Südtiroler Landwirt, Betriebsberatung | 19.03.2015

Ein schwieriges Futterjahr

Das Futterjahr 2014 war von einer außergewöhnlichen Witterung geprägt. Auffallend dabei waren der nasse und warme Jahresbeginn sowie die niederen Temperaturen und häufigen Niederschläge im Sommer. von Claudia Florian, Giuseppe Romano, Giovanni Peratoner, Arnold Bodner (VZ Laimburg); Karl Gallmetzer (FS Salern); Stefan Theiner, (FS Fürstenburg); Georg Tschurtschenthaler (Bezirksamt für Landwirtschaft Bruneck)

Die Proben des Versuchszentrums Laimburg bestätigen: Bei der Futterernte 2014 mussten die Bauern zwischen Qualität und Menge entscheiden. (Foto: www.agrarfoto.at)

Die Proben des Versuchszentrums Laimburg bestätigen: Bei der Futterernte 2014 mussten die Bauern zwischen Qualität und Menge entscheiden. (Foto: www.agrarfoto.at)

Ertrag und Futterqualität sind in der Grünlandwirtschaft wichtige Größen. Jedes Jahr gilt es für den Landwirt, den optimalen Zeitpunkt zu finden, an dem sowohl Qualität als auch Ertrag zufriedenstellend sind. Die Futterpflanzen – besonders Gräser – bauen während des Wachstums zunehmend wenig verdauliche Gerüstsubstanzen auf. Gleichzeitig verschlechtert sich der Proteingehalt, während der Ertrag zunimmt. Über die Jahre einen festen Erntetermin einzuhalten, bietet keine Lösung, denn vor allem die Witterung bringt große Ertrags- und Qualitätsunterschiede.
Um den Landwirten eine Orientierungshilfe zur Schätzung der Qualität des eigenen Futters anzubieten, beschreibt das Versuchszentrum Laimburg seit 2003 die Futterqualität beim ersten Aufwuchs an den Standorten Glurns, Sexten, Vahrn, Villanders und Völser Aicha. In den vergangenen beiden Jahren wurden die Standorte Brixen/St. Andrä, Dietenheim und Olang, die bereits 2003–2007 Teil der Untersuchungsreihe waren, im Rahmen des Projektes „webGRAS“ wieder mit aufgenommen (s. Tab. 1). Ende 2015 soll dieses vom EFRE geförderte Projekt eine Web-Applikation zur Verfügung stellen, mit der die Landwirte die potentielle Futterqualität des ersten Aufwuchses schätzen können. Grundlage dafür bilden die bisher gesammelten Daten aller Standorte.
Die Wissenschaftler haben ab Erreichen des Weidestadiums – bei einer Bestandeshöhe von 15 cm – sieben Wochen lang alle sieben Tage Grünfutterproben gezogen und im Futtermittellabor analysiert. 2014 wurden die Proben zusammen mit den Fachschulen Fürstenburg und Salern sowie dem Bezirksamt für Landwirtschaft Bruneck genommen.

Nasser und warmer Jahresbeginn
Das Wetter war im Jänner und Februar 2014 überdurchschnittlich nass. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge überstieg jene der Vorjahre um ein Vielfaches (Abb. 1). Auch die Temperaturen lagen über dem langjährigen Durchschnitt. An vier von acht Standorten (Brixen/St. Andrä, Dietenheim, Vahrn, Völser Aicha) wurde das Weidestadium so früh wie noch nie seit Beginn der Probennahme erreicht. An allen Standorten außer Sexten wurde das Weidestadium heuer vor dem Mittelwert der Jahre 2003–2013 (Tab. 2) erreicht.
Bei Vegetationsbeginn, ab März, lag die Niederschlagsmenge jeweils unter dem Durchschnittswert der Vorjahre. Die Temperaturen lagen im durchschnittlichen Bereich.

Richtwerte für die Futterqualität
Der Verlauf der Futterqualität wird durch den Vergleich der Mittelwerte (2003–2013) mit den Werten von 2014 beschrieben. Es handelt sich um Richtwerte, da die Untersuchung in Kleinparzellen von 0,25 Quadratmetern erfolgte. Die Ertragswerte sind verlustfrei angegeben, die Rohfaser- und Rohproteinwerte entsprechen denen des Futters vor der Konservierung und sind dementsprechend anzupassen.
Abb. 2 zeigt: An den ersten drei sowie am letzten Schnitttermin lag der Ertrag 2014 nahe am langjährigen Mittelwert; am vierten Termin lag er darunter, am fünften und sechsten Termin darüber. Die einzelnen Standorte zeigen jedoch ziemliche Unterschiede in den Ertragswerten: In Vahrn und Glurns war der Ertrag eher hoch, in Olang und Dietenheim hingegen unterdurchschnittlich niedrig.
Auffallend in Abb. 3: Die Rohfasergehalte 2014 lagen deutlich unter dem Mittelwert der Vorjahre. Sehr ähnlich auch beim Gehalt an Rohprotein (Abb. 4): Mit Ausnahme vom vierten Schnitttermin lag er deutlich unter dem Durchschnitt der Vorjahre.
Tab. 3 stellt den Verlauf der Futterqualität, unter Berücksichtigung des Gehalts an Rohprotein und Rohfaser, an allen acht Standorten dar. Die Futterqualität ist in der ersten Woche ab Weidestadium an allen Standorten als optimal einzustufen. In Vahrn nahm die Qualität bereits ab diesem Zeitpunkt stetig ab, in Olang hingegen konnte die Futterqualität bis zu zwei Wochen ab Weidestadium mit gut bewertet werden. In Villanders, Dietenheim, Brixen/St. Andrä und Glurns konnte bis zu drei Wochen ab dem Weidestadium eine gute Futterqualität geerntet werden. Noch länger – bis zu vier Wochen ab dem Weidestadium – konnte die Futterqualität in Völser Aicha mit gut bewertet werden. Die Futterqualität kräuterreicher Wiesen – am Standort Sexten – wurde aufgrund des geringen Rohfasergehaltes zu keinem Zeitpunkt als schlecht bewertet. Kräuter verholzen im Gegensatz zu Gräsern allgemein langsamer. Das beeinflusst den Rohfasergehalt bei späteren Ernteterminen positiv. Kräuter können jedoch bei der Heugewinnung zu höheren Masse- und Qualitätsverlusten führen (Bröckelverluste). Daher sollte der Anteil von Kräutern im Pflanzenbestand 30 Prozent nicht übersteigen. Kräuterreiche Bestände verunkrauten außerdem leichter.
An keinem Standort wurde bei guter Futterqualität der maximale Ertrag erreicht. Das zeigt: Wer seinen Ertrag maximieren wollte, musste verminderte Qualität akzeptieren.