Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 05.03.2015

Beratungszukunft immer digitaler

Auf ein intensives Arbeitsjahr blickt der Beratungsring für Obst- und Weinbau zurück: Wetter, Krankheiten und Schädlinge gehörten dazu ebenso wie die neuen Abstandsregelungen. In der Mitgliederbetreuung setzt er voll auf digitale Medien. Rückschläge halten ihn nicht davon ab. von Mirjam Framba und Guido Steinegger

Obmann Manuel Santer: „Vorteile für die Mitglieder. Wissensvorsprung dank Beratungsring-App und Bürokratieabbau dank Chip-Mitgliederkarte.“

Obmann Manuel Santer: „Vorteile für die Mitglieder. Wissensvorsprung dank Beratungsring-App und Bürokratieabbau dank Chip-Mitgliederkarte.“

Die Zukunft für die Obst- und Weinbauern wird immer digitaler. Dies zeigte sich vergangene Woche bei der 54. Generalversammlung des Südtiroler Beratgungsrings für Obst- und Weinbau in Nals. Das seit zwei Jahren amtierende, junge Führungsduo mit Obmann Manuel Santer und Koordinator Robert Wiedmer setzt voll auf die modernen Kommunikationsmittel, wenn es darum geht, die Mitglieder schnell und detailliert zu informieren.
Auch Rückschläge halten den Beratungsring nicht von dieser Linie ab, wie Santer im Rückblick auf 2014 berichtete: „Wir hatten praktisch einen Super-Gau.“ Mitten in der Testphase des Online-Betriebsheftes war ein Programmierfehler aufgetreten. Von einem auf den anderen Tag konnten 400 Test-Mitglieder nicht mehr auf ihre Daten zugreifen.

Neustart nach Super-Gau
Noch im Nachhinein entschuldigte sich Santer „für diese ganz schwierige Situation.“ Gleichzeitig blickte er aber in die Zukunft: „Wir haben sofort den Software-Anbeiter gewechselt und aus den Fehlern gelernt: Die völlig neue Version ist deutlich besser als die alte – bei Bedienung, Geschwindigkeit und Grafik.“ Ab dieser Woche steht das neue Online-Betriebsheft jedem Mitglied für 150 Euro pro Jahr zur Verfügung. Jene Mitglieder, die 2014 Probleme damit hatten, bekommen heuer eine Vergünstigung von 100 Euro.
Das Beispiel zeigt: Der Beratungsring geht auch mit Zwischenfällen erstaunlich offen und unaufgeregt, also souverän um. Auch die Mitglieder scheinen das zu honorieren: Zumindest bei der Generalversammlung führte der Zwischenfall zu keiner Diskussion. Alle scheinen überzeugt zu sein: An der digitalen Information führt kein Weg vorbei. Zu sehr haben sich deren Vorzüge durchgesetzt.
Ein Beispiel dafür ist die Beratungsring-App, deren Funktionen vergangenes Jahr erweitert wurden. So können Bauern nun Niederschlagssummen für einen selbst definierten Zeitrahmen, aber auch aktuelle Temperaturen, Rundschreiben und andere wichtige Informationen abfragen. In Zukunft soll auch die Feuerbrandwarnung über die Beratungsring-App abrufbar sein.

Mit Chip Bürokartie abgebaut
Völlig neu ist die Chip-Mitgliedskarte, die der Beratungring gemeinsam mit Bauernbund und BRING entwickelt hat. „Damit bauen wir viel Bürokratie ab“, ist Santer überzeugt. Denn Bauern müssen nachweisen, dass sie sich kontinuierlich weiterbilden. Mit der Chip-Karte können die Berater die Teilnahme an Flurbegehungen und anderen Weiterbildungsveranstaltungen mittels Smartphone elektronisch erfassen. Das gilt dann schon als Teilnahmebestätigung.
Mit Sorge und Zuversicht sieht der Beratungsring die neue Beitragsvergabe: Sie soll künftig nicht mehr über den Landeshaushalt, sondern den Ländlichen Entwicklungsplan  der EU erfolgen. Santer sieht „einen Nachteil wegen des erhöhten Verwaltungsaufwandes und einen Vorteilt wegen der Planungssicherheit.“ Allerdings: „EU-Aussschreibungen bergen die Gefahr, dass der Beratungsring nicht mehr zum Zug kommt.“ Er ersuchte die Landesverwaltung um „äußerste Sorgfalt, um unser gut funktionierendes Beratungssystem in Südtirol nicht zu gefährden.“ Laut Landesrat Arnold Schuler ist hier noch vieles in Schwebe: „Es könnte sogar sein, dass die Finanzierung der Beratungstätigkeit wieder in den Landeshaushalt verschoben wird. Die Entscheidung hängt auch von Brüssel ab.“

Rückblick auf ein Regenjahr
Ring-Koordinator Robert Wiedmer blickte auf das Wirtschaftsjahr zurück: „Vor allem der viele Regen war in allen vier von uns betreuten Kulturen ein Problem.“ Essigfäule, Mehltau, vor allem die Kirschessigfliege führten beim Wein zur zweitkleinsten Erntemenge seit 25 Jahren. Auch im Kirschanbau war die Kirschessigfliege wieder ein Thema, im Marillenanbau trat sie erstmals auf.

Oberhofer: „Spritzen wie bisher geht nicht mehr“
Der neue VI.P Obmann Thomas Oberhofer bezeichnete den Südtiroler Beratungsring als „wichtiges Rad in der Obstwirtschaft, um die immer größeren Herausforderungen zu meistern“. Der Markt verlange Obst ohne Rückstände und die Kritik der Öffentlichkeit an Verwehungen nimmt zu. „Gut, dass die Beratung das verlustarme Sprühen richtig angegangen ist“, sagte Oberhofer, „Jetzt müssen aber auch wir Mitglieder einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Rücksicht tun: Einfach nur spritzen wie bisher geht nicht mehr!“
Laut Wiedmer hat der Beratungsring u.a. auch als Vermittler von Hecken darauf reagiert: Zehn Kilometer wurden im Jahr 2014 auf diesem Wege in ganz Südtirol gepflanzt, heuer werden 13 weitere Kilometer folgen.