Steuerberatung | 02.03.2015

Reverse Charge - Übergang der Steuerschuldnerschaft im Bauwesen

Mit dem Stabilitätsgesetz 2015 wurde die umgekehrte Steuerschuldnerschaft (reverse charge) auf die Reinigungsdienste, Installationsarbeiten, Abbruchsarbeiten an Gebäuden sowie die Arbeiten zur Fertigstellung von Gebäuden ausgedehnt.

Reverse Charge, bzw. Übergang der Steuerschuldnerschaft bedeutet, dass die Rechnung ohne Mehrwertsteuer ausgestellt wird, weil die Steuerschuld auf den Kunden übergeht, welcher die Rechnung mit der MwSt. integriert und im Einkaufs- sowie im Verkaufsregister integriert. Anwendung findet dieses System bei Leistungen, die gegenüber MwSt.-Pflichtigen erbracht werden, und zwar hier unabhängig von der Form des abgeschlossenen Vertrages (also nicht nur für Unterwerkverträge).

Die Unternehmen haben aber von Seiten der Agentur der Einnahmen bis heute noch keine praktischen Hinweise über den sachlichen Geltungsbereich erhalten, d.h. es herrscht immer noch große Unklarheit wie die Bestimmungen in der Praxis anzuwenden sind. Es bleibt nur zu hoffen, dass bei falscher Anwendung der Bestimmung keine Strafen verhängt werden. Voraussetzung hierfür ist auf jeden Fall, dass keine MwSt. hinterzogen wurde. Sicher scheint zum jetzigen Zeitpunkt nur dass die oben genannten Bestimmungen nur bei Leistungen an Gebäuden anzuwenden sind. Große Zweifel bestehen hingegen bei Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten von Anlagen sowie bei Verkauf einer Anlage inklusive Montage. Ein ausführliches Rundschreiben von Seiten der Agentur der Einnahmen ist also dringend nötig um den Anwendungsbereich abzustecken.

Die oben genannten Neuerungen gelten für die ab 1. Jänner 2015 durchgeführten Lieferungen und Leistungen, die folglich ohne MwSt. und mit Hinweis auf die entsprechende Gesetzesbestimmung abzurechnen sind.

Landwirtschaftliche Betriebe werden vor allem beim Bau von Wirtschaftsgebäuden von dieser Norm betroffen sein. Die Rechnungen müssen aber trotzdem verbucht werden, auch wenn sie keine Mehrwertsteuer enthalten. Deshalb müssen die Rechnungen weiterhin wie bisher beim SBB abgegeben werden.