Südtiroler Landwirt, Marketing | 05.02.2015

Mit Gästen arbeiten – das ist meins!

Anna und Sepp Jocher führen den Frötscherhof in Mellaun/St. Andrä. In den vier Ferienwohnungen bewirten sie ganzjährig Gäste. Die wissen ihre Gastfreundschaft und das runde Programm am Hof zu schätzen. Der viele Einsatz lohnt sich also … von Renate Anna Rubner

Die Arbeit mit den Gästen muss Spaß machen: Davon ist Anna Jocher überzeugt.

Die Arbeit mit den Gästen muss Spaß machen: Davon ist Anna Jocher überzeugt.

Gemütlich ist es hier, kuschlig warm und hell. Die Sonne scheint durchs Fenster, über die Villanderer Alm ziehen Schneewolken, im Tal unten liegen noch lange Schatten. Es duftet nach Holz.
Sofort kommen Bilder in einem hoch: Von entspanntem Lesen auf dem Sofa, einem Mensch-ägere-dich-nicht-Spiel beim Untergehen der Sonne, von tiefem Schlaf in molligen Daunenbetten, von einem herzhaften, späten Frühstück in aller Seelenruhe …
Hier auf dem Frötscherhof in Mellaun oberhalb Brixen können solche Träume wahr werden. Hausherrin Anna Jocher weiß, was Urlaubsgäste sich wünschen. Und es ist ihr ein Anliegen, dass diese Wünsche auch in Erfüllung gehen.

Intimsphäre und Gemeinschaft
Das beginnt bei den Wohnungen: Jede hat ihren separaten Eingang im oberen Stock des Frötscherhofes. So können die Urlaubsgäste sich frei bewegen und sind unabhängig. Auf derselben Ebene wie die Eingänge ist auch eine kleine Veranda eingerichtet, in der immer etwas zum Lesen und einige Gesellschaftsspiele angeboten werden. Die können die Gäste mit in ihre Wohnungen nehmen oder es sich hier oben gemütlich machen.
Gleich im Anschluss daran gibt es einen Ruheraum und eine Infrarot-Kabine. Die wird sehr gut angenommen. „Ursprünglich wollte ich einen Stundenplan anbringen, in den man sich für die Infrarot-Kabine anmelden kann“, erzählt Anna Jocher. „Dann aber habe ich gemerkt, dass sich die Gäste problemlos untereinander ausmachen, wer wann drankommt. Das funktioniert wunderbar!“, erklärt sie.
Von hier oben hat man einen schönen Blick auf die Berge rundherum und auf das darunter liegende Eisacktal. Und wer Informationsmaterial zur näheren Umgebung oder zu Sehenswürdigkeiten und eventuellen Freizeit­aktivitäten braucht, wird auch fündig: An der Wand hängen säuberlich geordnet Prospekte und Folder und geben Anregungen für Ausflüge während der Ferienwochen.

Badeteich und Streichelzoo
Im Sommer halten sich die Gäste viel am Hof auf, wie Anna Jocher erklärt. „Die Kinder möchten sich am liebsten gar nicht von hier wegbewegen“, sagt sie. Kein Wunder, denn ein kleiner Schwimmteich lädt zum Baden und Plantschen ein, Ziegen, Hasen und Hühner, Hund und Katze finden alle Kinder faszinierend, und rund um den Hof und im Kuhstall gibt es auch noch allerhand zu entdecken. So ist immer für Abwechslung gesorgt. Wenn dann auch noch Brotbacktag ist, sind alle Gäste mit von der Partie: Da wird das eigene Korn zu Mehl gemahlen, der Teig bereitet und Brötchen gebacken. Die Gäste – und vor allem die Kinder – sind mit Begeisterung dabei, formen ihre eigenen Frühstückssemmeln und schütteln ihr eigenes Schüttelbrot …

Einmal die Woche gemeinsamer Abend
Der Höhepunkt der Woche ist aber der gemeinsame Abend: Sepp und Anna Jocher laden die Gäste dann zum Essen ein. Meist montags oder dienstags, grad wie sich’s ausgeht. Dann sitzt man zusammen, trinkt ein Glas Wein, dazu gibt’s Speck und Käse, Kartoffeln oder auch mal Krapfen, die Anna je nach Lust und Laune herrichtet.
Die Gäste wissen dieses Angebot zu schätzen: Auch wegen des leckeren Essens, aber vor allem wegen der geselligen Runde. So lernen sich die Gäste untereinander kennen und haben Gelegenheit, mit den Bauersleuten zu reden und etwas mehr über den Hof und das Leben hier zu erfahren. Oft kommt auch noch der „Onkel Hans“, der mit allerlei alten Instrumenten, seinen Geschichten und Liedern so richtig Stimmung macht. „Besonders den Kindern gefällt das“, schmunzelt Anna.
Bis vor zwei Jahren fanden diese Abende immer in der eigenen Stube statt. Die ist aber eher klein, weswegen es manchmal eng wurde. „Da waren wir oft froh, wenn nicht alle Gäste kamen, weil wir einfach wenig Platz hatten“, erzählt Anna Jocher.
Deshalb entschieden sich die Bauersleute dazu, dort, wo früher der Kuhstall war, einen eigenen Aufenthaltsraum einzurichten. In dem Raum gibt es einen großen eckigen Holztisch mit Bänken an allen vier Seiten. Ein gemütliches Sofa mit Tischchen zum Spielen für kleinere Gruppen, ein Calcetto und eine Küchennische. Auch ein Badezimmer gehört dazu. Der Boden ist ein pflegeleichter Estrich, die Ziegelsteine an den Wänden und die Holzbalken an der Decke machen es heimelig. Im Boden eingelassene Bodenstrahler beleuchten den Raum indirekt.

Viel Platz für die Gemeinschaft
Der Raum bietet viel Platz: für die geselligen Abende mit den Bauersleuten, aber auch für (neu) befreundete Familien, die sich noch zu einem Glas oder zwei zusammensetzen möchten. „Den Raum stelle ich Gästen gerne zur Verfügung“, sagt Anna Jocher. Besonders bei Regenwetter wird er viel genutzt. „Und im Winter sind die gemeinsamen Abende für die Gäste oft die einzige Möglichkeit, sich zu treffen und miteinander Austausch zu haben“, sagt die Gastgeberin. Sie selber genießt die gemeinsamen Abende auch. Das merkt man deutlich, wenn sie davon erzählt. Noch mehr aber mag sie diese Abende, seitdem sie sie im Aufenthaltsraum machen kann. Nicht nur, weil dort mehr Platz ist, sondern weil dadurch die eigene Wohnung privat bleibt. Und diese Privatsphäre ist wichtig für die Familie, davon ist Anna Jocher überzeugt.
Gleich neben der Tür zum Aufenthaltsraum ist die zum Hofladen. Dort gibt es die hofeigenen Produkte zum Kaufen: Sirupe und Marmeladen, Kräutersalz und Dinkelkorn. Dieselbe Palette bietet Anna Jocher auch in den einzelnen Ferienwohnungen an. Dort können sich die Gäste nach Herzenslust bedienen. Und das machen sie auch gerne. „Unser Angebot wird gut angenommen“, sagt die Bäuerin stolz.

Den Frühstückskorb nimmt praktisch jeder
Dasselbe gilt für die Frühstückskörbe, die den Gästen am Frötscherhof angeboten werden. „Den normalen Frühstückskorb nimmt praktisch jeder“, sagt Anna Jocher. Die Bäuerin stellt darin Butter, Milch, Eier und Joghurt direkt vom Hof, Brot vom Bäcker oder das selbst gebackene sowie die eigenen Säfte und Marmeladen zusammen. Bezahlt wird, was gebraucht und bestellt wird. Die Gäste stellen sich aus der Produktliste ihr eigenes Frühstück zusammen und nehmen es auch in ihrer Wohnung ein.
Der erweiterte Frühstückskorb dagegen bietet ein vollwertiges Frühstück mit den hofeigenen Produkten wie beim normalen, dazu kommen Aufschnitt von Wurst und Käse, gekochte Eier, Kaffee und/oder Tee, je nach Wunsch. Die Kräuter für den Tee stammen übrigens auch aus dem eigenen Garten. Wie das Gemüse, das die Gäste im Sommer je nach Verfügbarkeit bestellen können. Besonders die Leute aus der Stadt sind dankbar für dieses Angebot, loben den Geschmack der frischen Milch, das cremige Joghurt, das herzhafte Vollkornbrot.

Die Freude als Erfolgsrezept
Anna und Sepp Jocher freuen sich darüber. Denn das alles macht viel Arbeit: die Landwirtschaft mit Milchvieh, Wald und Wiesen, das Korn und die Beeren und deren Verarbeitung. Daneben die Ferienwohnungen, der eigene Haushalt und der Garten.
Aber die Familie hält zusammen: Wenn's braucht, helfen alle mit. Die drei Söhne stehen zwar noch voll in der Ausbildung, bringen sich aber überall mit ein, wenn sie da sind und es viel zu tun gibt – egal ob in der Landwirtschaft, beim Gästewechsel oder im Haushalt. Auch Oma Traudl ist den Bauersleuteneine große Stütze.
Anna Jocher ist froh drum, dass die ganze Familie fest zusammenhält. Und sie macht ihre Arbeit gerne. Das glaubt man ihr aufs Wort. Das ist wohl auch ihr Schlüssel zum Erfolg: „Mein Beruf ist mein Hobby – Urlaub auf dem Bauernhof, das Arbeiten mit den Gästen, das ist meins!“, sagt sie überzeugt.