Wirtschaft | 24.04.2015

Kovieh: Gutes Ergebnis im Krisenjahr

Für die Südtiroler Bergbauern war das Jahr 2014 alles andere als leicht. Das Viehvermarktungskonsortium Kovieh kann dennoch zufrieden sein: Bis auf wenige Ausnahmen zeigte der Trend überall nach oben. von Bernhard Christanell

Der Verwaltungsrat des Kovieh mit Ehrengästen vor dem Haus der Tierzucht

Der Verwaltungsrat des Kovieh mit Ehrengästen vor dem Haus der Tierzucht

Bei der Jahreshauptversammlung im Haus der Tierzucht zogen Obmann Lorenz Gasser und Geschäftsführer Martin Tröger Bilanz über ein erfolgreiches Jahr 2014. Gasser fasste die Zahlen zusammen: „Zu unseren 94 Versteigerungen in Bozen und St. Lorenzen wurden 41.878 Tiere angeliefert. Das sind 685 Tiere mehr als im Jahr zuvor und das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Kovieh.“ Zu Buche schlägt dabei vor allem die Zahl der vermarkteten Kleintiere, die gegenüber 2013 um 1187 auf 5798 stieg. Auch die Zahl der Rinder (+484) und der über das Südtiroler Qualitätsfleisch vermarkteten Tiere (+91) tragen wesentlich zum zahlenmäßig sehr guten Ergebnis bei.

Deutlich weniger Kälber vermarktet
Dass das Plus nicht noch deutlich höher ausfällt, liegt daran, dass die Zahl der vermarkteten Kälber gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen ist: 23.704 Tiere bedeuten ein Minus von 1094 Kälbern gegenüber 2013. Geschäftsführer Martin Tröger begründete diesen Rückgang, der vorwiegend auf die geringeren Anlieferungen aus der östlichen Landeshälfte zurückzuführen ist, mit veränderten Marktstrukturen: „Einige Großhändler aus dem Ausland, die in den vergangenen Jahren nicht mehr bei uns unterwegs waren, traten im vergangenen Jahr wieder vermehrt auf. Sie besuchen die Bauern direkt auf den Höfen und kaufen dort die Kälber.“

Rund 90 Prozent der Tiere werden bei den Kovieh-Versteigerungen in Bozen verkauft, der Rest bei den Schlacht- und Mastviehversteigerungen in St. Lorenzen. Zahlenmäßig am schwächsten waren auch 2014 die Versteigerungen in den Monaten Mai bis August. Wenn die Tiere im September von den Almen zurückkehren, steigen die Auftriebszahlen sprunghaft an.

Preise für Kleintiere besser, Minus bei Rindern
Für die Bauern wesentlich interessanter als die reinen Verkaufszahlen sind naturgemäß die erzielten Preise. Und auch hier kann das Kovieh mit dem erzielten Ergebnis zufrieden sein: Mit 15,33 Prozent erzielten die Kleintiere auch hier das deutlichste Plus, nach oben zeigte der Trend 2014 auch bei den Pferden (2,68 Prozent) und den Kälbern (1,52 Prozent). Getrübt wird das Bild durch einen deutlichen Preisrückgang bei den Rindern, für die die Preise im Jahr 2014 im Schnitt um 8,45 Prozent niedriger ausfielen als im Jahr zuvor. Geschäftsführer Martin Tröger führte diese Entwicklung auf das russische Einfuhrverbot für Lebensmittel zurück: „Wegen dieses Embargos sind eine Reihe von Stammkunden aus den Niederlanden im vergangenen Jahr ausgeblieben, die in der Vergangenheit bei uns Rinder kauften und das Fleisch dann eben unter anderem nach Russland exportierten.“

Höhepunkte im Vermarktungsjahr waren auch im Jahr 2014 die Osterochsenversteigerung in St. Lorenzen und die Weihnachtskalbinnen-Versteigerung, die erstmals in Bozen stattfand – eine laut Obmann Gasser gelungene und wohlüberlegte Premiere: „Wir haben uns für diesen Schritt entschieden, weil eine solche Menge von Tieren, wie sie bei der Weihnachtskalbinnen-Versteigerung aufgetrieben wird, in St. Lorenzen nur sehr schwierig bewältigt werden kann.“

Starker Aufwind für Qualitätsfleisch
Eine Nische – aber als solche von Jahr zu Jahr erfolgreicher – ist das Südtiroler Qualitätsfleisch. Im Jahr 2006 bei null gestartet, ist die Zahl der verkauften Tiere im Jahr 2014 auf 304 gestiegen. Verantwortlich für das Qualitätsfleisch-Programm ist beim Kovieh Daniel Prossliner. Er zeigte auch die aktuelle Entwicklung auf: „Im laufenden Jahr liegen wir bereits wieder über den Zahlen vom Vorjahr, wir können also wieder auf eine Steigerung hoffen.“

Das Kovieh hat beim Qualitätsfleisch-Programm zwei wichtige Aufgaben zu erfüllen. Zum einen ist dies die Beratung der Bauern: Diese werden direkt am Hof besucht, die Tiere werden begutachtet, und der Bauer wird hinsichtlich der Haltung und Mast bestmöglich beraten. Zum anderen ist das Kovieh auch Vermittler zwischen den beteiligten Parteien: Seine Aufgabe ist es, gerechte Verkaufspreise mit den Produzenten und der Metzgern festzulegen und den passenden Metzger für die verkäuflichen Tiere zu finden. „Zwei Gründe tragen dazu bei, dass das Qualitätsfleisch immer besser den Weg zum Konsumenten findet: die Möglichkeit, das Fleisch mit der Südtiroler Qualitätsmarke auszeichnen zu können und – was vor einigen Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit schien – die Vermarktung an die Gastronomie über die Gastrofresh“, unterstrich Prossliner. Auch öffentlichkeitswirksame Auftritte wie bei der Tipworld in Bruneck und beim Erntedankfest des Südtiroler Bauernbundes tragen dazu bei, das Qualitätsfleisch noch bekannter zu machen.

Geschäftsführer Tröger zeigte sich ebenfalls erfreut über die Entwicklung: „Es ist uns ein Anliegen, jene Bauern in der Landwirtschaft zu halten, die einem Zuerwerb nachgehen – und dies scheint uns mit dem Qualitätsfleisch-Programm zu gelingen.“ Obmann Gasser fügte hinzu, dass beim Qualitätsfleisch-Programm alle Beteiligten profitieren: „Das fängt bei den Bauern an, die Kälber zu unseren Versteigerungen liefern – aus diesen suchen wir die besten Maststiere aus. Am anderen Ende der Wertschöpfungskette stehen die Metzger, die den Kunden mit dem Qualitätsfleisch einen Mehrwert bieten können.“

Leistungen der Bauern noch besser kommunizieren
In ihren Grußworten dankten Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler, die Landtags-Abgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer und Bauernbund-Obmannstellvertreter Viktor Peintner dem Kovieh für die wertvolle Dienstleistung, die sie den Südtiroler Bergbauern bieten. Schuler erinnerte daran, dass es im Berggebiet zur Vieh- und Milchwirtschaft keine Alternative gebe und dass diesen daher ein besonderes Augenmerk gelte. Kuenzer rief die Bauern auf, auch weiterhin auf die Nachzucht zu setzen und die Leistungen der Landwirtschaft der Bevölkerung mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit noch näher zu bringen. Peintner warnte davor, dass es auch in Südtirol zu einer Tierschutz-Diskussion kommen könne, wie es sie in Deutschland derzeit schon massiv gibt. Die Bauern rief er dazu auf, die Tiere bei den Versteigerungen ansehnlicher zu präsentieren, weil das für die Käufer ein zusätzlicher Anreiz sein könnte, höhere Preise zu zahlen. 

Kovieh-Obmann Lorenz Gasser

Kovieh-Geschäftsführer Martin Tröger