Südtiroler Landwirt, Produktion | 14.05.2015

Der Käfer, der aus Japan kam

Nach dem Maiswurzelbohrer, der Kastaniengallwespe und der Kirschessigfliege bedroht ein weiterer, kürzlich nach Europa eingeschleppter Schädling die landwirtschaftlichen Kulturen. Es handelt sich um den ursprünglich aus Japan stammenden Japankäfer. von Konrad Mair und Anna Zelger, Landesamt für Obst- und Weinbau

Der Japankäfer trat im Vorjahr in der Lombardei auf und ist nicht mehr weit von Südtirol entfernt. (Foto: Wikimedia, Bruce Marlin)

Der Japankäfer trat im Vorjahr in der Lombardei auf und ist nicht mehr weit von Südtirol entfernt. (Foto: Wikimedia, Bruce Marlin)

Durch die Klimaveränderung und die stetig zunehmenden internationalen Handelsströme steigt auch das Risiko, dass immer neue Schadorganismen unbeabsichtigt in Gebiete fern ihres Ursprungsgebietes eingeschleppt werden. Solche invasiven Schaderreger können zu erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Schäden an den heimischen Kulturpflanzen und am Ökosystem führen.

Ausrottung scheint unmöglich
Mittlerweile ist der Japankäfer (Popillia japonica) außerhalb seiner ursprünglichen Heimat auch in China, Russland (Kurilen), Portugal, Kanada und in den USA verbreitet, wo er schnell zur Plage wurde.
In Italien wurde der Schädling erstmals im Jahr 2014 in der Lombardei und im Piemont in der Umgebung des internationalen Flughafens von Malpensa nordwestlich von Mailand festgestellt.
Obwohl das Befallsgebiet zum jetzigen Zeitpunkt noch relativ begrenzt ist, bestehen wohl keine Aussichten mehr auf eine Ausrottung des Schädlings.
Die Gefahr einer weiteren Ausbreitung und Verschleppung des Schädlings, auch nach Südtirol, muss als durchaus realistisch eingeschätzt werden.

Aussehen der Käfer und Larven
Der Japankäfer gehört wie der Maikäfer, dem er ähnlich sieht, zur Familie der Blatthornkäfer. Die ausgewachsenen Käfer weisen einen ovalen Körper auf und erreichen eine Länge von acht bis elf Millimeter und eine Breite von fünf bis sieben Millimeter.  Körper und Halsschild sind glänzend grün, die Flügeldecken bronze- oder kupferfarben und decken das Abdomen nicht vollständig ab. An jeder Abdomenseite befinden sich je fünf Flecken weißer Härchen. Am letzten Abdomensegment befinden sich noch zwei etwas größere weiße Flecken. Die Larven haben eine grauweiße Farbe und sind von bräunlichen Härchen bedeckt. Der Kopf ist gelb-bräunlich mit dunklen Mundwerkzeugen. Im Larvenstadium lassen sich die Engerlinge durch ihr V-förmiges Rastermuster leicht identifizieren.

Biologie und Schadbild
Die Weibchen graben sich im Boden ein, wo sie die Eier ablegen, insgesamt können dies 40 bis 60 sein. Die Farbe der ca. 1,5 Millimeter großen Eier variiert von durchscheinend bis cremefarben. Im Sommer schlüpfen die Larven und bleiben rund zehn Monate im Boden, wo sie auch überwintern. Nach einem Puppenstadium von ein bis drei Wochen schlüpfen die adulten Käfer von Mitte Mai bis Juni.
Sowohl die adulten Käfer als auch die Larven (Engerlinge) des Japankäfers schädigen Pflanzen und können zu empfindlichen Schäden in der Landwirtschaft führen.
Schäden an den Pflanzen werden v.a. durch die im Boden lebenden Larven verursacht. Unmittelbar nach dem Schlupf beginnen die Larven an den Wurzeln der Pflanzen zu saugen. Aufgrund der starken Saugtätigkeit können Pflanzenteile oder sogar die ganze Pflanze absterben.
Bei starkem Befall kann der Schädling die gesamte Grasnarbe vernichten. Die adulten Käfer leben an den oberirdischen Pflanzenteilen, ernähren sich von den Blättern, Blüten und Früchten und richten dadurch Schäden an den Pflanzen an.

Vielzahl an Wirtspflanzen
Anders als in seiner ursprünglichen Heimat, hat der Japankäfer hierzulande keine natürlichen Feinde, entsprechend groß ist das wirtschaftliche Schadpotential.
Der Wirtspflanzenkreis umfasst 300 Pflanzenarten – wirtschaftlicher Schaden wurde bislang an 100 Pflanzenarten festgestellt.
Zum Wirtspflanzenkreis gehören auch Apfel, Birne, Prunus-Arten (Aprikose, Pflaume, Marille usw.), Weinrebe, Rosen, Rubus-Arten (Brombeere, Himbeere), Erdbeere, Mais, Spargel, Ahorn, Linde und Ulme.
In der EU ist der Japankäfer als Quarantäneschädling eingestuft, das Auftreten des Schädlings ist meldepflichtig.