Südtiroler Landwirt, Politik, Bauernbund | 20.11.2014

Europas Berggebiete stärken

Die „Euromontana“ ist eine europäische Organisation, die sich für das Berggebiet einsetzt. In Bilbao trafen sich kürzlich die beteiligten Organisationen, um über Strategien zur Stärkung des Berggebietes zu diskutieren.

Ulrich Höllrigl (l.) und Siegfried Rinner (r.) mit dem amtierenden „Euromontana“-Präsident Juanan Gutiérrez Lazpita in Bilbao.

Ulrich Höllrigl (l.) und Siegfried Rinner (r.) mit dem amtierenden „Euromontana“-Präsident Juanan Gutiérrez Lazpita in Bilbao.

Berggebiete sind nicht nur Freizeiträume, sondern vor allem auch Lebens- und Arbeitsräume sowie Schutzräume für die urbanen Gebiete. Diese zu stärken, ist deshalb nicht nur im Interesse der dort wohnenden Bevölkerung, sondern aller Menschen, hieß es kürzlich bei der Konferenz in Bilbao.
Unter dem Motto „Qualität aus den Bergen – Wohlstand für Menschen und Lebensräume“ diskutierten Teilnehmer aus vielen Ländern Europas Strategien für die Stärkung des Berggebietes. Mit dabei waren mit Siegfried Rinner und Ulrich Höllrigl auch der Direktor und Vizedirektor des Südtiroler Bauernbundes. Direktor Rinner blickt zurück: „Wir waren uns einig, dass das Berggebiet für Landwirtschaft, Lebensraum, Lebensqualität und lokale Produkte steht. In Zukunft gilt es, noch stärker auf lokale und regionale Wertschöpfungsketten zu setzen, die neben der Landwirtschaft auch Handel, Gastronomie, Handwerk und Industrie mit einbinden.“

Gute Aussichten für Produkte vom Berg
Produkte vom Berg gewinnen an Bedeutung und werden von den Konsumenten vermehrt nachgefragt. „Um den Absatz zu unterstützen und die Produkte von der Konkurrenz abzuheben, hat Brüssel erst kürzlich einer Marke für Produkte aus den Berggebieten zugestimmt“, sagt Rinner. Eine gute Chance, sich langfristig am Markt zu behaupten, sahen die Teilnehmer in der Innovation. „Für Innovation im Berggebiet und folglich innovative Bergprodukte braucht es Forschung, Beratung und Weiterbildung“, erklärt Höllrigl.

Südtirol gut aufgestellt
Klar wurde auf der „Euromontana“-Konferenz, dass Südtirol beim Zuerwerb und besonders beim Urlaub auf dem Bauernhof Vorzeigecharakter hat. Der Zuerwerb hilft, die Abwanderung zu verhindern, die in anderen ländlichen Gebieten Europas sehr stark ist. Damit wird die Bewirtschaftung der Berggebiete gesichert, was nicht nur auf das Landschaftsbild, sondern auch auf den Schutz der Ballungszentren im Tal Auswirkungen hat. Bewirtschaftete Räume schützen mehr vor Erosion, Lawinenabgängen, Muren usw. als nicht bewirtschaftete.

Stadt für das Land und umgekehrt
Auf europäischer Ebene wird sehr oft das Engagement des ländlichen Raums für die urbanen Zentren gefordert. „Dies darf aber keine Einbahnstraße sein, auch umgekehrt können die Zentren die ländlichen Gebiete unterstützen. Die Strukturfonds spielen hierbei eine Schlüsselrolle, um die Nachteile, die Berggebiete schon aufgrund der geographischen Gegebenheiten haben, auszugleichen“, unterstreicht Rinner.


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Die Euromontana

Gemeinsam für Bergregionen
Ihren Ursprung hatte die „Euromontana“ im Jahr 1953, als die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ein Seminar über die Berglandwirtschaft mitorganisierte. Es folgten weitere Konferenzen im Abstand von zwei Jahren, ab 1974 gab es eine ständige Arbeitsgruppe, die sich mit sozioökonomischen Themen in Bergregionen beschäftigte und sich „Euromontana“ nannte. 1996 wurde die „Euromontana“ als internationale Non-Profit-Organisation gegründet – mit dem Ziel, die kulturellen, wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Interessen der Berggebiete in der EU zu vertreten, zu verteidigen und zu fördern. Außerdem setzt sich die „Euromontana“ für die Aufwertung der Forschung zu den Bergregionen ein, wobei die Schwerpunkte in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft sowie Umwelt liegen. Schließlich soll auch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bergregionen in Europa weiterentwickelt werden. Aktuell zählt die „Euromontana“ 75 Mitgliedorganisationen in 20 europäischen Ländern. Südtirol ist mit dem Südtiroler Bauernbund und der EURAC vertreten. Mehr Informationen gibt es im Internet: in englischer und französischer Sprache unter www.euromontana.org sowie auf Deutsch unter http://bit.ly/euromontana.