Produktion | 22.01.2015

Neue Sprühertechnik nutzen

Die Weiterentwicklung der Sprühgeräte im Obst- und Weinbau war kürzlich Thema eines Workshops an der Freien Universität Bozen. Dabei ging es auch um die Frage der Sprüher-Zertifizierung.

Überzeugt von der modernen Sprühtechnik: (v.l.) Fabrizio Mazzetto, Paolo Balsari, Sandro Liberatori, Siegfried Rinner, Markus Knoll und Werner Rizzolli.

Überzeugt von der modernen Sprühtechnik: (v.l.) Fabrizio Mazzetto, Paolo Balsari, Sandro Liberatori, Siegfried Rinner, Markus Knoll und Werner Rizzolli.

Neue Sprühgeräte ermöglichen es, dass Abdrift vermieden wird und Pflanzenschutzmittel viel treffgenauer dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. Um die Sprühertechnik weiter zu entwickeln, stehen Vertreter des Beratungsringes für Obst- und Weinbau, des Versuchszentrums Laimburg, der Universität Bozen und des Südtiroler Bauernbundes in Kontakt mit den Südtiroler Sprüher-Herstellern. Alle Beteiligten trafen sich kürzlich zu einem Workshop an der Universität Bozen, zu dem der Professor für Agrartechnologien, Fabrizio Mazzetto, weitere Experten eingeladen hatte.

Warum Sprüher effizient sein sollen
Der Professor für Agrarmechanik an der Universität Turin, Paolo Balsari, erläuterte eingangs, warum Sprühgeräte effizient sein sollten. Laut Studien gelangen aktuell nur 15 bis 50 Prozent der Pflanzenschutzmittel auf das eigentliche Ziel. Der Rest geht durch Bodenverluste, Abdrift sowie beim Befüllen und Reinigen der Geräte verloren. „Diese Verluste sind zum einen ein Kostenfaktor für die Bauern und verursachen Abdrift auf Nachbarflächen. Das wird immer weniger toleriert“, sagte Balsari.
Zum anderen sehen auch zwei EU-Richtlinien vor, dass Sprühgeräte keine unnötige Belastung für die Umwelt verursachen dürfen. „Die aktuelle Sprühtechnik bietet bereits technische Lösungen wie Injektordüsen, Gebläseaufsatz und Abdeckbleche, um verlustarm zu sprühen“, unterstrich der Professor.

Einheitliche Zertifizierung wäre wichtig
Ebenso wichtig seien periodische Gerätekontrollen und eine praxisnahe Ausbildung der Anwender. „Beides wird in Südtirol – anders als in Italien – bereits seit Jahrzehnten vorbildhaft praktiziert“, sagte Balsari, bedauerte aber: „Was hierzulande fehlt, ist eine einheitliche Zertifizierung der Geräte.“ Die Hersteller geben die Daten zur Abdriftminderung ihrer Sprühgeräte entweder mit einer Eigenbescheinigung oder mit einer Zertifizierung durch Dritte an. Besser wäre laut Balsari „eine einheitliche Zertifizierung nach internationalen Standards.“ Diese sollte mehrere Klassen der Abdriftvermeidung vorsehen. „Je nach Geräteklasse könnten dann auch die Sprühabstände geregelt werden“, sagte Balsari.
Der Direktor der Zertifizierungsstelle ENAMA, Sandro Liberatori, erläuterte die Voraussetzungen für eine Zertifizierung.

Zertifizierung soll sicher und verständlich sein
Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner unterstrich in diesem Zusammenhang: „Eine Zertifizierung muss klar und verständlich sein und den Anwendern Sicherheit geben.“ Rinner forderte die Sprüher-Hersteller auf, gute Lösungen auch für bestehende Sprühgeräte zu finden, damit die Bauern Abdrift vermeiden und gesetzliche Auflagen erfüllen können.
Markus Knoll vom Südtiroler Beratungsring betonte, dass in Südtirol bereits seit 1992 Sprühgeräte überprüft und optimiert werden. Knoll ging auf die Faktoren für eine verlustarme Ausbringung ein, auf die man beim Sprühgerät achten sollte. Werner Rizzolli vom Versuchszentrum Laimburg berichtete von Versuchen mit festinstallierten Sprühsystemen. „Aber bereits neue Sprüher mit Injektionsdüsen reduzieren die Sprühwolke drastisch“, sagte er.

Abdrift im Windkanal testen
Die Vertreter der Sprüher-Hersteller unterstrichen, für sie sei es wichtig zu wissen, welche Anforderungen Markt und Gesetzgeber an die Gerätetechnik stellen. Für Professor Mazzetto ist die Forschung an der Technik von morgen wichtig. Dazu könne die Einrichtung eines Windkanals für Abdrifttests beitragen. „Obst- und Weinbau gehen immer mehr in Richtung eines nachhaltigen Anbaus, der die neueste Gerätetechnik nutzt, um den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren“, sagte Mazzetto.