Wirtschaft | 28.04.2015

Milchwirtschaft ist krisenfest

Die Wirtschaftskrise und der russische Importstopp führten 2014 zu rückläufigen Preisen am Milchmarkt. Die Südtiroler Milchwirtschaft konnte sich in diesem Umfeld jedoch gut behaupten. Bei der Vollversammlung zog der Sennereiverband Südtirol Bilanz.

Die Südtiroler Milchwirtschaft hat das Krisenjahr 2014 relativ gut überstanden. (Foto: Frieder Blickle)

Die Südtiroler Milchwirtschaft hat das Krisenjahr 2014 relativ gut überstanden. (Foto: Frieder Blickle)

Die Bergbauern konnten aufgrund der schlechten Witterung das Futter nur sehr schwer einbringen, wodurch sich die Produktionskosten erhöhten. Die Südtiroler Bäuerinnen und Bauern lieferten 379 Millionen Kilogramm Milch an die Milchhöfe, der Milchpreis stieg leicht auf 49,88 cent/kg (ohne MwSt.). Der Umsatz der Südtiroler Milchwirtschaft stieg um 1,3 Prozent auf 451 Millionen Euro und der Sektor bietet 910 sichere Arbeitsplätze.

Herausforderung für die Zeit nach der Quote
Für Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes Südtirol, ist klar, dass die Milchhöfe den Milchpreis auf den Märkten erwirtschaften: „Durch das Auslaufen der Quoten wird mehr Milch auf den Markt kommen, die Gunstlagen werden ihre Vorteile verstärkt ausspielen können. Die Südtiroler Milchhöfe haben sich gut auf die Zeit nach der Quote vorbereitet.“ Sie hätten in die Märkte investiert sowie in Qualität und Effizienz auf allen Stufen der Produktion. Doch das allein wird nicht reichen, weiß Reinalter: „Die Politik hat die Verantwortung, durch entsprechende Rahmenbedingungen die Milchwirtschaft im schärfer werdenden Wettbewerb zu unterstützen. Damit die Bäuerinnen und Bauern weiterhin Milch auf ihren Höfen produzieren brauchen sie Produktpreise, die eine lebensfähige Landwirtschaft ermöglichen. Milchproduktion zu Weltmarktpreisen ist im Berggebiet nicht möglich.“

Trotz Konsumkrise erfolgreich am Markt
Der Lebensmittelmarkt in Italien leidet seit Jahren an einer Konsumkrise. Der Konsum ist 2014 zwar erstmals wieder leicht angestiegen, trotzdem entwickelt sich das Bruttoinlandsprodukt weiterhin negativ. „In diesem schwierigen Umfeld haben sich die Südtiroler Genossenschaften erfolgreich behauptet“, freut sich Reinalter. Die Südtiroler Produkte sind durch ihre hohe und beständige Qualität gefragt. Der Kunde kauft zwar bevorzugt bei Aktionen ein, legt aber Wert auf Sicherheit und Glaubwürdigkeit. „Genau bei diesen Themen können wir punkten. Wir haben eine gentechnikfreie Produktion, einen kontrollierten Rohstoff und ein vorbildliches Kontrollsystem, das sowohl die Einkäufer der Handelsketten als auch die Konsumenten schätzen. Dies trägt zu unserem Erfolg bei“, ist sich Reinalter sicher. Dadurch konnten die Produkte zu guten Preisen abgesetzt werden, was sich im leicht gestiegenen Auszahlungspreis bemerkbar macht. Zudem wird inzwischen fast die gesamte Anlieferungsmilch verarbeitet und man ist nicht mehr so stark dem Versandmilchmarkt ausgesetzt. Auch dies habe laut Reinalter zur Preisstabilisierung beigetragen.

Südtirols Milchprodukte sind gefragt
Die meisten Produktsparten haben sich positiv entwickelt. Mengenmäßig am erfolgreichsten war die Joghurtproduktion mit einer Steigerung von 5,1 Prozent auf 126 Millionen Kilogramm. Für Reinalter ist dies umso erfreulicher, als der Joghurtmarkt italienweit mengenmäßig um zwei Prozent gesunken ist. Erfolgreich am Markt behaupten sich auch die verschiedenen Käsesorten, deren Menge um vier Prozent auf knapp 20 Millionen Kilogramm gesteigert werden konnte. Besonders die Frischkäselinie mit Mascarpone und Ricotta zeichnet sich mit einer Mengensteigerung von knapp sechs Prozent aus. Eine interessante Nische ist die Ziegenmilch. Die Ziegenmilchmenge wurde um 33 Prozent auf 0,8 Millionen Kilogramm gesteigert – daraus wurden Frischmilch, Käse, Joghurt und Butter hergestellt.

Strukturwandel schreitet weiter voran
Die Tendenz bei der Entwicklung der Anzahl an Milchlieferanten ist weiter rückläufig. „Wir hoffen, dass sich diese Entwicklung stabilisiert, weil die Milchhöfe den Rohstoff für ihre Qualitätsprodukte brauchen“, ist Reinalter besorgt. Knapp 60 Lieferanten haben die Milchproduktion eingestellt, sodass es noch 4980 aktive Milchlieferanten gibt.

Dichtes Kontrollnetz schafft Sicherheit
Um sichere und gesunde Lebensmittel zu garantieren, wird auf allen Stufen engmaschig kontrolliert. Der Sennereiverband Südtirol überwacht den gesamten Prozess der Milchproduktion – vom Bauernhof bis hin zum fertigen Milchprodukt, das in den Handel gelangt. Im abgelaufenen Milchjahr wurden im Labor des Sennereiverbandes täglich 3000 Rohmilchproben untersucht. Dies ergibt über fünf Millionen Analysen pro Jahr. Weiters wurden 16.000 Milchprodukte kontrolliert und dabei knapp 60.000 Analysen gemacht. Eine weitere Aufgabe des Sennereiverbandes ist die Beratung der Milcherzeuger sowie der milchverarbeitenden Almen und Direktvermarkter.

Landesbester Milchlieferant ausgezeichnet

Am Bauernhof wird durch das perfekte Zusammenspiel von Tier und Mensch die Grundlage für die hohe Qualität der Südtiroler Milch gelegt. Milchproduzenten sind 365 Tage im Jahr gefordert, denn für beste Qualität braucht es täglichen Einsatz und Fleiß.
Die Bemühungen der Bäuerinnen und Bauern werden durch die Auszeichnung des landesbesten Milchlieferanten sichtbar gemacht. Alle Milchlieferanten, die das gesamte Jahr Milch mit Superklasse abgeliefert haben, erhalten eine Plakette. 2014 waren dies 2344 Lieferanten.
Aus allen Milchlieferanten wird nach einem ausgefeilten Punktesystem der Landesbeste ermittelt. Als landesbester Milchlieferant 2014 wurde Erwin Gschliesser, Bergchristel aus Mareit/Ratschings ausgezeichnet. Von 100 möglichen Punkten hat er 98,99 Punkte erreicht.