Südtiroler Landwirt, Produktion | 28.05.2015

Startschuss für Übergangsfrist

Im Zuge der Neueinstufung, Klassifizierung und Verpackung von Pflanzenschutzmitteln ist am kommenden Montag ein wichtiger Stichtag: Ab 1. Juni gilt eine Übergangsfrist, während der die Hersteller nur noch Mittel mit dem neuen Etikett an die Wiederverkäufer ausliefern dürfen. von Robert Wiedmer, Beratungsring Obst- und Weinbau

 Ab sofort sollten Bauern beim Kauf von Pflanzenschutzmitteln vermehrt auf die neuen CLP-Etiketten achten. (Foto: www.agrarfoto.at)

Ab sofort sollten Bauern beim Kauf von Pflanzenschutzmitteln vermehrt auf die neuen CLP-Etiketten achten. (Foto: www.agrarfoto.at)

Bereits jetzt dürfen Pflanzenschutzmittel mit neuen Etiketten eingesetzt werden. Diese Übergangsphase endet am 31. Mai 2017. Nach diesem Datum darf der Landwirt keine Pflanzenschutzmittel mit altem Etikett mehr ausbringen – sie müssen entsorgt werden. Daher sollte man beim Einkaufen der Pflanzenschutzmittel schon jetzt jenen mit dem neuem Etikett den Vorzug gegeben.
Zur Erinnerung: Die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Chemikalien in der EU wird durch die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 neu geregelt. Sie betrifft auch die Pflanzenschutzmittel. Sie soll den Handel mit Chemikalien zwischen den einzelnen Staaten vereinfachen und weltweit einheitliche und verlässliche Standards bei der Einführung von Chemikalien durchsetzen.

Global Harmonisiertes System (GHS)
Die Verordnung baut auf das „Global Harmonisierte System“ (UN-GHS) auf. Es ist ein Kompromiss zwischen den Systemen Nordamerikas und denen der EU zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Chemikalien. Die eingangs erwähnte Verordnung wird oft auch als „CLP-Verordnung“ bezeichnet. Dabei steht C für Einstufung (Classification), L für Kennzeichnung (Labelling) und P für Verpackung (Packaging). Diese Verordnung soll ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt garantieren und den freien Warenverkehr von chemischen Stoffen innerhalb der EU erleichtern.

Was ändert sich auf den Etiketten?
Für den Landwirt wird die neue Verordnung vor allem auf den Etiketten der Pflanzenschutzmittel sichtbar: Die bisher gebräuchlichen quadratischen Gefahrenzeichen auf orangem Hintergrund werden durch rot umrandete rautenförmige Gefahren-Piktogramme auf weißem Hintergrund ersetzt.

Neue Piktogramme und Signalwörter
Das Andreaskreuz, mit dem bisher die gefährlichen und reizenden Stoffe gekennzeichnet wurden, wird nicht mehr verwendet. Dafür wurden einige neue Piktogramme aufgenommen.
Neu sind auch die Signalwörter, die neben den Piktogrammen stehen können. Für die schwerwiegenderen Gefahren wird „pericolo“ (Gefahr), für die weniger schwerwiegenden „attenzione“ (Achtung) verwendet.

Aus R-Sätzen werden H-Sätze
Die bisher gebräuchlichen Risikosätze (R-Sätze) werden durch die Gefahrenhinweise, die sogenannten H-Sätze (nach dem englischen „Hazard statement“ = Gefahrenhinweis) ersetzt. Ein Gefahrenhinweis beschreibt die Art und gegebenenfalls den Schweregrad der Gefährdung. Die H-Sätze bestehen aus dem Buchstaben H und einer dreistelligen Nummer. Je nachdem auf welche Gefahrenklasse der betreffende H-Satz hinweist, beginnt er mit den Ziffern 2, 3 oder 4 (siehe nebenstehende Grafik). Grundsätzlich sind die neuen Gefahrenhinweise mit den alten R-Sätzen vergleichbar.
Einige der R-Sätze, die in der Europäischen Union verwendet wurden, bzw. einige weitere Kennzeichnungselemente, werden mit dem GHS-System der UN nicht erfasst. Um das bestehende Schutzniveau in der EU zu erhalten, wurden diese in europäische H-Sätze (EUH-Sätze – European Union Hazard) übergeführt. Wo erforderlich, müssen damit nur Chemikalien gekennzeichnet werden, die innerhalb der EU verwendet werden. Die europäischen H-Sätze beginnen mit den Buchstaben EUH gefolgt von einer dreistelligen Nummer (z. B. EUH001 Esplosivo allo stato secco = In trockenem Zustand explosiv).

Statt S-Sätzen jetzt P-Sätze
Eine weitere Neuerung betrifft die S-Sätze, die Sicherheitssätze (consigli di prudenza). Sie werden durch Sicherheitshinweise, genannt P-Sätze, ersetzt (P steht für Precautionary statement). Diese Sicherheitshinweise beschreiben die empfohlenen Maßnahmen zur Begrenzung oder Vermeidung von schädlichen Wirkungen bei der Verwendung einer bestimmten Chemikalie. Die P-Sätze bestehen aus dem Buchstaben P gefolgt von einer dreistelligen Zahl. Je nachdem, welcher Maßnahme der betreffende P-Satz angehört, beginnt er mit den Ziffern 1, 2, 3, 4 oder 5 (siehe untenstehende Grafik). Grundsätzlich sind die neuen Sicherheitshinweise mit den alten S-Sätzen vergleichbar.