von Arbeitern anbieten oder anbieten, die Erntearbeiten für den Bauern zu übernehmen, sollte unbedingt abgeklärt werden, ob die Abwicklung rechtlich korrekt erfolgt.  

Nicht-EU-Bürger
Werden Nicht-EU-Bürger angestellt, welche sich schon im Land befinden, so ist darauf zu achten, dass sie im Besitz einer für Arbeitszwecke gültigen Aufenthaltsgenehmigung sind bzw. den Abriss der Post für deren Verlängerung besitzen.

Mitteilung der Daten für die Ausarbeitung der Lohnstreifen
Für jeden gemeldeten Arbeiter müssen am Ende des Monats das Lohnbuch und der Lohnstreifen ausgearbeitet werden. Deshalb müssen innerhalb Monatsende die von den Arbeitern gearbeiteten Tage und Stunden mitgeteilt werden.
Vorzugsweise ist dazu der vom Lohnbüro zur Verfügung gestellte Kalender (Klauberkalender) zu verwenden. Wurde die Anmeldung der Arbeiter von zu Hause aus gemacht, muss eine Kopie der Anmeldebestätigung übermittelt werden.
Des Weiteren muss auch das vom Arbeiter unterschriebene Formular für die Steuerabsetzbeträge im Lohnbüro abgegeben werden.

Abfertigung
Die Abfertigung des landwirtschaftlichen Taglöhners ist als Stundenwert festgelegt. Sie ist auf jedem Lohnstreifen figurativ enthalten. Der Betrag ist auf dem letzten Lohnstreifen des Arbeitsverhältnisses ausgewiesen und muss dem Arbeiter ausbezahlt werden.


- Klauberkalender 2015