Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 28.05.2015

Gute Arbeit

Zum dritten Mal nach 2005 und 2010 hat der Südtiroler Bauernbund seine Mitglieder zu ihrer Sicht zu Dienst- und Verbandsleistungen des SBB befragt. Die Ergebnisse liegen jetzt vor – und dienen als Wegweiser für die kommenden Jahre. von Ulrich Höllrigl, SBB-Vizedirektor

Die Mitglieder stellen dem Bauernbund ein großteils gutes Zeugnis aus.

Die Mitglieder stellen dem Bauernbund ein großteils gutes Zeugnis aus.

Der Fragebogen beinhaltete Fragen zur Zufriedenheit mit den Dienstleistungen in den Bezirksbüros und im Bauernbund-Hauptsitz in Bozen und zu den Verbandsleistungen des Bauernbundes.
Bauernbund-Siegfried Rinner erklärt das Ziel der Befragung: „Wir wollen Rückschlüsse auf die Qualität unserer Arbeit und Dienstleistungen ziehen und diese dadurch kontinuierlich verbessern.“ Landesobmann Leo Tiefenthaler sieht die nunmehr drei Umfragen als ein großes Ganzes: „Durch den Vergleich der drei Befragungen können wir Trends und Tendenzen feststellen, die für die zukünftige Ausrichtung des Angebots, der Verbandsarbeit und unserer Arbeitsorganisation wichtig sind.“
Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung 2015 zeigen eine sehr hohe Zufriedenheit mit den Dienstleistungen – sei es in den Bezirksbüros als auch am Hauptsitz in Bozen.
Die Mitglieder nehmen den Bauernbund als gut strukturiert und hilfsbereit wahr, zudem als sachkompetent. Die Beratungsleistungen sind für die Mitglieder hilfreich für ihre betrieblichen Entscheidungen. Verbesserungspotential gibt es beim Beschwerdemanagement. Die Mitglieder sind internetaffiner geworden: Die bessere Erreichbarkeit per E-Mail sehen sie positiv.
Etwas weniger zufrieden als 2010 sind die Mitglieder mit der Interessensvertretung auf der politischen Ebene, vor allem in Hinblick auf Landesregierung und -verwaltung.
Die Organe und Gremien des Bauernbundes werden durchwegs gut bewertet, besonders hoch ist die Zufriedenheit mit der Bäuerinnenorganisation, der Bauernjugend und der Seniorenvereinigung.

Medienarbeit: Spitzenwerte für „Landwirt“ bestätigt
Die Zufriedenheit mit der Information für Mitglieder hat sich beinahe in allen Bereichen nochmals erhöht. Den höchsten Zufriedenheitswert weist der „Südtiroler Landwirt“ auf, gefolgt von der Internetseite und den Veranstaltungen.
Die Medienarbeit könnte aus Sicht der Mitglieder noch verstärkt werden, beinahe 80 Prozent der Mitglieder sind der Meinung, dass eine Distanzierung von „schwarzen Schafen“ innerhalb der Landwirtschaft sinnvoll ist.

Wünsche der Mitglieder für die Zukunft
Der Bauernbund wirkt auf die Mitglieder besonders vertrauenswürdig, hilfsbereit und zuverlässig. Gegenüber 2010 wird der Bauernbund von den Mitgliedern als etwas weniger stark und leistungsfähig gesehen.
Hohes Interesse zeigen die Mitglieder weiterhin für Rahmenvereinbarungen und den Aufbau des Qualitätsfleischprogramms. Eine sehr hohe Zustimmung gibt es für den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, auch der „Urlaub auf der Alm“ findet über alle Bezirke hinweg eine Mehrheit. Camping am Bauernhof ist hingegen hält die Mehrheit der Mitglieder nicht für wichtig (siehe Abb. 1).

Selbst- und Fremdbild im Vergleich
Im letzten Teil des Fragebogens ging es um eine allgemeine Einschätzung zur Landwirtschaft und um Erwartungen an diese. Dieselben Fragen waren im Sommer 2014 den Südtiroler Bürgern gestellt worden. Damit können die Selbsteinschätzung der Landwirte mit dem Bild, das Herr und Frau Südtiroler von der Landwirtschaft haben, verglichen werden.
Die Einschätzungen klaffen zum Teil weit auseinander. Die Aussage, dass Bauern zu viele Förderungen erhalten, ist für besonders viele Vieh- und Zu- und Nebenerwerbsbauern nicht zutreffend. Die Südtiroler Bevölkerung schätzt die Aussichten für die Landwirtschaft positiver ein als die Bauernbund-Mitglieder. Eine Diskrepanz gibt es zwischen den Erwartungen der Bevölkerung an ein Mehr an Tier- und Umweltschutz und der Bereitschaft, für Mehrleistung mehr zu zahlen. Die Erwartungen der Bauernbund-Mitglieder an die Landwirtschaft der Zukunft hingegen decken sich in groben Zügen mit jenen der Südtiroler Bevölkerung, so bei den Themen Erzeugung von Qualitätslebensmitteln, Pflege der Kulturlandschaft oder Erhalt von landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Zukunftsaussichten der Bauern
Die Einschätzung der Zukunftsaussichten für den eigenen Betrieb ist insgesamt stabil (s. Abb. 2). Allerdings sehen Vieh- und Nebenerwerbsbauern und ältere Mitglieder deutlich pessimistischer in die Zukunft. Besonders positive Zukunftsaussichten haben Mitglieder mit höherem Bildungsniveau, besonders Absolventen der Fachschulen für Landwirtschaft, aber auch Mitglieder mit Matura und Universitätsabschluss. Ebenso positiver als der Durchschnitt sehen Bauern mit Intensivkulturen und mit Zuerwerb am Hof die Zukunft.
Aus vielen Kommentaren der Mitglieder geht hervor, dass ein besonderer Einsatz für Kleinbauern (u.a. Berücksichtigung bei Förderungen) und Nebenerwerbslandwirte (Anerkennung der Doppelbelastung), die Sicherung der Berglandwirtschaft und eine insgesamt weniger bürokratische Landwirtschaft gewünscht werden. Verstärkte Zusammenarbeit mit dem Tourismus und Produktveredelung werden als Chance gesehen.
Zwei interessante Details: Für eine Besatzbegrenzung auf 2,5 Großvieheinheiten gibt es bei den Viehbauern eine erstaunlich klare Mehrheit von knapp 70 Prozent. 73 Prozent der Obst- und Weinbauern erachten Abdrift mindernde Maßnahmen für wichtig.

Erkenntnisse werden umgesetzt
Im Rahmen der Klausurtagung des Landesbauernrates wurde bereits eine erste Bewertung der Ergebnisse vorgenommen. In den nächsten Landesbauernratssitzungen wird jeweils ein Ergebnisschwerpunkt intensiv behandelt.
Die Punkte mit Verbesserungspotential werden im Rahmen eines Qualitätsmanagementprojekts mit Geschäftsleitung und Abteilungen im Herbst angegangen.
Dass die Meinung der Mitglieder ernst genommen und auch berücksichtigt wird, beweisen die zahlreichen Neuerungen, die aufgrund der Ergebnisse der Mitgliederbefragung 2010 vorgenommen wurden:
So wurde auch aufgrund der Ergebnisse der Mitgliederbefragung 2010 beispielsweise eine Innovations- und Energieberatung im Bauernbund aufgebaut. Auch im Bereich der Kommunikation hat der Bauernbund
neue Maßstäbe gesetzt: Um dem Mitglied die Arbeit am PC zu erleichtern, wurde die Bauernbund-Internetseite überarbeitet, deutlich benutzerfreundlicher gestaltet und mit zahlreichen Online-Angeboten und -diensten erweitert. Direktor Siegfried Rinner ist überzeugt: „Die Befragung ist repräsentativ und ein wertvolles Fundament für unsere Arbeit.“ Landesobmann Leo Tiefenthaler bedankt sich „bei allen Mitgliedern, die sich Zeit genommen haben, dem Bauernbund, ihrem Verband, wertvolle Bewertungen und Anmerkungen mitzugeben.“

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Eckdaten:

Die Befragung

Auftraggeber: Südtiroler Bauernbund
Untersuchungszeitraum: 19.12.2014–16.2.2015
Art der Befragung: schriftlicher Fragebogen
Auswahl Befragte: Zufallsprinzip
Datenquelle: Mitgliederdatenbank SBB
Erreichte Interviews: 827