Südtiroler Landwirt, Marketing, Bauernbund | 29.04.2015

Glaubwürdige Bauernmärkte

Südtirols Bauernmärkte leben vom Vertrauen der Kunden. Die Produkte müssen vom eigenen Bauernhof stammen. Um das noch transparenter zu garantieren, streben die Bauernmärkte nun einheitliche Zugangskriterien und Kontrollen an.

Südtirols Bauernmärkte wollen sich und ihren guten Ruf vor schwarzen Schafen schützen. Denn in den vergangenen Jahren hat es vereinzelt Trittbrettfahrer gegeben, die nicht eigene, sondern zugekaufte Lebensmittel am Bauernmarkt verkauft haben. Diesem Missbrauch möchte der „Arbeitkreis Südtiroler Bauernmärkte“ des Bauernbundes nun einen Riegel vorschieben. Die stellvertretende Obfrau Cilli Folie sagt dazu: „Die Kontrollen waren bisher lückenhaft. Und wir brauchen eine klare Regelung, die für alle Bauernmarktler gleich gilt.“ Wie das gehen soll, darüber haben die Bauernmarktler bei ihrer Jahreshauptversammlung mit der Landtagsabgeordneten Maria Hochgruber Kuenzer diskutiert.
Kuenzer – selbst Bauernmarktlerin der ersten Stunde – schlägt vor allem zwei Maßnahmen vor: klare Zugangskriterien zum Bauernmarkt und eine unabhängige Kontrollstelle. Beide Maßnahmen seien – im Gegensatz zur aktuellen Situation – landesweit einheitlich zu handhaben: „Nur so können wir volle Transparenz garantieren: Der Kunde soll ganz genau wissen, wo und wie der Bauer produziert und dass das auch kontrolliert wird.“

Klare Zugangskriterien schaffen
Um die erste Maßnahme umzusetzen, schwebt Kuenzer ein Kriterienkatalog vor. Er soll eindeutig festlegen, unter welchen Voraussetzungen Bauern am Bauernmarkt teilnehmen dürfen. Denn bisher gelten in Südtirol nicht überall die gleichen Kriterien. Für die Marktordnungen sind nämlich die Gemeinden zuständig. Da die Bauernmärkte historisch unterschiedlich entstanden sind, sind auch die Kriterien überall etwas anders. „Die Kunden können das nicht nachvollziehen“, ist Kuenzer überzeugt: „Sie gehen davon aus, dass überall, wo 'Bauernmarkt' drauf steht, auch das gleiche drin ist. Daher erreichen wir nur mit einer landesweiten Regelung die größtmögliche Transparenz.“
Um den Kriterienkatalog zu erstellen, stellt sich Kuenzer die Zusammenarbeit der Südtiroler Bauernmarktler, des Bauernbundes und der Landesverwaltung bzw. Landespolitik vor: „Wir haben eine immense Vielfalt ganz unterschiedlicher Produkte. Wir müssen sie erfassen und in Produktgruppen einteilen.“ Erst danach soll ein Katalog stehen, der für jede dieser Gruppe die Qualitätskriterien für Anbau, Verarbeitung und Vermarktung festlegt.
Aber Vorschriften haben nur Sinn, wenn sie kontrolliert werden. Kuenzer fordert eine landesweit einheitliche Kontrolle. Arbeitskreis-Vorstandsmitglied Josef Kröss präzisiert: „Es geht dabei vor allem um die Herkunft: Kommen die Produkte tatsächlich direkt vom Hof des Bauern?“ Denn andere Qualitätskriterien – z.B. die Hygienestandards – sind gesetzlich bereits klar geregelt und werden einheitlich kontrolliert. Anders bei der Herkunft. Hier ist derzeit die Markt- bzw. Gemeindepolizei zuständig. Der Gemeindenverband ist damit nicht gerade glücklich. Das Argument: Anbieter auf Bauernmärkten kommen aus ganz Südtirol. Wie soll etwa ein Gemeindepolizist am Bauernmarkt Kaltern überprüfen, ob die Produkte eines Anbieters aus Pfalzen tatsächlich von dessen Hof stammen?

Kontrollstelle auf Landesebene
Eine einheitliche Kontrollstelle auf Landesebene wäre da die richtige Antwort. Folie und Kröss unterstützen Kuenzers Forderung: „Wir schützen damit die ehrlichen Bauernmarktler und schieben den Trittbrettfahrern einen Riegel vor. Auch Landesrat Arnold Schuler ist dieser Meinung: Er hält einheitliche Qualitätskriterien für sinnvoll, „um einerseits eine qualitative Verbesserung des Angebotes zu fördern und andererseits Trittbrettfahrer und solche, die diesen Trend ausnutzen wollen, abzuhalten.“ Bei der Frage, wer das kontollieren soll, hält er sich vorerst aber bedeckt.
Immerhin: Der Boden scheint bereitet. Südtirols Bauernmarktler wollen ihre Glaubwürdigkeit weiter stärken. Bis zur Umsetzung haben sie und die Politik aber noch ein gutes Stück Weg vor sich. Und danach wartet schon die nächste Frage: Sollen die Bauernmärkte dann auch eine landesweit einheitliche Vermarktungsstrategie angehen? Aber das ist wirklich noch Zukunftsmusik.