Südtiroler Landwirt, Markt | 19.02.2015

Zahlen und Fakten: Das Südtiroler Weinbaujahr 2014

Der Südtiroler Weinbau ist im Wandel. Wie sich die derzeitige Situation darstellt und welchen Überlegungen sich die Südtiroler Weinwirtschaft stellen sollte, beleuchtete Landtagsabgeordneter Albert Wurzer bei der diesjährigen Weinbautagung. von Renate Anna Rubner

Deutlich mehr weiß als rot: So lautet die Tendenz bei den Südtiroler Weinbauflächen. (Foto: Konsortium Südtiroler Wein, Frieder Blickle)

Deutlich mehr weiß als rot: So lautet die Tendenz bei den Südtiroler Weinbauflächen. (Foto: Konsortium Südtiroler Wein, Frieder Blickle)

Ein Trend setzt sich klar fort: Die Rebpflanzungen in Südtirol nehmen weiter zu. Seit dem Jahr 2000 um 455 Hektar. Das heißt, dass aktuell auf 5396 Hektar Fläche Weinbau betrieben wird.
Im Jahr 2014 wurden 122 Hektar Rebpflanzungen verzeichnet, davon 33 Hektar Neuanpflanzungen, d.h. auf Flächen, wo vorher keine Reben standen. „Das bedeutet ein Plus von elf Hektar im Vergleich zum Vorjahr“, erklärt Albert Wurzer. Der Landtagsabgeordnete eröffnete die diesjährige Weinbautagung des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) in Eppan mit einem Einblick in die aktuellen Zahlen des Südtiroler  Weinbaus.

Trend hin zu Weißweinen setzt sich fort
Bei der Auswahl der Rebsorten bestätigt sich der Trend hin zu Weißweinsorten. Unter den sieben bevorzugten Rebsorten finden sich nämlich 5 Weißweinsorten (72 Hektar) und nur zwei Rotweinsorten (27 Hektar). Die mit Weißwein bepflanzte Fläche beläuft sich mittlerweile auf etwa 60 Prozent der Anbaufläche.
Das Sortenspektrum für die Anpflanzungen konzentriert sich immer stärker auf einige wenige Sorten. Spitzenreiter sind die Burgunder: Im abgelaufenen Jahr wurde fast doppelt so viel Ruländer angepflanzt als noch 2013, nämlich 18 Hektar, gefolgt von Weißburgunder (17 Hektar) und Blauburgunder (16 Hektar).

Vernatsch nun endlich gesundgeschrumpft?
Auch bei den Rodungen gibt es einen klare Tendenz: Gerodet wurde wieder hauptsächlich die Sorte Vernatsch. Die Vernatsch-Fläche hat im vergangenen Jahr um 36 Hektar abgenommen und beläuft sich derzeit auf etwa 849 Hektar. Das sind nur noch 15,8 Prozent der Südtiroler Rebfläche! Im Jahr 2000 waren es noch 2181 Hektar.
„Man kann hier bisher von einer ,Gesundschrumpfung‘ sprechen“, erklärt Wurzer und stellte die Fragen in den Raum: „Haben wir nun endlich die kritische Menge erreicht, um diese Sorte mit einer für die Weinbauern zufriedenstellenden Wertschöpfung vermarkten zu können? Oder wird der autochthone Vernatsch schon bald zum Nischenprodukt oder gar zur Rarität? Eine Frage, mit der sich die Weinwirtschaft meines Erachtens nun wirklich konkret auseinandersetzen muss!“
Trotzdem: Die Hauptsorte Südtirols ist nach wie vor der Vernatsch, gefolgt von Ruländer, Gewürztraminer, Chardonnay, Weißburgunder, Lagrein, Blauburgunder und Sauvignon blanc. Der große Teil unserer Rebflächen, nämlich 5.258 Hektar oder 97,4 Prozent, sind als DOC-Fläche in der Weinbaukartei eingetragen.

Ertragseinbußen von 17 Prozent
2014 hatte die Südtiroler Weinwirtschaft einige große Herausforderungen zu meistern: den sehr nassen Sommer mit entsprechend weniger Sonnenstunden, vermehrtem Beerenplatzen und Essigfäule. Demzufolge geringere Erntemengen, was sich wieder in einer geringeren Wertschöpfung für die Weinbaubetriebe niederschlägt. Dem gegenüber stehen die Produktionskosten, die in etwa konstant geblieben sind. Dazu kam der massive Befall der Kirschessigfliege, vor allem bei den dunklen, dünnschaligen Sorten wie eben dem Vernatsch.
Die Auswirkungen dieses schwierigen Weinbaujahres schlagen sich auch in den Erntemengen nieder: Die Ernte 2014 ist im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent geringer ausgefallen. Waren es 2013 noch 359.000 Hektoliter, sind es 2014 noch 299.000  Hektoliter Wein, also 60.000 Hektoliter weniger.
Besonders deutlich zeigt sich der Ertragsausfall beim Gewürztraminer, von dem um 60 Prozent weniger gewimmt wurde.

Öffentliche Finanzmittel für den Weinbau 2015
Albert Wurzer legte auch dar, mit welchen Mitteln im laufenden Jahr für die Südtiroler Weinwirtschaft zu rechnen ist: Zum Einen gebe es Gelder aus der EU-Weinmarktordnung (etwa 2,2 Millionen Euro). Diese werden vor allem für die Absatzförderung in Drittländer, z.B. in die USA oder nach Japan, verwendet. Sie sind grundsätzlich für alle offen, es braucht aber eine Mindestmenge an gefüllten Flaschen und einige andere Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen.
Zum anderen gebe es auch für die Umstrukturierung von Rebanlagen wieder Beiträge. Derzeit liegen in der Abteilung Landwirtschaft für das Pflanzjahr 2015 263 Gesuche für eine Fläche von 89,6 Hektar auf. Das bedeutet einen maximalen Finanzierungsbedarf von etwa 1,17 Millionen Euro. Das bedeutet, man dürfte mit den zugewiesenen Mitteln auskommen.
Auch für Investitionen in Kellereien stehen wieder öffentliche Finanzmittel zur Verfügung: Auf dieses Kapitel gehen derzeit die Gesuche ein. Es kann aber sein, dass hier nicht alle Antragsteller zum Zuge kommen, da nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

DOC-Abgrenzung abgeschlossen
Die im Jahr 2013 begonnene grafische Neuabgrenzung der DOC-Flächen ist laut Albert Wurzer inzwischen erfolgreich abgeschlossen worden. Sie diente bereits für die Ernte 2014 als Bezug für die vorgeschriebenen Meldungen. Auch die Kleinanlagen („vigne“) konnten mit der Ernte 2014 bereits mit dieser Bezeichnung gekeltert werden.