Südtiroler Landwirt, Marketing | 16.12.2014

Allergene richtig kennzeichnen

Wenn Produkte Allergene enthalten, so muss dies ab sofort auch bei Lose-Verkauf (z.B. am Bauernmarkt) und bei Verabreichung von Speisen und Getränken (Frühstück, Verpflegung und Schanktätigkeiten) gekennzeichnet werden. Die neue Regelung ist am 13. Dezember in Kraft getreten. von Walter Rier

Auch die Klassiker in allen Schankbetrieben – die Schlutzkrapfen – können eine ganze Reihe von verschiedenen Allergenen enthalten.

Auch die Klassiker in allen Schankbetrieben – die Schlutzkrapfen – können eine ganze Reihe von verschiedenen Allergenen enthalten.

Mit der EU-Verordnung Nr. 1169/2011 wurde die Etikettierung von Produkten europaweit neu geregelt und vereinheitlicht. Die EU-Verordnung sieht vor, dass die allergenen Zutaten in Zukunft nicht nur bei vorverpackter Ware, sondern auch beim losen Verkauf und bei Verabreichung von Speisen und Getränke anzugeben sind. Die EU hat eine Liste von derzeit 14 Allergenen (siehe Tabelle unten) festgelegt. Es müssen nur diese angegeben bzw. in der Zutatenliste hervorgehoben werden. Wie konkret die Angabe bei losem Verkauf und bei der Verabreichung auszusehen hat, lässt die EU-Verordnung offen. Hier hat es Italien leider verabsäumt rechtzeitig Richtlinien zu erlassen, sodass derzeit nur erste Empfehlungen abgegeben werden können.
Vertreter verschiedener Behörden (Amt für Lebensmittelanalysen, Tierärztlicher Dienst der Sanitätseinheit, Handelskammer, Verbraucherzentrale), die sich kürzlich mit den Wirtschaftsverbänden getroffen haben, haben einhellig die Meinung vertreten, dass laut EU-Verordnung nur die Zutaten und nicht eventuelle Kontaminanten (Verschleppungen, Spuren) angeführt werden müssen.
Nicht erklärt werden müssen Allergene, wenn aus der Produktbezeichnung bereits hervorgeht, dass ein solches im Produkt vorhanden ist (z.B. Eier in Eierteignudeln). Berücksichtigt werden müssen alle anderen Zutaten, vor allem wenn es sich um zusammengesetzte Zutaten handelt. Werden z.B. getrocknete Apfelscheiben mit Schokoladeüberzug hergestellt, so kann die Schokolade (Zutat) ihrerseits als Zutaten Allergene, wie Milch, Lecithin aus Eier oder Soja u.ä. enthalten, welche dann im Endprodukt vorhanden sind und somit deklariert werden müssen.

Vorverpackte Ware

Die Etikettierung vorverpackter Ware ist in der Verordnung detailliert geregelt und kann daher relativ sicher angepasst werden. Viele Betriebe haben auch die Zeit bereits genutzt und die Anpassungen umgesetzt. Bei der vorverpackten Ware müssen nach wie vor folgende Angaben angeführt werden:

  • Handelsname (Verkehrsbezeichnung – Pflichtangabe im Sichtfeld) 
  • Zutatenverzeichnis (inklusive %-Angabe der charakterisierenden Zutat)
  • Nettofüllmenge (Pflichtangabe im Sichtfeld) 
  • Mindesthaltbarkeits-/Verbrauchsdatum (Pflichtangabe im Sichtfeld) 
  • Anweisungen für Aufbewahrung 
  • Name und Adresse des Lebensmittelunternehmers
  • Ursprungsland (wo erforderlich)
  • Gebrauchsanleitung (wo erforderlich) 
  • Alkoholgehalt (Pflichtangabe im Sichtfeld)   
  • Nährwertdeklaration (ab 2016 Pflicht – mit Ausnahmen)
  • Einfrierdatum (wo erforderlich – neue Verpflichtung)

Um die Lesbarkeit zu garantieren, muss die Schriftgröße für Kleinbuchstaben mindestens 1,2 mm (x-Höhe) betragen. Ist die größte Oberfläche der Verpackungen oder Behältnisse kleiner als 80 Quadratzentimeter, kann die Schriftgröße auf 0,9 mm verringert werden. Die Allergene müssen in der Zutatenliste hervorgehoben werden (z.B. durch fette Schrift), oder eigens angeführt werden, wenn keine Zutatenliste angeführt werden muss (z.B. beim Wein: enthält Sulfite).
Mit 13. Dezember 2016 wird in der EU die Deklaration der Nährwerte zur Pflicht. Davon ausgenommen sind Lebensmittel – einschließlich handwerklich hergestellter Lebensmittel – die direkt in kleinen Mengen an den Endverbraucher oder an Einzelhandelsgeschäfte abgegeben werden. Damit dürften die meisten Direktvermarkter von der Nährwertdeklaration befreit sein. Lieferungen an Verteiler (z.B. Handelsketten) unterliegen jedoch der Nährwertdeklaration. Wenn allerdings im Etikett Hinweise auf den Nährwert des Produktes gegeben werden, so war die Nährwertetikettierung bereits bisher Pflicht.
Neu ist, dass in diesem Falle bereits jetzt das neue Layout der Nährwertdeklarierung laut EU-Verordnung Nr. 1169/2011 zu verwenden ist. Die Angaben müssen je 100 Gramm oder Milliliter erfolgen. Die Werte beziehen sich auf die durchschnittlich im Produkt vorhandenen Nährstoffe (Laboruntersuchung oder rechnerische Ermittlung). Die Handelskammer Bozen stellt unter www.foodlabelcheck.eu eine Internetplattform zur Verfügung, über der die Betriebe für viele Produkte die Nährwerte ermitteln können.

Lose Ware
Unter loser Ware versteht man Produkte, die offen verkauft werden. Ein typischer Fall eines offenen Verkaufes ist das Gemüse auf dem Markt, aber auch Käse und Wurstwaren hinter der Theke. Der Händler füllt die gewünschte Menge der Produkte an Ort und Stelle für den Kunden ab. Folgende Angaben müssen entweder auf einem Schild oder auf dem Gebinde (z.B. Steige) aufscheinen:

  • Handelsname (Bei Obst und Gemüse auch Art und Sorte: z.B.: Äpfel Golden Delicious)
  • Handelsklasse (Bei Obst und Gemüse sind die Qualitätskriterien laut EU-Marktordnung einzuhalten. Folgende Handelsklassen sind vorgesehen: extra, I, II, III)
  • Preis pro Einheit
  • Zutatenliste (bei zusammengesetzten Produkten, wie z.B. Brot, Teigwaren, Wurstwaren...)
  • Verfallsdatum bei frischen Teigwaren
  • Lagerhinweise (z.B. Kühltemperatur bei leicht verderblichen Produkten)
  • Für Obst und Gemüse auch das Herkunftsland (z.B. Südtirol - Italien)

Auch bei der losen Ware müssen in Zukunft die allergenen Stoffe hervorgehoben werden.

Verabreichung von Speisen und Getränken
Auch Betriebe, die Speisen und Getränke verabreichen – also Frühstück, Halbpension, Vollpension, Buschenschank, Hofschank oder Almschank – müssen seit den 13. Dezember 2014 die Allergene auszeichnen. Dies erfolgt durch die Angabe der Allergene in der Speisekarte oder auf eigenen Schildern. In Betrieben mit Verabreichung von Speisen und Getränken kommen viele verschiedene Allergene vor. So können etwa Schlutzkrapfen folgende Allergene enthalten: Mehl (Gluten), Milch (Butter, Parmesan), Eier ... Dabei ist nicht nur auf den Teig, sondern auch auf die Fülle und eventuelle Beilagen zu achten. Bis Italien die Materie endgültig geregelt hat, kann die Angabe auch erfolgen, indem man eine Tabelle der im Betrieb verarbeiteten Allergene aufhängt.
Eine Vorlage für so eine Tabelle steht hier zum Download bereit.

Diese neuen Bestimmungen sollten unbedingt ernst genommen werden. Sollten sich bei Verabschiedung der italienischen Bestimmungen noch weitere Änderungen ergeben, wird der „Südtiroler Landwirt“ rechtzeitig darüber berichten.

 

Tab.: Liste der Allergene

Allergen

Enthalten in

Beispiele für Produkte und Speisen

Glutenhaltiges Getreide und daraus gewonnene Erzeugnisse

Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut

Brot, Gebäck, Nudel, Knödel, Schlutz-krapfen, Wienerschnitzel, Saucen, …

Krebstiere und daraus gewonnene Erzeugnisse

Krebs, Shrimps, Langusten,

Garnelen, Scampi, Hummer

 

Eier und daraus gewonnene

Erzeugnisse

 

Nudeln, Knödel, panierte Produkte, Kuchen, Desserts (Tiramisù), …

Fisch und daraus gewonnene Erzeugnisse

Alle Fischarten und Kaviar

 

Erdnüsse und daraus gewonnene Erzeugnisse

 

Müsliriegel, Kuchen, Feingebäck, …

 

Sojabohnen und daraus gewonnene Erzeugnisse

 

Schokolade (Lecitin aus Soja), Brot, Kuchen, Saucen, …

Milch und daraus gewonnene Erzeugnisse (einschließlich Laktose)

Kuhmilch, Milchzucker, Joghurt,

Käse

 

Panierte Produkte, Desserts, Kuchen, Saucen, Suppen, Kartoffelpüree, Schlutzkrapfen (Parmesan), …

Schalenfrüchte und daraus gewonnene Erzeugnisse

Mandeln, Pistazien, Hasel-, Kaschu- (Cashew-), Pekan-,
Para-, Macadamia-, Queensland-, Walnüsse

Müsliriegel, Kuchen, Kekse, Nachspeisen, Eis, Pesto, …

Sellerie und daraus gewonnene Erzeugnisse

Knollen-, Bleich- und

Staudensellerie

Saucen, Suppen, Kräutersalz,

Würzpasten, Selleriepüree, …

Senf und daraus gewonnene

Erzeugnisse

 

Saucen, Dressings, Kartoffelsalat, Essiggurken, Fleischspeisen (Braten mit Senfkruste), …

Sesamsamen und daraus gewonnene Erzeugnisse

 

Brot, Gebäck, …

 

Lupinen und daraus gewonnene Erzeugnisse

 

Kuchen, Gebäck, Nudel, Kaffeeersatz (Altreier Kaffee), …

Weichtiere und daraus gewonnene Erzeugnisse

 

Schnecken, Oktopus, Tintenfische,

Muscheln, Austern, …

Schwefeldioxid und Sulfite (in Konzentrationen von mehr als 10 mg/kg oder 10 mg/l)

 

Wein, Cidre, Essig, …