Verein Freiwillige Arbeitseinsätze, Südtiroler Landwirt | 29.04.2015

Gesegneter Einsatz

Freiwillige Arbeitseinsätze sind eine sehr aktive Form der Hilfe. Christen können darin einen Akt der Nächstenliebe sehen. Dass sie dafür den ganz persönlichen Segen des Papstes erhalten, das hätte wohl niemand zu hoffen gewagt. Am wenigsten Koordinatorin Monika Thaler von Guido Steinegger

Dieser Papst erreicht die Herzen der Menschen. Das hat die Reisegruppe des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze und der Despar hautnah erlebt.

Dieser Papst erreicht die Herzen der Menschen. Das hat die Reisegruppe des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze und der Despar hautnah erlebt.

Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nicht. Es ist, als legte sich ein Schleier rund um die Szene, und auf der ganzen Welt gibt es nichts anderes mehr als diesen einen Augenblick …
So einen Augenblick hat Monika Thaler vor zwei Wochen in einem kleinen Hinterhof des Vatikans erlebt. Im Schnelldurchlauf huschte ihr damals die Vorgeschichte durch den Kopf: Diese fast unglaubliche und doch irgendwie banale Verkettung kleiner Zufälle, frech gesagter Worte und eingelöster Versprechen, die dazu führen, dass sie jetzt in diesem Hinterhof ihm, Papst Franziskus, die Hand küsste.

Wie es dazu kam
Vielleicht beginnt die Geschichte in einem Keller in Kaltern. Dort erzählt die Gastgeberin Hermine Morandell ihrem Besuch Brigitte Bauer vom Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA), der freiwillige Helfer auf extreme Bergbauernhöfe schickt. Die engagierte Lehrerin des Edith-Stein-Gymnasiums – einer Mädchenschule in Bayern – wusste sofort: Das wäre etwas für meine Schülerinnen. Schon bald stand sie bei VFA-Koordinatorin Monika Thaler im Büro, und im folgenden Sommer rackerten die Schülerinnen auf Südtirols Berghängen bei Heuernte, in Stall, Stadel und Küche. Am Ende hatten rund 20 Schülerinnen auf verschiedenen Höfen ihre helfenden Hände zur Verfügung gestellt. Während eines dieser Aufenthalte lernte Frau Bauer auch Robert Hillebrand kennen, den Direktor von Aspiag Südtirol und als solcher Herr über alle Despar-Geschäfte im Lande. Aspiag ist einer der wichtigsten Sponsoren des VFA: Auf den Einkaufstaschen in allen Despar-Filialen ist das Logo des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze aufgedruckt – und für jede verkaufte Tasche spendet Despar zwei Eurocent an den Verein. 60.000 Euro sind so im vergangenen Jahr zusammen gekommen und hilft dem auf Spenden angewiesenen Verein, seine laufenden Kosten zu decken.

Heute beim Bischof – morgen beim Paspt …
Hillebrand war vom Einsatz des katholischen Mädchengymnasiums beeindruckt. Dank seiner Verbindungen organisierte er – sozusagen als Belohnung – kurzerhand einen Besuch bei Bischof Ivo Muser. Es war eine denkwürdige Begegnung, doch sie raubte Brigitte Bauer nicht ihre Schlagfertigkeit. Etwas salopp sagte sie einen folgenreichen Satz: „Heute beim Bischof. Morgen beim Papst?“ Es war nicht wirklich ernst gemeint; aber Hillebrand setzte es in die Tat um.
Es gelang ihm, einen Termin bei einer der wöchentlichen Generalaudienzen des Papstes zu organisieren. Und so fuhr am Mittwoch, 15. April eine recht lustig zusammengewürfelte Reisegruppe nach Rom: 20 Schülerinnen des Edith-Stein-Gymnasiums mit Direktor Manfred Zimmermann und Brigitte Bauer. Gerne wären viel mehr Schülerinnen mitgefahren: Das Los musste entscheiden. Dann die Gruppe des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze mit Obmann Georg Mayr, Caritas-Direktor Heiner Schweigkofler und Claudia Tscholl von der Lebenshilfe. Und schließlich eine Delegation von Aspiag-Italia, angeführt vom Marketing-Direktor Fabrizio Cicero und selbstredend mit Robert Hillebrand.
Als Geschenk im Gepäck hatten sie eine geschnitzte Madonnenfigur der Grödner Familie Stuflesser. Sicher hat sich Papst Franziskus darüber gefreut: Immerhin bedeutet jedes Geschenk Hilfe für die Armen. Denn der Papst lässt die Geschenke verkaufen, der Erlös geht an hilfstätige Organisationen. Spürbar gefreut aber hat sich Franziskus über das zweite Geschenk, das Aspiag mit nach Rom brachte: Ein Lastwagen voller Lebensmittel im Wert von 10.000 Euro! Und diesem Lastwagen hat Monika Thaler ihre ganz persönliche Begegnung mit Franziskus zu verdanken.

Während sich die Reisegruppe guter Dinge zum Petersplatz begab, auf dem die Generalaudienz stattfinden sollte, zog Robert Hillebrand Monika Thaler zur Seite: „Du kommst mit mir“, sagte er, „wir beide übergeben gleich die Lebensmittel“, und begleitete sie in den Hinterhof, auf dem der Lastwagen stand.
Was Thaler nicht ahnte: Der Papst kam höchstpersönlich. Er stieg aus dem Papamobil. Und da stand er nun vor ihr. Ein Bischof erklärte , was der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze leistet und was es mit dem Lastwagen voller Lebensmitteln auf sich hat. Man weiß, der Papst lächelt viel. Aber in diesem Augenblick ist nicht belegt, wer mehr strahlte: Franziskus, Robert oder Monika. „Er hat sich richtig Zeit genommen, mit uns zu plaudern“, berichtet Thaler. Der Papst sprach von den Ärmsten der Armen: „Gerade heute sind viele Flüchtlinge am Bahnhof Termini angekommen. An sie werden wir diese Lebensmittel verteilen. Weil wir ihnen helfen können, freue ich mich so besonders.“ Dann stieg er wieder ins Papamobil und machte sich auf den Weg zur Generalaudienz.
Dort liest er aus dem Buch Genesis, spricht über die Schöpfung und erklärt, dass die Verbindung von Mann und Frau ein Segen ist – aber nur, wenn sie gleichberechtigt, ohne Vorrang des einen über die andere geschieht. Die Worte berühren auch VFA-Obmann Georg Mayr: „Der Papst übte auch Selbstkritik: Bei der Beteiligung der Frauen habe auch die Kirche Nachholbedarf!“ Und dann folgte das Bad in der Menge, auf die Menschen zugehend mit offenem Herzen …

Es bleibt eine innere Kraft
Ob im Hinterhof beim Lastwagen oder auf dem weiten Petersplatz : Dieser Papst – das bestätigt die kleine Reisegruppe – hinterlässt in den Herzen der Menschen eine Kraft, die noch lange, vielleicht ein Leben lang anhalten wird.
Mit dieser Kraft im Herzen heimgekehrt, gehen alle wieder die Aufgaben ihres Alltags an. Auch an den Entscheidungsträgern von Aspiag-Italia scheint der päpstliche Einfluss nicht vorüber gegangen zu sein: Einige Wochen zuvor hatten sie noch überlegt, die Unterstützung für den VFA zu beenden.
Stattdessen sagte Marketing-Chef Fabrizio Cicero zum Abschied: „Die Arbeit dieses Vereins ist von unschätzbarem, menschlichem Wert. Wir werden sie weiterhin unterstützen.“ Und so kehrt der Verein nicht nur mit dem päpstlichen Segen, sondern auch mit einer sehr weltlichen, aber beruhigenden Nachricht nachhause: Wieder ist ein Teil der Finanzierung gesichert. Die Hilfe für die Bergbauern kann weiter gehen.

Vorfreude: Schülerinnen, Despar- und VFA-Delegation sowie Brigitte Bauer (r.) vor der Audienz

V.l.: Georg Mayr, Klaus Schmidt, Manfred Kompatscher, Monika Thaler, Heiner Schweigkofl er