Südtiroler Landwirt | 14.05.2015

„Will mir treu bleiben“

Franziska Bauer ist Bäuerin. Als Unternehmerin ist sie eine der Frauen, die der Beirat zur Förderung des weiblichen Unternehmertums der Handelskammer Bozen in seinem Projekt „Porträts Frau in der Wirtschaft“ mehr Sichtbarkeit geben will.

Franziska Bauer führt ihren Gschnofer-Hof in Terlan alleine. Sie ist also Bauer und Bäuerin in einer Person.

Franziska Bauer führt ihren Gschnofer-Hof in Terlan alleine. Sie ist also Bauer und Bäuerin in einer Person.

Schon als Jugendliche hat Franziska Bauer am elterlichen Hof mitgearbeitet. Seit knapp drei Jahren ist die Fünfzigjährige Eigentümerin des Gschnofer-Hofes oberhalb von Terlan. Gelernt hat die Bäuerin aber etwas ganz anderes, sie ist eigentlich Geometerin. Doch lernen und Neues probieren ist das, was sie antreibt. Die Handelskammer Bozen hat sie für das Projekt „Porträts Frau in der Wirtschaft“ ausgesucht und die nicht ganz klassische Bäuerin interviewt.

Frauen waren am Hof immer schon unverzichtbar, sie haben im Haus und am Feld angepackt. Die Rolle der Bäuerin hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte aber verändert. Leben Sie ihre Aufgabe als Bäuerin mit neuem Selbstbewusstsein?
Franziska Bauer: Ich bin in dem Sinne keine traditionelle Bäuerin. Zwar habe ich schon als junges Mädchen bei der Ernte am Hof mitgeholfen, habe aber eine Ausbildung zur Geometerin. Heute arbeite ich halbtags in einem Ingenieurbüro, den Rest der Zeit bin ich Bäuerin und lebe gemeinsam mit meinen beiden Söhnen Sebastian und Maximilian am Hof.
Ich bin Bauer und Bäuerin in einer Person, die Umstände haben es so gewollt und heute trage ich die volle Verantwortung für alle Entscheidungen. Nicht immer ganz einfach, aber es schafft auch Freiheiten und Freiräume.

Freiräume, um Traditionen zu brechen?
Nicht zwingend, ich versuche das zu tun, was mich interessiert und weiterbringt. Und warum soll ich meine verschiedenen Interessen nicht auch leben?
Nachdem ich meine Arbeit mit der Geburt meines zweiten Sohnes aufgegeben hatte, packte mich nach über 13 Jahren Pause wieder die Lust, einen Neueinstieg zu wagen. Ich wollte diese Herausforderung und mein früherer Arbeitgeber hat mir diese Gelegenheit gegeben.
So versuche ich meinen eigenen Weg zu gehen. Ich liebe es, am Hof zu arbeiten, in der freien Natur, aber ich fühle mich auch in meinem Bürojob wohl. Was mich antreibt, ist die Lust Neues auszuprobieren und in mehreren Bereichen aktiv und kreativ zu sein.

Ist für Sie die klassische Rollenaufteilung Mann/Frau überhaupt ein Thema?
Bereits vor der Hofübernahme hatte ich die Verwaltungsarbeit und Organisation des Betriebs übernommen. Ich fahre natürlich auch selbst mit dem Traktor, nehme an Weiterbildungen, Tagungen, Lehrfahrten und Versammlungen teil, eigentlich klassische Aufgaben eines Bauern, aber für mich kein Problem.
Seit einiger Zeit arbeitet mein Sohn Sebastian mit am Hof. Der gegenseitige Austausch tut gut und freut mich, das hat aber weniger mit Rollenaufteilung zu tun als mit Teamarbeit.

Haben Sie Vorbilder?
Ich bin mir selbst mein größtes Vorbild, denn ich muss für mein Handeln geradestehen. Wichtig ist mir, meinen Ideen und mir selbst treu zu bleiben. Ich bin den anderen nichts schuldig. Wächst man in eine Familie hinein, wo bestimmte Vorbilder hochgehalten werden, kann man Gefahr laufen, an alten Mustern hängen zu bleiben. Warum kann
ich mir nicht mein eigenes Bild schaffen? Ich möchte Dinge tun, weil sie mir gefallen, und nicht in erster Linie, weil ich mir einen Nutzen daraus erwarte.

Welchen Schwierigkeiten mussten Sie sich als Bäuerin stellen?
Früher verband ich Neuerungen eher mit Problemen, heute denke ich anders: Es kommt eine neue Aufgabe auf mich zu, eine Aufgabe, die ich lösen muss. Es geht um Courage, und nicht zu denken „kann ich das?“ Und so tun sich immer wieder neue Fenster auf. Ich bin jetzt 50 Jahre alt und habe das Gefühl jetzt erst so richtig durchzustarten.

Wenn Sie an eine junge Bäuerin denken, was raten Sie ihr?
Sie soll sich weiterbilden, Dinge tun, die ihr Freude bereiten und sie in ihrer Entwicklung weiterbringen. Es ist ein Geschenk, wenn man von zu Hause aus seinen Beruf ausüben kann.