Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bauernjugend | 16.03.2015

Unser Brauchtum lebt

Vergangenen Sonntag hatte Südtirols bäuerliche Jugend das Wort: Traditionen und Bräuche standen im Mittelpunkt einer bewegenden Versammlung mit einem rührenden Abschied und neuen Obmann. von Andreas Mair

Das Motto der Versammlung spiegelt sich auch in den bunten Trachten wieder. Aus allen Landesteilen kamen Mitglieder und Funktionäre nach Bozen zur Versammlung.

Das Motto der Versammlung spiegelt sich auch in den bunten Trachten wieder. Aus allen Landesteilen kamen Mitglieder und Funktionäre nach Bozen zur Versammlung.

Viele Bräuche und Traditionen haben ihren Ursprung im bäuerlichen Leben. Angefangen bei der Pflege der Kulturlandschaft. Dosser betonte: „Es gilt mehr denn je den Wert Heimat und die Menschen, die dieses Bild zeichnen zu achten und zu schätzen, wenn wir unsere Heimat auch weiterhin bis zur steilsten Wiese am Berg gepflegt haben wollen.“ Weiters zählen die Alltagsbräuche bei der Arbeit, der Dialekt oder die kirchlichen Bräuche zum bäuerlichen Leben dazu. Die Jugend hat eine große Aufgabe: „Die Bräuche zu schätzen und in einer passenden Form weiterzugeben. Unser Brauchtum lebt“, unterstrich die SBJ-Landesleiterin Christine Tschurtschenthaler.

Hofübergabe beim Landesobmann

Für Hannes Dosser war es der letzte Auftritt als Landesobmann auf der Bühne der Südtiroler Bauernjugend. Sechs Jahre stand er der SBJ vor. Mit Worten des Dankes und nicht enden wollendem Applaus verabschiedete sich die Bauernjugend von ihm. Zum Nachfolger wurde Sieghard Alber aus Vöran gewählt, zu den neuen Obmann-Stellvertretern Andreas Reden und Hannes Pirhofer. Mit überwältigender Stimmenmehrheit wurde Christine Tschurtschenthaler als Landesleiterin bestätigt. Stellvertreterinnen sind Renate Pedrotti und Cilli Mittelberger.
Lob für die gelungene Versammlung gab es von den Ehrengästen. „Die Zukunft der Landwirtschaft hängt von einer motivierten Bauernjugend ab; ohne sie wären schon viele Stalltüren zu“, sagte Landesrat Arnold Schuler. Was die bäuerliche Bevölkerung und die Bauernjugend tut, verdient Wertschätzung und darf stolz machen. Darauf verwies Landesrat Philipp Achammer.

Auszeichnung für junge Familie aus Sarntal

Im Mittelpunkt der Versammlung stand auch eine junge Familie aus Sarntal: Ingrid Steiner und Armin Kröss erhielten den Raiffeisen-Jungbergbauern-Preis – als Anerkennung für ihre Leistungen für die Bewirtschaftung des mit 116 Erschwernispunkten zählenden Oberbach-Hofes. Überreicht wurde der Preis von Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol.
Ingrid Steiner bekam den Hof 2003 von ihrem Vater. Früher wurden die entlegenen Flächen vom Breuhof in Sarnthein aus bewirtschaftet. Steiner war damals 21 Jahre alt, Kröss 24. „Wir wollten aber nicht nur auf einem Bauernhof wohnen, sondern auch Bauern sein“, erzählt Steiner. So stellten sie nach und nach wieder Vieh ein, bauten 2008 das Wohnhaus neu, sanierten das Wirtschaftsgebäude und kauften Maschinen. Die steilen Wiesen wurden planiert und entwässert, Zufahrtswege angelegt.
Mittlerweile hat die Familie drei Kinder: Alexander, Matthias und Magdalena. „Wie dieser Berghof bewirtschaftet wird, ist beispielhaft für den Bauernstand, unterstrich SBJ-Bezirksobmann Andreas Domanegg. Mit der Bezirksleiterin Angelika Springeth trug er die Laudatio vor. Die Verleihung sei ein Zeichen der Wertschätzung – stellvertretend für viele Bergbauernfamilien, die die schöne Landschaft erhalten. „Dass unsere Berggebiete belebt sind, ist der Verdienst der Jungbauern“, sagte Heiner Nicolussi-Leck vom Südtiroler Raiffeisenverband.

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3 Fragen an Sieghard Alber

Was wird deine erste Aufgabe sein und wo siehst du die Südtiroler Bauernjugend in vier Jahren?
Meine erste Aufgabe ist derzeit, gut in mein neues Amt als Landesobmann der Südtiroler Bauernjugend zu starten. Ich bin dabei, mich in verschiedene Themen einzulesen und mir die nötigen Informationen zu beschaffen. So kann ich hoffentlich langsam und gut informiert in mein neues Amt hineinwachsen.
In vier Jahren sehe ich die Südtiroler Bauernjugend immer noch als größte Jugendorganisation in Südtirol, die aktiv ihre Anliegen vorbringt.

Jugendorganisationen äußern sich oft kritisch, was auch gut ist. Wird sich auch die Bauernjugend in Zukunft kritisch äußern?
Wir werden sicher die Probleme, die es gibt, ansprechen, uns beraten und eine konstruktive Lösung suchen.
Wo Probleme sind, werden wir uns sicher (auch kritisch) zu Wort melden, damit wir gemeinsam eine bessere Lösung finden können. Das haben wir in der Vergangenheit so gemacht und das werden wir auch in der Zukunft so handhaben.

Die Südtiroler Bauernjugend hat viele Gesichter. Neben der sinnvollen Freizeitgestaltung finden auch politische Themen ihren Platz. Was ist dir wichtiger?
Ich denke der Erfolg der Südtiroler Bauernjugend liegt in der Kombination genau dieser beiden Thematiken: Ein gutes Zusammenspiel einer Jugend, die ihre Freizeit sinnvoll nutzt und das Gesellige pflegt, aber auch politische Themen anschneidet und sich so für ihren Stand einsetzt.
Beides zusammen macht das aus, was die Südtiroler Bauernjugend heute ist: eine selbstbewusste und moderne Jugendorganisation.


Einen umfangreichen Rückblick in Bildern auf die Mitgliederversammlung gibt es auf der Facebook-Seite des „Südtiroler Landwirt“.

Die neue Landesführung der SBJ (von links): Cilli Mittelberger, Renate Pedrotti, Christine Tschurtschenthaler, Sieghard Alber, Hannes Pirhofer, Andreas Reden und Landessekretär Andreas Mair.

Jungbäuerin Ingrid Steiner und Jungbauer Armin Kröss mit den Kindern Magdalena, Alexander und Matthias