Bäuerlicher Notstandsfonds, Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 02.04.2015

Eine Feuerwehr zweiten Grades

Der Bäuerliche Notstandsfonds (BNF) hat in den 25 Jahren seines Bestehens rund 17 Millionen Euro an Spenden gesammelt und an bedürftige Familien weitergegeben. Was hinter dem Erfolg des BNF steckt, wurde bei der Vollversammlung am Montag deutlich. von Renate Anna Rubner

Dankte den „vielen, vielen Unterstützern, die sich für den BNF stark machen“: BNF-Obmann Sepp Dariz.

Dankte den „vielen, vielen Unterstützern, die sich für den BNF stark machen“: BNF-Obmann Sepp Dariz.

Josef Dariz wurde nicht müde allen zu danken: Allen ehrenamtlich Tätigen und hauptamtlichen Mitarbeiter im Büro in Bozen aber ganz besonders allen, die über die Jahre hin immer wieder gespendet oder durch verschiedene Aktionen und Geschenke Gelder gesammelt und dem „Bäuerlichen Notstandsfonds – Menschen helfen“ zur Verfügung gestellt haben. „Euch allen ein herzliches Vergelt’s Gott dafür, dass ihr euch immer wieder für den Bäuerlichen Notstandsfonds stark gemacht habt!“, richtete er sich an alle, die vergangenen Montag zur Vollversammlung in der Kellerei Meran Burggräfler gekommen waren.

Dank für langjährigen Einsatz
Viel Lob kam indes auch zurück. Landesrat Arnold Schuler dankte allen Beteiligten, stellte aber auch klar: „Wenn wir an den Bäuerlichen Notstandsfonds denken, dann ganz automatisch an dich, lieber Sepp. Ohne dich wäre der BNF nicht das, was er heute ist: eine seriöse und vertrauenswürdige Hilfsorganisation für die Not Leidenden in unserem Land.“ Auch Senator Hans Berger – als Landesrat für Landwirtschaft einst 14 Jahre lang Wegbegleiter der Hilfsorganisation – lobte: „Der BNF ist quasi eine Feuerwehr zweiten Grades“, sagte er. „Die Feuerwehr löscht da, wo es brennt. Ihr seid dann zur Stelle, wenn der Schaden wieder behoben werden muss!“
Von solchen Schadensbehebungen weiß Dariz nur zu gut zu berichten. Im abgelaufenen Jahr hat der BNF 90 Ansuchen bearbeitet – 62 aus dem bäuerlichen Umfeld, 28 für ‚Menschen helfen‘. 127 Unterstützungsbeschlüsse habe der BNF-Vorstand gefasst, nur fünf Anträge mussten abgewiesen werden. Besondere Bedeutung misst der Obmann den Lokalaugenscheinen bei, die mit den jeweiligen Bezirksleitern des Südtiroler Bauernbundes gemacht werden: „Bei den Besuchen vor Ort wird das Ausmaß des Schadens und der Notsituation oft erst richtig klar.“ Es bedeute zwar immer einen großen Aufwand und auch psychische Belastung, wenn man sich Situationen persönlich anschaut, aber der Wert dieser Lokaltermine sei enorm, sagte Dariz.

Unermüdlich für Bedürftige
Der Bäuerliche Notstandsfonds hat im abgelaufenen Jahr 97 Familien und alleinstehende Personen mit insgesamt 1.125.000 Euro unterstützt. Weitere 330.000 Euro wurden über das Förderprojekt „Ethical Banking“ gewährt. Das macht einen Gesamtbetrag von 1.455.000 Euro aus. Über das Projekt „Zukunft schenken“ erhielten darüber hinaus 39 Not leidende Kinder und Jugendliche eine Studien- oder Schulbeihilfe, acht davon aus dem Fonds Verlassenschaft Aloisia Tutzer-Stiftung. Eine große Hilfe sind auch die drei BNF-Holzhäuser für Familien, die zeitweise ihren Hof verlassen müssen, damit dieser wieder aufgebaut oder bewohnbar gemacht werden kann: Derzeit stehen sie im Vinschgau, im Sarntal und im Passeiertal. Letzteres wird bald nach Deutschnofen wechseln.
Ein Sonderprojekt des Bäuerlichen Notstandsfonds gilt der Berglandwirtschaft: „Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um den jungen Familien auf unseren Bergbauernhöfen zu helfen“, sagte Dariz. „Es ist wichtig, dass sie auf den Höfen bleiben.“ Auch die Politik müsse das ihre dazu tun, den Bergbauern auf ihren extremen Höfen ein Auskommen und ein angemessenes Leben und Wirtschaften zu ermöglichen.

Lösungen je nach Fall
Die Hilfe des Bäuerlichen Notstandsfonds geht aber über die rein materielle Unterstützung hinaus: Er bemüht sich, für die jeweilige Situation oder Notlage eine individuelle Lösung zu erarbeiten: gemeinsam mit den Bauernbund-Bezirksleitern, dem BNF-Projektkoordinator Paul Psenner, Mitarbeitern der Landesabteilung für Landwirtschaft, Finanzierungsberatern und externen Freiberuflern sowie bei Krankheitssituationen mit einem Facharzt.
So bietet der BNF neben der finanziellen Unterstützung auch Begleitung und Beratung in Härtefällen an, ebenso Hilfe bei Verhandlungen mit Banken und Firmen, wenn es um die Reduzierung von Zinslasten oder Kosten geht. Effizient wird die gesamte Bandbreite der Hilfestellung auch durch ein engmaschiges Netz an Kooperationen und Partnern, z.B. mit dem Verein Freiwillige Arbeitseinsätze, Maschinenring und BRING, CreditAgri  sowie anderen privaten und öffentlichen Einrichtungen.

Vielseitige Geldquellen
Vielseitig und unterschiedlich sind auch die Geldquellen des BNF: Mit etwas mehr als einer Mio. Euro machen die freiwilligen Spenden – vor allem von Privatpersonen – 71 Prozent des Gesamtkuchens aus. Weitere 15 Prozent, also 213.500 Euro, kommen von Partnern und anderen Einrichtungen: So ist die vorweihnachtliche Aktion „Südtirol hilft“ sehr erfolgreich. Auch die Stiftung Südtiroler Sparkasse und der Charity-Fonds tragen einen Teil dazu bei. Die Benefizaktionen bringen 188.000 Euro ein, Verlassenschaften trugen mit 10.550 Euro zum Budget bei. Damit sind 2014 insgesamt 1.451.700 Euro an Finanzmitteln eingegangen.
Immer wieder machen der Bäuerliche Notstandsfonds und seine Unterstützer mit verschiedenen Aktionen von sich reden: Der größte Teil der Erlöse stammt aus der jährlichen Weihnachtskartenaktion. „78.000 Karten verkaufen wir in dieser Zeit“, erklärte Dariz. Er dankte den vielen Freiwilligen und Mitarbeiterinnen im Büro, die in der Vorweihnachtszeit immer mit viel Engagement bei der Sache sind, und den Künstlern, die die Karten gestalten. Öffentliche Sammlungen wie bei Messeauftritten, beim Weihnachtsmarkt auf Schloss Rametz in Meran oder beim Erntedankfest am Bozner Waltherplatz sind ebenfalls wichtige Standbeine. Viele bäuerliche Organisationen sammeln rund um’s Jahr mit verschiedenen Aktionen Gelder für den Notstandsfonds. So laden die Grieser Gärtner jedes Jahr an Silvester zu „Austern und Sekt“. „Sie sammeln beachtliche Beträge“, freute sich Dariz. Auch der Benefiz-Flohmarkt der Pfarrcharitas Vahrn, der inzwischen „legendäre“ Weihnachtskeller der Geschwister Kössler in St. Pauls oder die seit Jahren erfolgreiche Kalender-Aktion „Flugretter helfen“ der Flugrettung sorgen für Nachschub in den BNF-Kassen. Für das laufende Jahr wurde ein Jubiläumskalender gedruckt. Den Erlös von 16.500 Euro überreichte die Flugrettung während der Jahreshauptversammlung.
Die Liste der Spender und Wohltäter scheint unendlich: Von den Firmen Doppelmayr und Beikircher Grünland oder den Landmaschinenhändlern Pfeifer und Sanoll, über Jagdvereine und bäuerliche Ortsgruppen wie Bäuerinnen oder Bauernjugend bis zum Krampusverein Kastelruth oder den Südtiroler Mundartdichtern: Sie alle haben dafür gesorgt, dass der Bäuerliche Notstandsfonds dort helfen konnte, wo es am nötigsten war.

Helfen macht dankbar
Zum Schluss war es Josef Dariz ein Anliegen, klar zu legen, dass wirklich alle Spenden bei den Not Leidenden ankommen. Die Verwaltung wird anderweitig finanziert: Hauptsächlich durch die Zuweisung der fünf Promille in der Steuererklärung und den Landesbeitrag.
Schließlich blickte der Obmann mit Genugtuung auf die „enorme Entwicklung“ zurück, die der Fonds in den 25 Jahren seit seiner Gründung mitgemacht hat. Familienseelsorger Toni Fiung sprach zum Motto „Wahrnehmen, helfen, danken“, unter dem die ganze Jubiläumsfeier dieser Jahreshauptversammlung stand: „Der Mensch hat die Fähigkeit, Not wahrzunehmen und auch das Bedürfnis, spontan zu helfen.“ Das Helfen müsse aber auch Freude machen. „Dann spürt man auch Dankbarkeit“, ist Fiung überzeugt. „Und wer dankbar ist, ist zufriedener …“


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