Produktion | 19.12.2014

Pilzgift im Mais macht Kühe krank

Die starken Regenfälle im Sommer 2014 haben nicht nur den Nährwert und den Hygienestatus des Grundfutters beeinträchtigt, sondern auch zu einer starken Vermehrung der Fusariumpilze auf den Maispflanzen geführt. von Florian Piffrader

Von außen ist den Maiskolben der Befall mit dem Pilz nicht anzusehen. (Foto: Guenther Haas, www.pixelio.de)

Von außen ist den Maiskolben der Befall mit dem Pilz nicht anzusehen. (Foto: Guenther Haas, www.pixelio.de)

Die verschiedenen Pilzarten der Gattung Fusarium können sich vorwiegend bei feuchter und kühler Witterung auf dem am Feld wachsenden Getreide rasch vermehren und ihre giftigen Stoffwechselprodukte freisetzen. Die Verbreitung geht vor allem von befallenen und nicht verrotteten Ernterückständen aus und befällt die einzelnen Blattetagen der wachsenden Getreidepflanze. Der Pilz „Fusarium graminearum“, der im Mais vorherrscht, wird vorwiegend vom Wind verbreitet und befällt direkt die Getreideblüte, deren Staubbeutel die Haupteintrittspforte für den Pilz darstellen.

Hohe Werte in Mais und Maissilage
Die von den Fusariumpilzen gebildeten Gifte sammeln sich in der Getreidepflanze und in den Körnern an und können nicht mehr abgebaut werden. Unter den Fusariumtoxinen kann das Deoxynivalenol (DON), das auch Vomitoxin genannt wird, als häufiges Leittoxin angesehen werden. Je mehr sich die Abreife verzögert, umso mehr Pilzgift wird gebildet. Da es in allen umliegenden Maisanbaugebieten in ähnlicher Weise geregnet hat, kann Mais aus all diesen Gebieten von diesem Problem betroffen sein.
Die Analyse verschiedener Maissilageproben in Südtirol hat gezeigt, dass es auch beim Silomais, der in Südtirol angebaut wurde, zu teilweise sehr hohen Belastungen mit DON gekommen ist. Da der Blütezeitpunkt der anderen Getreidearten, wie Weizen oder Gerste, in eine Schönwetterperiode gefallen ist, war die Infektion mit Fusariumpilzen geringer und es sind bislang glücklicherweise keine erhöhten DON-Werte aufgefallen.

Gefahr für Gesundheit und Leistung
Da die akute Toxizität für die Wiederkäuer relativ gering ist und DON in einem gut funktionierenden Pansen sogar bis zur Hälfte von den Pansenbakterien abgebaut werden kann, wird seine Gefahr oft unterschätzt. In höheren Mengen kann DON jedoch die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit einer Milchkuh stark beeinträchtigen. DON  verursacht Verdauungsstörungen, beeinträchtigt die Leberfunktion und schwächt die Abwehrkräfte. Die geringere Futteraufnahme senkt die Milchleistung. Die Leberbelastung beeinträchtigt den Energiestoffwechsel zu Laktationsbeginn und kann zu Stoffwechselstörungen führen. Die geringen Abwehrkräfte begünstigen Euterentzündungen und Klauenprobleme. DON im Futter kann also zu starken wirtschaftlichen Einbußen führen.

Keine zuverlässigen Grenzwerte
Da DON im Gegensatz zu dem in den vergangen zwei Jahren stark verbreiteten Aflatoxin nicht in die Milch übergeht, gibt es für DON in den Futtermitteln keine strengen gesetzlichen Grenzwerte. Bisher wurden von der EU lediglich unverbindliche Richtwerte veröffentlicht (Empfehlung 2006/576/EG), die zudem so hoch angesetzt sind, dass sie nahezu unbrauchbar sind. Somit besteht kein konkreter gesetzlicher Schutz gegen hohe DON-Werte im Futtermittel. Beim Zukauf von Mais oder Mischfuttermitteln, die Mais enthalten, muss sich der Tierhalter deshalb auf das strenge Qualitätssicherungssystem des Futtermittellieferanten verlassen können.