Produktion | 07.11.2014

Konsequenz trägt erste Früchte

Beängstigend war der Besenwuchs-Befall im Vorjahr besonders im Meraner Raum. In diesem Jahr ist die Lage etwas entspannter – auch weil viele Bauern die Anweisungen von Beratungsring und Pflanzenschutzdienst konsequent befolgt haben. von Bernhard Christanell

In Schenna machten sich Bauern, Berater, Wissenschaftler und Genossenschaftsvertreter ein Bild vom aktuellen Besenwuchs-Befall.

In Schenna machten sich Bauern, Berater, Wissenschaftler und Genossenschaftsvertreter ein Bild vom aktuellen Besenwuchs-Befall.

Im Herbst 2013 war die Lage dramatisch: Nach der Ernte mussten zahlreiche von der Apfeltriebsucht befallene Bäume gerodet werden, der höchste erhobene Wert in einer Anlage lag bei 36 Prozent. Bei einem Lokalaugenschein in Schenna zeigte sich das ganze Ausmaß des Schadens. Während in den Jahren zuvor die Zahl der betroffenen Bäume leicht gestiegen war, hatte sich die Krankheit im vergangenen Jahr explosionsartig bemerkbar gemacht.

Heuer weniger Bäume befallen
Etwas mehr als ein Jahr nach diesem Treffen fanden sich Anfang vergangener Woche erneut Vertreter von Bauernbund, Laimburg, Beratungsring, Genossenschaften und Landesverwaltung in Schenna ein, um sich ein Bild vom diesjährigen Befall zu machen. Josef Österreicher vom Beratungsring zeigte die Entwicklung in diesem Jahr auf: „Auch wenn die Daten zu den Spätsorten noch fehlen, lässt sich schon jetzt sagen, dass heuer insgesamt wesentlich weniger Bäume befallen sind als im Vorjahr. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die meisten Bauern an unsere Pflanzenschutz-Empfehlungen gehalten und die befallenen Bäume gerodet haben.“
Die Empfehlungen bezogen sich vor allem auf die Pflanzenschutz-Behandlungen vor, während und nach der Blüte. „Wer in dieser Phase die empfohlenen Pflanzenschutzmittel ausgebracht hat, der hat laut unseren Erhebungen jetzt deutlich weniger befallene Bäume“, zog Österreicher Bilanz. Die Strategie sei also aufgegangen, Grund zur Entwarnung sei dies keiner. „Langfristig brauchen wir eine Alternative zu den Pflanzenschutzmitteln, weil wir mit diesen immer nur den Überträger, den Sommerapfelblattsauger, und nicht den Erreger, das für die Krankheit verantwortliche Bakterium, bekämpfen können“, erklärte Österreicher.

Kein weiterer Überträger bekannt
Wie intensiv eine Gruppe von zehn Forschern am Versuchszentrum Laimburg in Zusammenarbeit mit Kollegen von anderen Forschungseinrichtungen an einer Lösung für das Besenwuchs-Problem arbeiten, zeigten Laimburg-Direktor Michael Oberhuber und die Wissenschaftlerin Katrin Janik (siehe dazu auch S. 67/68 in dieser Ausgabe).
Sie gaben dabei auch Einblick in Details ihrer Forschungsarbeit: „Wir wissen mittlerweile, dass bei den meisten Bäumen die Krankheit innerhalb von zwei Jahren nach der Infektion ausbricht, nur in sehr seltenen Fällen kann das auch noch später passieren. Auch gibt es keine Hinweise darauf, dass es neben den schon bekannten Vektoren noch weitere Insekten gibt, die das Bakterium übertragen.“
Eine Alternative zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wäre die direkte Bekämpfung des Erreger-Bakteriums. Dies sei jedoch zurzeit noch nicht möglich, weil es noch nicht gelungen sei, das Bakterium im Labor zu kultivieren. Unterlagen, die vollständig gegen Besenwuchs resistent sind, gebe es derzeit ebenso wenig wie die Möglichkeit, die Überträger mit Verwirrungsmethoden zu bekämpfen, wie sie etwa gegen den Apfelwickler eingesetzt werden.
Oberhuber und Janik versicherten aber, dass die Forschung – nicht nur an der Laimburg – mit Nachdruck an Lösungen für das Besenwuchs-Problem arbeite.

Jeder kranke Baum ist eine Gefahr
Bis es so weit ist, bleibt den Bauern nur eins: die kranken Bäume zu kennzeichnen und baldmöglichst zu roden. Darauf wies auch Konrad Mair vom Landespflanzenschutzdienst hin: „Die Rodung muss zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgen, denn jeder kranke Baum ist eine potenzielle Gefahr für noch nicht erkrankte Bäume. Spätestens bis zum Neuaustrieb müssen kranke Bäume – mitsamt dem Wurzelstock – vollständig entfernt werden.“ Die Rodungsmoral bei den Bauern sei insgesamt gut, es gebe aber immer wieder Problemfälle. Dass der Besenwuchs ein landesweites Problem sei, zeige auch die Tatsache, dass es nicht nur aus dem Burggrafenamt Befallsmeldungen gebe, sondern heuer vermehrt auch aus dem Vinschgau und vereinzelt aus dem Unterland.
Der stellvertretende Bauernbund-Landesobmann Bernhard Burger wies ebenfalls nachdrücklich darauf hin, dass die Rodung der kranken Bäume Pflicht sei: „Wer nicht rodet, der schadet nicht nur sich selbst, sondern auch den Nachbarn und schlussendlich auch den Vermarktern.“ Denn für die kleineren Äpfel, die von kranken Bäumen geerntet werden, schaue auch auf dem Markt weniger Geld heraus. Wohl auch deshalb sind einige Genossenschaften dazu übergegangen, in Zusammenarbeit mit den örtlichen Bauernbund-Vertretern auf säumige Mitglieder direkten Druck auszuüben.