Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 07.02.2015

Produktionsfaktor „guter Ruf“

Der Südtiroler Bauernbund will eine Basiskommunikation für die gesamte Südtiroler Landwirtschaft aufbauen. Sie soll die Leistungen und Anliegen der Landwirtschaft besser vermitteln.

Hörten sich die Anliegen der Bauern-Delegierten an: (v.l.) Sepp Noggler, Albert Wurzer und Maria Kuenzer, Leo ­Tiefenthaler, Herbert Dorfmann, Arnold Schuler sowie Manfred Schullian und Hans Berger.

Hörten sich die Anliegen der Bauern-Delegierten an: (v.l.) Sepp Noggler, Albert Wurzer und Maria Kuenzer, Leo ­Tiefenthaler, Herbert Dorfmann, Arnold Schuler sowie Manfred Schullian und Hans Berger.

Direktor Siegfried Rinner hat es auf der Klausurtagung des Südtiroler Bauernbundes in Terlan treffend auf den Punkt gebracht: „Eine gute Kommunikation und – damit verbunden – ein hohes Ansehen werden zwei der großen Herausforderungen der nächsten Jahre sein.“ Auf neue Formen der Bürgerbeteiligung müsse die Landwirtschaft genauso vorbereitet sein wie auf neue Trends in der Kommunikation. Ein hohes Ansehen ist hier hilfreich. Das gilt laut Rinner für jede Berufsgruppe, besonders aber für die Landwirtschaft: „Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauen – sprich, ein gutes Image – dienen nicht nur im Verkauf, denn jeder kauft lieber von dem, den er schätzt. Auch verbandspolitisch helfen ein guter Ruf, um politische Anliegen leichter durchzubringen.“ Und nicht zuletzt stärke ein hohes Ansehen auch das Selbstvertrauen eines Berufsstandes.

Akzeptanz erhöht Chancen
Für den Bauernbunddirektor ist das Modell der drei Produktionsfaktoren „Boden, Kapital und Arbeit“ daher um den Faktor „guter Ruf“ zu ergänzen: „Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten eines Betriebes hängen von seiner Akzeptanz ab. Ein hohes Ansehen steigert den Wert eines Unternehmens.“
Wie andere Bauernverbände auch, will der Südtiroler Bauernbund stärker in die Kommunikation mit der Gesellschaft investieren, um den guten Ruf zu steigern. „Diese Investition wird eine gute Rendite bringen“, ist Rinner überzeugt.
Bereits jetzt gibt es eine Reihe von Initiativen, die sich an die Gesellschaft wenden, etwa der Bauernhof-Sonntag, das Erntedank-Fest auf dem Waltherplatz in Bozen, die Produkt-Verteilungsaktion „So(g) frisch“ der Bauernjugend oder verschiedene Initiativen der Bäuerinnenorganisation. Zukünftig sollen noch weitere Initiativen und Kommunikationsmaßnahmen dazukommen, um das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit ins richtige Licht zur rücken.

Jeder einzelne gefordert
Alleine können der Südtiroler Bauernbund, das Ressort Landwirtschaft und die bäuerlichen Organisation diese Aufgabe aber nicht meistern. Rinner rief dazu auf, „dass wir alle gemeinsam am guten Ruf arbeiten. Jede Bäuerin und jeder Bauer muss überzeugt sein, dass ein hohes Ansehen wichtig ist. Sie müssen bereit sein, auch Veränderungen zuzulassen. Je mehr jeder für seinen guten Ruf tut, umso besser ist es für alle.“
Denn meist sind es einige wenige „schwarze“ Schafe, die den Ruf eines ganzen Berufsstandes in Frage stellen. Neben dieser „individuellen“ Kommunikation soll in eine Imagekampagne investiert werden. Dafür haben die Funktionäre auf der Klausurtagung einen Beitrag von 4,50 Euro pro Mitglied beschlossen.

Gemeinderatswahl: Motivieren, nominieren und wählen
Der politische Schwerpunkt im heurigen Jahr wird die Gemeinderatswahl am 10. Mai sein. Landesobmann Leo Tiefenthaler stellte klar: „Um eine gute Vertretung in den Gemeinden zu sichern, ist es wichtig, dass sich fähige Kandidaten finden und nominieren lassen. Diese müssen dann auch gewählt werden.“ Wiederholt wies er auf die Notwendigkeit einer starken bäuerlichen Präsenz in den Gemeindestuben hin: „Viele Entscheidungen der Gemeindeverwaltungen, wie etwa der Bauleitplan, der Haushalt oder das Thema Abgaben und Gebühren betreffen die Bauern direkt. Daher ist es wichtig, mit am Tisch zu sitzen und mitzuentscheiden.“
Genau verfolgen will der Bauernbund die Umsetzung der EU-Agrarpolitik und die neuen   Landesförderungen. Gleiches gilt für die Reorganisation des Versuchszentrums Laimburg oder des tierärztlichen Dienstes. Zufrieden zeigte sich Tiefenthaler mit der Zusammenarbeit mit den politisch Verantwortlichen auf EU-, nationaler und Landesebene.
Was die Zeit nach dem Auslaufen der Milchquoten am 31. März 2015 anbelangt, ist Tiefenthaler vorsichtig optimistisch: „Die Milchhöfe sind gut aufgestellt, produzieren hochwertige Lebensmittel und sind am Markt sehr präsent. Ich hoffe, dass die Preise zumindest stabil bleiben werden.“
Ein großes Anliegen ist dem Obmann der ländliche Raum. 2014 wurde mit Vertretern der Landesregierung, dem Gemeindenverband, der Handelskammer Bozen, der Wirtschaftsverbände und des Raiffeisenverbandes Südtirol die „Plattform Land“ ins Leben gerufen. Heuer hat diese ihre Arbeit aufgenommen: „Sie soll Maßnahmen setzen, die den ländlichen Raum attraktiv halten.“ Gleichzeitig setzt sie sich für eine intelligente Flächennutzung ein.

Diskussion: Pflanzenschutz, Naturschutz und Bürokratie
Zahlreich haben die Bauernbund-Funktionäre und Mandatare die Diskussion mit Landesobmann Leo Tiefenthaler, dem EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann, den römischen Abgeordneten Hans Berger und Manfred Schullian, Landesrat Arnold Schuler und den Landtagsabgeordneten Maria Hochgruber Kuenzer, Albert Wurzer und Sepp Noggler genutzt. Ein Thema gleich zu Beginn war der Pflanzenschutz. Neben dem klaren Bekenntnis, dass die Obstwirtschaft noch nachhaltiger werden muss, wurde auch Kritik an den Abstandsregelungen laut. In einigen Zonen seien Konflikte vorprogrammiert, hieß es.
Kritik gab es auch an der zunehmenden Bürokratie. Bestes Beispiel dafür sei die neue   Vergabepraxis für öffentliche Aufträge auf lokaler Ebene. Für viele kleine Anbieter vor Ort ist der Aufwand zu groß; daher nehmen sie erst gar nicht an der Ausschreibung teil, was zu Lasten der regionalen Kreisläufe geht. Gleich mehrere Funktionäre forderten einfachere „Spielregeln“.
Verärgert waren einige Ortsobmänner über die Regelung der Natura 2000-Gebiete und die Gülleausbringung: Manche Bauern fragen sich mittlerweile, ob sie auf den Almen überhaupt noch erwünscht sind. Zudem berichteten Ortsobmänner über Probleme mit Landesbeamten, die sehr wenig Verständnis für die Anliegen der Bauern zeigen würden. Schwierigkeiten wurden auch von den Almflächenerhebungen gemeldet. Weitere Themen waren u. a. die Bagatelleingriffe, der Kulturgrundverbrauch, die Kleinkläranlagen und die Neuregelung der Vergabe der Wasserkonzessionen.