Südtiroler Landwirt, Marketing, Bauernbund | 23.10.2014

Roter Hahn, das ganze Jahr

Urlaub auf dem Bauernhof auch in Winterhalbjahr attraktiv machen, lautet die Devise der Marke „Roter Hahn“. Wie Bäuerinnen und Bauern ihren Betrieb dafür rüsten können, erfuhren sie bei der diesjährigen UaB-Tagung. von Renate Anna Rubner

Südtirols UaB-Betreiber möchten auch in der kalten Jahreszeit bei ihren Gästen punkten

Südtirols UaB-Betreiber möchten auch in der kalten Jahreszeit bei ihren Gästen punkten

Ein kuschelig gemütliches Ambiente, Ruhe und Entspannung und ein Schlemmerfrühstück mit hofeigenen Produkten wünscht sich der Gast, der im Winter auf einem Südtiroler Bauernhof Urlaub macht. Im Sommer ist das Angebot, das die UaB-Betriebe den Gästen bieten, recht stimmig. Entsprechend erfolgreich sind sie damit. Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund, erklärte bei der diesjährigen UaB-Tagung: „Für den Wintergast aber sind wir beiweitem noch nicht ausreichend vorbereitet.“ Deshalb müsse sowohl in die Einrichtung der Ferienwohnungen, als auch in die Angebote am Hof und nicht zuletzt in die Kommunikation investiert werden. „Gehen wir diese Herausforderung gemeinsam an“, lud Kienzl die Bäuerinnen und Bauern ein.

Wintergast stellt hohe Ansprüche
Britta Thunecke, Beraterin für Ferienimmobilien aus Lüneburg wurde in ihren Ausführungen konkret. Sie umriss, wie UaB-Betreiber ihren Wohnungen die Atmosphäre verschaffen können, um auch in der Nebensaison jeden Kundenwunsch zu erfüllen. „Die Gäste der Nebensaison sind in der Regel Pärchen, zwischen 30 und 45 Jahren oder älter, mit hohem Einkommen und entsprechend hohen Ansprüchen an Ausstattung und Ambiente und dem Bedürfnis nach Erholung und Ruhe“, erklärte Thunecke. Ein Frühstück sei Voraussetzung für diese Klientel, weil man sich entspannen und mit heimischen und hofeigenen Produkten verwöhnen lassen möchte. Darüber hinaus müsse der Bauernhof aber noch andere Vorstellungen erfüllen: Die Ferienwohnungen müssen hell, großzügig und heimelig sein, mit viel Holz und natürlichen Materialien ausgestattet sein und möglichst auch einen Ofen oder Kamin mit Leseecke haben, eine Badewanne, Fernseher und Internet-Anschluss. Wenn es draußen kälter ist und früher dunkel wird, verbringen die Gäste nämlich mehr Zeit in der Wohnung. Thunecke schloss mit dem Fazit: „Im Winter müssen Sie als Anbieter deutlich mehr leisten als im Sommer!“

Südtirol steht für Natur
Innenarchitektin Synne Marienfeld erarbeitete anhand von konkreten Beispielen, was Ferienwohnungen attraktiv macht, was der Mensch intuitiv als angenehm, stimmig und harmonisch empfindet und wo er sich wohl fühlt. „Der erste Eindruck, den der Gast von den Räumlichkeiten bekommt, bleibt. Und dieser Eindruck muss mit den Erwartungen übereinstimmen, die er gewonnen hat, als er sich den Internet-Auftritt angesehen hat“, stellte die Fachfrau klar. Zunächst müsse die Funktion eines Raumes stimmen. Der Grundriss und die Öffnung zum Licht hin bestimmt also letztendlich, wo Kochen, Essen, Ruhebereiche und dergleichen platziert werden sollten, um ein harmonisches Bild abzugeben. Erst dann folge die Auswahl von Materialien und Farben. „Südtirol steht beim Urlauber für Natur“, erklärte Marienfeld. „Deshalb sind ehrliche, natürliche Materialien und warme Naturtöne für UaB-Betriebe in Südtirol ein Muss!“ Besonders der Holzboden spielt dabei eine große Rolle. Drittes Element bei der Ausstattung von Ferienwohnungen ist laut Synne Marienfeld das Beleuchtungskonzept: „Besonders im Winter braucht es viel Licht.“ Und mit der richtigen Dekoration, also Farbakzenten, Bildern, handwerklichen Arbeiten und dergleichen, erhält die Ferienwohnung zu guter Letzt den individuellen Anstrich.

Zwei Paradepferde
Bei der Tagung wurden zwei UaB-Betriebe vorgestellt, die sich besonders hervorgetan haben: Barbara Graf führt den vor zwei Jahren neu erbauten Weiher Hof als Obstbetrieb mit vier Ferienwohnungen und zwei Zimmern mit Frühstück. Er wurde mit viel Holz und anderen Naturmaterialien realisiert, die Wohnungen sind hell und geräumig. Die Gäste schätzen aber nicht nur das ansprechende Ambiente und die ruhige Lage des Hofes, sondern auch das reiche Frühstücksangebot mit selbstgemachten Säften, Marmeladen, Obst, Brot und Strudel. Familie Graf bietet neben Hofführungen auch die Möglichkeit an, bei landwirtschaftlichen Arbeiten mit Hand anzulegen oder beim Strudel-Backen zu helfen. Der Kontakt mit dem Gast ist der Familie sehr wichtig. Sowohl die Landwirtschaft als auch die Betreuung der Gäste schultern alle gemeinsam.
Gusti und Hainz Hellweger führen einen Bauernhof mit Viehwirtschaft in Sonnenburg bei St. Lorenzen. Im Jahr 2008 renovierten sie den Oberbinder mit viel Fingerspitzengefühl und richteten auch vier Ferienwohnungen  und zwei Ferienzimmer ein. Ihr Anspruch ist es, den Gast zu begeistern. Das beginnt mit den hellen, gemütlichen Appartements, in denen Holz eine wichtige Rolle spielt. Und gipfelt im Frühstück, bei dem neben hausgemachten Milchprodukten und Eiern auch Marmeladen, Brot, Kuchen und Kompott aus eigener Herstellung auf den Tisch kommen.

„Roter Hahn“ als Botschafter
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler lobte die Urlaub auf dem Bauernhof-Betreiber: „Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Vielmehr  ist es dem Fleiß und Einsatz der Bäuerinnen und Bauern, ihrer Gastfreundschaft, der kontinuierlichen Weiterbildung, dem Angebot auf den Höfen und den hofeigenen Produkten zu verdanken, dass sich der Urlaub auf dem Bauernhof zu einer immer wichtigeren Nische entwickelt.“ Und Landesrat Arnold Schuler belegte diese Feststellung auch mit konkreten Daten: „Mittlerweile hat Urlaub auf dem Bauernhof beim Umsatz sogar die Weinwirtschaft überholt!“ Er unterstrich, dass die Marke „Roter Hahn“ inzwischen zu einem wichtigen Botschafter Südtirols geworden sei.

www.roterhahn.it