Südtiroler Landwirt, Innovation | 18.12.2014

Safran, Trüffel, Bier und Nüsse

In das Piemont führte die zweite Bauernbund-Innovationsreise. Die Teilnehmer kamen vor allem mit einer Erkenntnis zurück: Auch auf kleinen Flächen ist erfolgreiche Landwirtschaft möglich. von Lukas Unterhofer

Safran aus dem Piemont: eine Rarität, die auf dem Hof von Ivano Franco kultiviert und direkt vermarktet wird.

Safran aus dem Piemont: eine Rarität, die auf dem Hof von Ivano Franco kultiviert und direkt vermarktet wird.

Schwarzer Trüffel ist eine gefragte Delikatesse. In Montemale di Cuneo wird er auf einer Fläche von 1,5 Hektar kultiviert. Ein Hund spürt die kleinen, schwarzen Leckerbissen auf, damit sie geerntet werden können.
Auf noch kleinerer Fläche wirtschaftet Biologe Ivano Franco: Auf knapp 1000 Quadratmetern seines Betriebes stehen unzählige Safranzwiebel, früh morgens ab fünf Uhr werden sie geerntet. Von Hand werden die Blütenfäden (drei pro Pflanze) vorsichtig und einzeln aus der Blüte gelöst und dann getrocknet.
Dieser Safran wird direkt vermarktet, so zum Beispiel im nahe gelegenen Restaurant „Eataly in Campagna“, wo er in Nudel- und Reisgerichten Verwendung findet.

Eigeninitiative, Ausbildung und Begeisterung
Die beiden Betriebe waren unter anderem Ziel einer Reisegruppe des Südtiroler Bauernbundes. Bei der Innovationsreise in das Piemont holten sich die Teilnehmer neue Ideen, Inspirationen und Tipps für den eigenen Betrieb. Und kamen voll auf ihre Kosten. Was den interessierten Bäuerinnen und Bauern im Laufe der Besichtigungen auch klar wurde, erklärt Lukas Unterhofer vom Innovationsschalter im Südtiroler Bauernbund: „Die Betriebsleiter samt Familien, deren Begeisterung und Überzeugung, viel Wissen durch Aus- und Weiterbildung sowie die Bereitschaft zur Eigeninitiative bilden einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg, unabhängig davon, um welches Vorhaben es sich handelt!“ Die persönlichen Voraussetzungen der Betriebe sind also Schlüsselfaktoren für einen erfolgreichen landwirtschaftlichen Betrieb.

Parallel zu den großen Märkten
Kurze Wege, kleine regionale Kreisläufe – das ist die Devise beim Haselnussbetrieb „Cascina Madovito“ des Alessandro Negro. Etwa 30 Prozent seiner Haselnüsse der Sorte Tonda Gentile Trilobata mit dem Herkunftszeichen „Indicazione Geografica Tipica“ (IGP, was der geografisch geschützten Angabe g. g. A. entspricht) werden heute selbst verarbeitet und vermarktet. Damit bleibt die Wertschöpfung im Betrieb und unbeeinflusst von den Preisschwankungen des Großmarktes, auf dem der Konzern Ferrero einer der ganz großen Akteure ist. Der Rundgang durch den vorbildlich geführten Betrieb zeigte auch, dass Haselnüsse nicht wildwachsende Sträucher sind, sondern ebenso wie andere landwirtschaftliche Kulturen Pflege und Pflanzenschutz für eine erfolgreiche Produktion erfordern. Fast alle Kulturmaßnahmen sind voll mechanisiert wie auch Ernte, Sortierung und Aufbereitung der Früchte dieses Birkengewächses.

Landwirtschaftliches Bier
Seit 2010 ist Bier in Italien als landwirtschaftliches Produkt anerkannt. Unter der Voraussetzung, dass die für die Herstellung des Bieres benötigten Rohstoffe, vor allem Gerste und Hopfen, vorwiegend aus eigenem Anbau stammen, greifen auch die landwirtschaftlichen steuerlichen Bestimmungen. Vorreiter in der italienischen handwerklichen Bierbewegung und ebenso Produzent von „landwirtschaftlichem Bier“ („birra agricola“) ist die Brauerei Baladin des Teo Musso. Heute produziert die 1996 gegründete Brauerei jährlich 12.000 Hektoliter Bier und vertreibt es mittlerweile weit über die Staatsgrenzen hinaus. 200 Hektar Gerste baut der Betrieb dafür selber an, ebenso wie den Hopfen.
Nur eineinhalb Hektar Gerste genügen indes dem Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betrieb „C’era una volta“ für seine Bierproduktion. Ursprünglich als reiner Weinhof geführt, wird hier seit Kurzem auch ein eigenes Bier gebraut. Wie sich die Reisegruppe überzeugen konnte, ist der Platzbedarf für die Verarbeitung, ebenso wie der Investitionsbedarf in diesem kleinen Stil überschaubar. Die monatliche Bierproduktion von etwa 500 Litern wird an Hausgäste, in Restaurants und in einigen Geschäften der Umgebung vertrieben. Betriebsinhaberin Silvia Castagnero ist überzeugt, dass mit der Produktion von eigenem Bier ein zufriedenstellendes Zusatzeinkommen erwirtschaftet werden kann. Sie selbst spielt bereits mit dem Gedanken, die Bierproduk-tion zu erweitern.  

Innovative Köpfe ruhen nicht
Unter den Teilnehmern der Innovationsreise in das Piemont war auch Anton von Longo, Obst- und Weinbauer aus Neumarkt. Seit einigen Jahren macht er mit Goji-Beeren Schlagzeilen, jenen Gesundheitsbeeren mit Ursprung in China, welche mittlerweile auch bei uns größere Bekanntheit erlangt haben. Dadurch hatte der Jungbauer aus dem Unterland bereits vor Jahren Innovationsgeist bewiesen und dabei auch viele heimische Bauern inspiriert.
Heute, vier Jahre nach dem riskanten Einstieg in die Goji-Beerenproduktion, hat er die ursprüngliche Anbaufläche am Schornhof oberhalb von Neumarkt von einst dreieinhalb auf aktuell eineinhalb Hektar reduziert. Auf den restlichen zwei Hektar hat er stattdessen die pilzresistente Rebsorte Solaris gepflanzt. „Aufgrund meiner heutigen Erfahrung würde ich auf jeden Fall mit einer kleineren Fläche starten“, erklärt Longo. „Besonders die Planung ist dabei wichtig. Denn nur mit einer guten Planung kann das Projekt gelingen. Man muss offen sein für Neues und auch Rückschläge hinnehmen können. Wichtig ist auch, sich mit anderen Anbauern kurzzuschließen und Informationen auszutauschen“, rät der junge Bauer.
Welche Inspirationen und Ideen er und die übrigen Teilnehmer der Innovationsreise aus dem Piemont mit nach Hause genommen haben, wird die Zukunft zeigen. Anton von Longo sagt: „Die Innovationsreise hat mir viele neue Impulse gegeben. Besonders der Anbau der Trüffel und die Haselnussplantage haben mir zu verstehen gegeben, dass man mit Begeisterung und Willenskraft viel erreichen kann!“
Nicht stehen bleiben, nach Neuem suchen und Erreichtes weiterentwickeln – auch das haben erfolgreiche, innovative Betriebe gemeinsam. So möchte der Safranbetrieb künftig ein Safran-Bier herstellen. Und der Trüffelbetrieb sucht nach Möglichkeiten der Doppelernte Trüffel und Haselnuss, womit sich der Kreis der Ideen wieder schließt.


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Die nächste Innovationsreise findet im Frühjahr 2015 statt.
Voranmeldung und weitere Informa­tionen bei der SBB-Weiterbildung: Tel. 0471 999455.