Südtiroler Landwirt, Produktion | 23.10.2014

Neue Rekordsumme versichert

Südtirols Bauern haben heuer so viel versichert wie noch nie: Der versicherte Wert erreichte fast 500 Millionen Euro. Das überraschte selbst die Experten vom Hagelschutzkonsortium, denn immerhin nimmt parallel ja auch der Schutz durch Hagelnetze weiter zu.

Trotz relativ geringer Schadensfälle werden heuer 20 Millionen Euro Schadensvergütungen ausbezahlt.

Trotz relativ geringer Schadensfälle werden heuer 20 Millionen Euro Schadensvergütungen ausbezahlt.

Das Hagelschutzkonsortium hat kürzlich den Anteil der Mitglieder an den Versicherungskosten berechnet. Die Schadensauszahlungen werden noch innerhalb Jahresende erfolgen – sowohl jene der Gesellschaften als auch jene aus dem Solidaritätsfonds des Hagelschutzkonsortiums.

Mehr Menge und höherer Wert versichert
Somit kann man die Hagelversicherungskampagne 2014 als abgeschlossen betrachten. Mit 7840 Tonnen versicherter Menge wurden vier Prozent mehr als im Vorjahr (7530 t) versichert. Dieses Ergebnis hat alle überrascht, auch den Hagelschutzkonsortium-Direktor Heinrich Huber: „Wir waren der Meinung, dass durch die ‚Vernetzung’ der Obstanlagen keine weitere Steigerung des vorjährigen Rekordergebnisses möglich sei.“ Sie war möglich: Mit 491 Millionen Euro versichertem Wert wurde noch einmal um rund sieben Prozent mehr Kapital abgesichert als im Vorjahr.
Der Zuwachs ist mit acht Prozent bei den Äpfeln deutlich höher als bei den Weintrauben mit zwei Prozent.

Einstufung als Katastrophen-Ereignisse
Die Versicherungskampagne 2014 war von einer besonderen Neuerung gekennzeichnet. Die Ereignisse Frost, Trockenheit und Überschwemmung sind von der EU als „Katastrophale Schadensereignisse“ eingestuft worden. Das hatte zur Folge, dass diese Risiken ausschließlich mit der „Globalen Mehrgefahrenversicherung (MULTI)“ versichert werden konnten.
Zusätzlich zu der bereits bekannten Versicherungsform PLURI (B 50 60 70 80), wurde daher nun auch die Versicherungsform MULTI (M 60 70 80) eingeführt.

Die unterschiedlichen Modelle im Vergleich
Das Modell B 50 ohne Schadensschwelle war nur für Weintrauben vorgesehen. Das Modell B+M 80 mit Schadensschwelle und Solidaritätsfonds konnte für alle landwirtschaftlichen Produkte eingesetzt werden. Mit dem Modell B+M 60 (nur für Obst) mit Schadensschwelle (ohne Solidaritätsfonds) wurde obligatorisch ein privater Zusatzvertrag abgeschlossen. Dieser deckt die Schäden unter der Schadensschwelle, also jene von 10 bis 30 Prozent ab.
Das Versicherungsmodell B+M 70 (für Obst und Weintrauben) unterscheidet sich vom Modell B+M 80 nur darin, dass es keinen Solidaritätsfonds beinhaltet. Das hat zwei Folgen: Erstens fällt die Prämie etwas geringer aus, weil nichts in den Solidaritätsfonds eingezahlt wird. Zweitens entfällt im Schadensfall die Vergütung aus dem Solidaritätsfonds.

4500 ha gegen Frost versichert
Mit der Versicherungsform MULTI wurden rund 4500 ha mit einem Wert von 140 Millionen Euro zusätzlich gegen Frostschäden versichert. Einige Mitglieder haben auch die Möglichkeit wahrgenommen, die Hagelnetzstrukturen (195 ha) und die darunter befindliche Ernte (1400 ha) zu versichern.
Auch Gemüse, Beerenobst, Steinobst aller Art, Rebschulen u. a. wurden unter Versicherungsschutz gestellt. Im Allgemeinen kann man sagen, dass immer mehr Landwirte ihre Erzeugnisse gegen ungünstige Witterungseinflüsse versichern. Auch die Verordnung der EU, die im Schadensfalle keine öffentlichen Beihilfen für versicherbare Produkte erlaubt, trägt dazu bei, dass immer mehr landwirtschaftliche Produkte versichert werden (siehe Tabelle unten).

Schadensvergütung 2014
Nach den verheerenden Hagelschäden des Jahres 2013 und den großen Frostschäden des Jahres 2012 hat der Hagel in diesem Jahr keine nennenswerten Schäden an den Obst- und Weinkulturen Südtirols verursacht – mit Ausnahme des starken Hagelschlags vom 23. Juni im Gebiet Gargazon–Tisens und einiger geringerer Schäden in den Gemeinden Tramin, Terlan und im mittleren Vinschgau.
Trotz alledem werden insgesamt 20 Millionen Euro an Schadensvergütungen an die Mitglieder ausbezahlt. Der Großteil davon – 18 Millionen Euro  – entfällt auf die Gesellschaften. Zwei Millionen Euro dagegen werden vom eigenen Solidaritätsfonds vergütet.

Versicherte Menge – Vergleich 2013 - 2014 (in Euro)

Produkt

2013

2014

Abweichung

Diff. in %

Äpfel

7.150.000

7.450.000

300.000

4%

Weintrauben

360.000

368.000

8.000

2%

Aprikosen

2.800

3.400

600

18%

Kirschen

2.600

3.000

400

13%

Erdbeeren

4.300

2.100

-2.200

-105%

Pflaumen, Johannisbeeren, Spargel, Salat u.ä

8.500

9.100

600

7%

Insgesamt

7.528.200

7.835.600

307.400

4%

Versichertes Kapital – Vergleich 2013 - 2014 (in Euro)

Produkt

2013

2014

Abweichung

Diff. %

Äpfel

345.000.000

374.000.000

29.000.000

8%

Aprikosen

630.000

800.000

170.000

21%

Kirschen

1.110.000

1.300.000

190.000

15%

Erdbeeren

1.410.000

600.000

-810.000

-135%

Pflaumen, Johannisbeeren, Spargel, Salat u.ä

540.000

600.000

60.000

10%

Weintrauben

73.400.000

74.700.000

1.300.000

2%

Zwischensumme

422.090.000

452.000.000

29.910.000

7%

Gewächshäuser, Tunnel und Hagelnetze

36.800.000

39.000.000

2.200.000

6%

Insgesamt

458.890.000

491.000.000

32.110.000

7%