Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 05.02.2015

„Südtirol muss grüner werden.“

Noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen ist Südtirols Weinwirtschaft im Jahr 2014: Trotz der schlechten Ausgangsbedingungen kristallisiert sich ein guter Jahrgang heraus. Wie erfolgreiches Weinmarketing funktioniert, war Thema bei der Weinbautagung.

Albert Wurzer eröffnet die Weinbautagung 2015: „Dank an fleißige Winzerinnen und Winzer!“

Albert Wurzer eröffnet die Weinbautagung 2015: „Dank an fleißige Winzerinnen und Winzer!“

Die Identitätskrise des Vernatsch ist laut Willi Klinger kein neues Phänomen. Der Chef der Österreichischen Wein Marketing (ÖWM) erklärte bei der diesjährigen Weinbautagung in Eppan, wie solche Krisen zustande kommen: „Wir kennen das Phänomen vom Chianti oder vom Grünen Veltliner. Es tritt immer dann auf, wenn etwas, das in Massen produziert und entsprechend wenig geschätzt wird, zu etwas Hochwertigem werden soll.“

Erfolgreiche Offensive
Unter dem Motto „Von der Krise in die Offensive“ führte er vor Augen, wie man es in Österreich geschafft hat, sich innerhalb der letzten 30 Jahre ein gutes Image am internationalen Markt und entsprechende Absatzzahlen zu erarbeiten: Die Österreichische Wein Marketing wurde 1985 als Reaktion auf den Weinskandal gegründet. Sie ist eine Gesellschaft, die sich zur Hälfte aus Mitgliedsbeiträgen und zur anderen Hälfte aus den Länderbeiträgen finanziert. Mit einem Gesamtbudget von etwa acht Millionen Euro wird einerseits Dachmarketing betrieben, mit dem besonders im Ausland geworben wird, während im Inland vorrangig Regionalmarketing angesagt ist.
Die harte Aufbauarbeit macht sich bezahlt: Schon seit Jahren nimmt der Weinexport Österreichs stetig zu und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 139 Millionen Euro. Und zwar inzwischen auch mit Rotweinen. Die Länder, in die hauptsächlich exportiert wird, sind Deutschland, die Schweiz, die Vereinigten Staaten und Belgien sowie Skandinavien und Großbritannien. Groß im Wachsen ist der Markt für österreichische Weine in Japan und China. Als großen Erfolg der ÖWM wertet Klinger die Tatsache, dass der Weinkonsum in Österreich mit 30 Litern pro Jahr stabil ist. Das sei ein großer Erfolg. Sensationell auch die Tatsache, dass in der heimischen Gastronomie der österreichische Wein klar dominiert. Und im Heimkonsum schneidet man ebenfalls gut ab.

Grünes Image gefragt
Was nun aber rät Willi Klinger der Südtiroler Weinwirtschaft? Die Strategie Österreichs basiert auf drei Säulen: den Wein als Kulturgut im Bereich Tradition und Küche positionieren, ihn als Genuss- und Kultprodukt in den Vordergrund rücken und damit im höheren Preissegment anzusiedeln und nachhaltig wirtschaften. „Südtirol braucht ein grünes Image!“, fordert Willi Klinger. Mehr Verantwortung für die Ressourcen sei gefragt, und zwar von jedem einzelnen Betrieb „Aber es reicht nicht, nachhaltig zu sein. Das Thema Nachhaltigkeit muss auch in die Kommunikation einfließen“, ist Klinger überzeugt.

Dank großem Fleiß ansprechender Jahrgang 2014
Eine ganze Menge Zahlen und Fakten zum Südtiroler Weinbaujahr 2014 sowie einen Rückblick auf das abgelaufene Weinjahr gab der Landtagsabgeordnete Albert Wurzer, als er die Weinbautagung eröffnete. Die Details werden in der nächsten Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“ veröffentlicht. Obwohl die Voraussetzungen wegen des nasskalten Sommers alles andere als gut gewesen seien, habe man doch einen ansprechenden Jahrgang im Keller, erklärte Albert Wurzer. „Das ist der Verdienst aller fleißigen Winzerinnen und Winzer, und dafür Ihnen allen herzlichen Dank!“, sagte er.
Abschließend appellierte er an alle Anwesenden, sich als Vertreter der Landwirtschaft in die Gemeindepolitik einzubringen und in den Gemeinderatswahlen als Kandidaten anzutreten. „Wir müssen uns für die Landwirtschaft stark machen, denn wenn wir es nicht selber tun, dann tut es niemand!“ lautete sein Aufruf.

Esca mehr als eine Pilzkrankheit
Olivier Viret von Agroscope gab einen Überblick über die neuesten Erkenntnisse zu den Holzkrankheiten der Rebe. Zwar sei sicher, dass eine ganze Reihe von Pilzen dabei zusammenspielen. Was aber in den letzten Jahren immer klarer geworden ist, sei die Tatsache, dass bodenklimatischen Faktoren sowie der Bewirtschaftung (z.B. Rebschnitt oder Erziehungssystem) eine tragende Rolle bei diesen Holzkrankheiten zukomme. „Durch  äußere Einflüsse wird das Xylem schwammig, die hydraulischen Flüsse der Rebe kollabieren und in der Folge zeigt sie die typischen Absterbesymptome“, erklärte der Wissenschaftler. Deshalb sei es wichtig, schwere, lehmige Standorte zu meiden und beim Rebschnitt darauf zu achten, die Saftflüsse der Rebe nicht zu beeinträchtigen. Kurative Mittel gegen die Krankheit sind laut Viret ineffizient.