Politik | 27.10.2014

Nicht an Tiergesundheit sparen!

Landesrat Arnold Schuler hat die Absicht, die Tiergesundheitsprämie zu streichen. Die Rinderzuchtverbände warnen eindrücklich davor und haben den „Südtiroler Landwirt“ gebeten, dazu einen „offenen Brief“ an Schuler abzudrucken. von Guido Steinegger

„Die Jungtier-Alpung ist eine Säule der gesunden Nutztierbestände“, sagen die Rinderzuchtverbände.

„Die Jungtier-Alpung ist eine Säule der gesunden Nutztierbestände“, sagen die Rinderzuchtverbände.

Es geschah in einer Aussprache vom 30. September. Landesrat Arnold Schuler traf sich mit Vertretern des Südtiroler Bauernbundes und der Rinderzuchtsverbände im Haus der Tierzucht. Im Rahmen dieser Sitzung teilte Schuler die Absicht mit, die Tiergesundheitsprämie und weitere mit der Rinderzucht in Zusammenhang stehende Prämien – z. B. den Haltungsbeitrag für Nachkommen von Test-Stieren – zu streichen.

Daraufhin haben sich die Obmänner der Rinderzuchtverbände beraten. Sie kommen zum Schluss, dass die Abschaffung dieser Prämie ein großer Fehler wäre. Die Gründe dafür haben sie in einem „offenen Brief“ an den Landesrat zusammengefasst und dem „Südtiroler Landwirt“ mit der Bitte um Veröffentlichung zugeschickt. der Brief ist in der aktuellen Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“ abgedruckt und ist auf dieser Seite weiter unten nachzulesen.

Auch Bauernbund protestiert
Neben den Rinderzuchtverbänden warnt auch der Südtiroler Bauernbund vor der Streichung  dieser Prämie. Immerhin ist sie ein wichtiges Steuerungselement, das nicht nur die Tiergesundheit, sondern auch die Bestoßung der Südtiroler Almen gezielt fördert.

Zusätzlich zu den von den Rinderzuchtverbänden angeführten Gründen führen Obmann Leo Tiefenthaler und Direktor Siegfried Rinner auch ins Feld, dass die Streichung der Prämie „vor allem jene steigende Anzahl an Betrieben treffen würde, die alternativ zur Milchproduktion Rinderaufzucht bzw. Mast betreiben oder in naher Zukunft einen diesbezüglichen Umstieg planen.“ Vor allem Betriebe, die über keine Privatalm verfügen, könnten sich weder von der neuen Betriebsprämie eine nennenswerte Erhöhung erwarten, noch von der Milchkuhprämie profitieren. Gleichzeitig wird ihnen auch ein Teil der Ausgleichszulage gekürzt, weil die Alp-Weidetage nicht mehr in Prämienflächen umgerechnet werden können.

Große Bedenken äußert der Bauernbund auch in der Frage, „ob die geplante Betriebsprämie für Interessentschaften wirklich auch den Einzelbetrieben zugute­kommt bzw. sich auf die Höhe der Alpungskosten pro aufgetriebenem Tier auswirkt“. Insgesamt müsse die Situation noch eingehender durchleuchtet werden, um zu einer ausgewogeneren Lösung für die verschiedenen Betriebstypen in der Rinderzucht zu kommen.



Offener Brief an Landesrat Arnold Schuler

Die Tiergesundheit ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Rinderzucht. Die Alpung der Jungtiere wirkt sich positiv auf die Nutzungsdauer aus und stärkt das Immunsystem. Durch die Gewährung der Tiergesundheitsprämie in Verbindung mit der Alpung der Tiere wurde gleichzeitig die für unseren Wirtschaftsraum wichtige Almpflege gefördert. Die Beweidung der Almen ist Voraussetzung für die Offenhaltung der hochalpinen Grasnarbe und fördert die Artenvielfalt der hoch sensiblen Gebirgszonen. Zudem trägt eine gepflegte Almbewirtschaftung zum Schutz gegen Erosion und damit zusammenhängenden Naturkatastrophen bei.

Die Aufzucht und Alpung der eigenen Jungtiere garantiert die Beibehaltung des derzeit sehr hohen Gesundheitsstatus der Südtiroler Nutztierbestände. Dieser hohe Gesundheitsstandard ist die Basis für die nachhaltige, hochqualitative Produktion von Lebensmitteln und garantiert zugleich den uneingeschränkten Verkauf von Zuchttieren außerhalb unserer Landesgrenzen. Damit ist man vom Import von Tieren unabhängig und verhindert gleichzeitig die Einschleppung gefährlicher Seuchen, wie aktuell die Paratuberkulose.

Die Tiergesundheitsprämie wurde bisher unbürokratisch gewährt und erreichte den Viehhalter direkt. Die Gewährung dieser Prämie garantiert, dass einheimische Tiere weiterhin auf unseren Almen weiden und über die Sommermonate nicht daheim im Stall gehalten werden.

Aus dieser Überlegung fordern wir die Landesverwaltung auf, die Absicht der Streichung dieser für unsere viehhaltenden Bergbauern so wichtigen Prämie zu überdenken. Zudem fordern wir eine Aussprache mit dem zuständigen Landesrat, um diese Problematik im Interesse unserer Viehbauern zu regeln.

Die Obmänner der Rinderzuchtverbände:
Michael Treyer, Emmerich Silbernagl, Alois Hellrigl, Heinrich Ennemoser