Südtiroler Landwirt, Politik | 22.10.2014

Über Umwege zur Bannzone

Das nächste Kapitel zur Bannzone rund um die Glurnser Stadtmauern ist geschrieben: Die Landesregierung hat einen 100 Meter breiten Streifen rund um die Stadtmauern unter indirekten Denkmalschutz gestellt. von Bernhard Christanell

Im Umkreis von 100 Metern zu den Stadtmauern von Glurns sind Hagelnetze und Betonsäulen jetzt tabu.

Im Umkreis von 100 Metern zu den Stadtmauern von Glurns sind Hagelnetze und Betonsäulen jetzt tabu.

Bereits im vergangenen Frühjahr war die von der Glurnser Stadtverwaltung gewünschte Bannzone in den Schlagzeilen. Damals wollten die Stadtväter über eine Änderung am Landschaftsplan verbieten, dass im Umkreis von 100 Metern der Stadtmauern landwirtschaftliche Hilfsbauten – also etwa Betonsäulen, Foliendächer oder Hagelnetze – errichtet werden können. Die Landesregierung hatte diese Änderung abgelehnt – mit der Begründung, dass der Landschaftsplan dafür nicht das richtige In-strument sei. Nachdem die Stadtgemeinde Glurns ihre Stadtmauer schützen möchte, solle sie prüfen, ob dies über den Denkmalschutz möglich sei. Auch der „Südtiroler Landwirt“ hat darüber ausführlich berichtet (siehe hier).

Keine Entschädigung vorgesehen
Die Stadtverwaltung ist diesem Rat der Landesregierung gefolgt – und sie war damit offensichtlich erfolgreich. Am 14. Oktober beschloss die Landesregierung nämlich die „Neue indirekte Denkmalschutzbindung in der Gemeinde Glurns für alle Grund- und Bauparzellen im Umkreis von 100 Metern von der Stadtmauer“ und damit auch die Errichtung einer Bannzone. In dieser Bannzone sei die Errichtung von Foliendächern, Hagelnetzen und Betonsäulen verboten, laut den Bestimmungen im Kodex der Kultur- und Landschaftsgüter sei auch weder eine Entschädigung noch ein Grundstückstausch vorgesehen. Mit dieser Bannzone sollen nicht nur die historischen Stadtmauern als solche erhalten werden, sondern auch ihr Erscheinungsbild, die Ansicht und das Wirkungsfeld der Befestigungsanlage gewahrt bleiben. Landeshauptmann Arno Kompatscher bezeichnete die jetzt gefundene Lösung als „guten Ausgleich der Interessen“ und bescheinigte ihr gar „Modellcharakter“. Schließlich habe es im Vorfeld Gespräche mit allen Beteiligten gegeben.

Gegenvorschläge nicht angehört
Der Südtiroler Bauernbund ist mit diesem Beschluss alles andere als glücklich, Direktor Siegfried Rinner widerspricht dem Landeshauptmann in mehreren Punkten: „Die Grundeigentümer haben viele Briefe geschrieben und Gegenvorschläge vorgebracht, mit denen man ebenso ans Ziel gelangt wäre. Sie wurden nicht beantwortet. Eine für Ende Juli vereinbarte Aussprache mit Landesrat Florian Mussner wurde ohne Begründung abgesagt.“ Zudem haben zwölf direkt betroffene Grundeigentümer Rekurs gegen den Vorschlag der indirekten Unterschutzstellung der stellvertretenden Direktorin der Abteilung Denkmalpflege eingereicht. „Dieser Rekurs wurde keiner Antwort gewürdigt und im Regierungsbeschluss nicht einmal erwähnt. Wir können also mit Fug und Recht behaupten, dass es keine Gesprächsbereitschaft gab“, unterstreicht Rinner.
Aus Sicht des Bauernbundes hat es außerdem keine ausreichende Güterabwägung gegeben. „Ausdrücklich für diese Anliegen ist der Artikel 68 im Raumordnungsgesetz vorgesehen. Dieser wurde und wird außer Acht gelassen. Es ist aber genau dieser Artikel, der die Güterabwägung garantieren soll“, erinnert Rinner.
Schließlich hofft der Bauernbund-Direktor nicht, dass dieser Beschluss – wie von Landeshauptmann Kompatscher verkündet – Modellcharakter hat. „Es gibt sehr viele denkmalgeschützte Objekte in Südtirol – und es würde sicherlich zu großen Widerständen kommen, sollten andere Gemeinden diesem Beispiel folgen“, betont Rinner.