Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 05.02.2015

Wiesenfutter gewinnt an Bedeutung

Die Schwierigkeiten bei der Futterernte im letzten Sommer zeigten eindrucksvoll, wie wichtig qualitativ hochwertiges Futter in ausreichender Menge für die heimische Berglandwirtschaft ist. Dem Grundfutter war die heurige achte Südtiroler Berglandwirtschaftstagung gewidmet. von Michael Deltedesco

Im vergangenen Jahr waren es oft nur wenige Tage, in denen die Bauern (hier in Hafling) ihre Heuernte einbringen konnten.

Im vergangenen Jahr waren es oft nur wenige Tage, in denen die Bauern (hier in Hafling) ihre Heuernte einbringen konnten.

Ohne das Futter der eigenen Wiesen und Weiden würde es wohl keine flächendeckende Viehwirtschaft im Berggebiet geben, sind sich Experten einig. Die Bedeutung des Raufutters wird nicht nur in Südtirol zunehmen, war der Schweizer Beat Reidy auf der vom Beratungsring Berglandwirtschaft BRING organisierten Berglandwirtschaftstagung in Brixen überzeugt. „Durch den Anstieg der Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 wird die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Milch- und Fleischprodukten deutlich ansteigen. Wiesen- und Weidefutter ist die Grundlage für die Produktion. Ein weiterer Vorteil des Futters ist, dass die Futterflächen keine ‚direkte‘ Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion darstellen und das Raufutter sehr gut veredelt wird.“ Daher würde in der Schweiz die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion finanziell unterstützt werden.
Um eine hohe Futterqualität zu erhalten, sei es wichtig, auf die Zusammensetzung des Futters zu achten und einen günstigen Schnittzeitpunkt zu wählen. „So bekommt man energiereiches Futter und kann die Fütterung optimal planen.“ Reidy sprach sich für eine standortangepasste Viehhaltung aus, die auch den Energiewert des Futters im Auge behält und die Milchproduktion daran ausrichtet.

Heutrocknungsanlagen im Kommen?
Im vergangenen Sommer hätten sich viele Bauern eine Heutrocknungsanlage herbeigesehnt. Über die Grenzen und Möglichkeiten sprach Matthias Kittl von der Landwirtschaftskammer Salzburg. „Die Heutrocknung im Stadel bringt einige Vorteile. Die Futterqualität wird verbessert, gut getrocknetes Heu ist gut lagerfähig und die Inhaltsstoffe bleiben erhalten. Auch der Arbeitsaufwand ist geringer. Zudem sind die Bauern weniger vom Wetter abhängig.“
Welches die richtige Trocknungsanlage ist, hängt von den speziellen Gegebenheiten eines jeden Betriebs ab. Grundsätzlich gilt: Kleine Betriebe müssen bei den Anschaffungskosten sparen, große hingegen bei den Trocknungskosten. Gut haben sich die Warmbelüftung und Dachabsaugung bzw. die Entfeuchtertrocknung und Dachabsaugung bewährt.
Für die Futterqualität entscheidend ist nicht nur, dass das Heu gut getrocknet ist, sondern dass es möglichst auch nicht mit Erde verschmutzt ist. Verschmutztes Grundfutter hat weniger Inhaltsstoffe, wird weniger gerne gefressen und ist schwerer verdaulich. Die logische Konsequenz ist der Rückgang der Milchleistung. „Hauptgrund für die Futterverschmutzung sind lückige Grasnarben, die durch Bewirtschaftungsfehler, Schädlinge oder Trockenheit entstehen. Daher muss darauf geachtet werden, dass die Wiesen gut bewässert, ausreichend gedüngt, nach- bzw. übergesät werden und die Maschinen optimal eingestellt sind“, erklärte Reinhard Resch vom HBLFA Raumberg-Gumpenstein.

Landwirtschaft und Umweltschutz
Dass intensiver bewirtschaftete Flächen nicht weniger artenreich sind als extensive Wiesen, hat Philipp Zefferer herausgefunden. Als Studierender an der Boku Wien hat er die Wiesen und Weiden des elterlichen Betriebes untersucht. „Die artenreichsten Flächen waren die Weiden, die extensiv genutzt werden. Interessant ist, dass die Drei-Schnitt-Wiesen mehr Artenreichtum aufwiesen als die Zwei-Schnitt-Wiesen, die eigentlich weniger intensiv bewirtschaftet werden. Das bedeutet, dass Flächen, die standortangepasst intensiver bewirtschaftet werden, sehr wohl auch artenreich sein können.“ Auch wies Zefferer hin, dass es ohne eine funktionierende Landwirtschaft keine Bewirtschaftung stattfinden würde. Das sollten sich auch Naturschützer vor Augen führen.
Weitere Themen waren die Auswirkungen der Schwefeldüngung auf den Ertrag im Dauergrünland und die zukünftigen Förderungen der Berglandwirtschaft.