Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 09.10.2014

Über 2400 Paar helfende Hände

Die Solidarität mit den Bergbauern scheint keine Grenzen zu kennen. 2014 ist es dem Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) gelungen, die Zahl der Helfer weiter zu steigern. Aber auch immer mehr bäuerliche Familien brauchen Hilfe, hieß es bei der Erntedankfeier in Sarnthein.

Auf knapp 340 Südtiroler Bergbauernhöfen schwingen freiwillige Helfer alljährlich ihre Rechen und helfen bei der Heuernte.

Auf knapp 340 Südtiroler Bergbauernhöfen schwingen freiwillige Helfer alljährlich ihre Rechen und helfen bei der Heuernte.

Sie helfen auf den Wiesen und Feldern, im Stall oder auch im Haushalt: Auf vielen extremen Bergbauernhöfen sind die freiwilligen Helfer, die der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze im Südtiroler Bauernbund vermittelt, nicht mehr wegzudenken. Obmann Georg Mayr warf bei der diesjährigen Erntedankfeier des Vereins einen Blick zurück: „Es ist eine der Aufgaben des Bauernbundes, den Bauern im Allgemeinen und im Besonderen den Bergbauern in Grenzlagen zu helfen. Auch wenn die Bauern anfangs skeptisch waren, so hat sich die Hilfe mittlerweile durchgesetzt und ist für alle Beteiligten ein großer Erfolg!“

Viele Helfer aus Deutschland
Heuer waren so viele Freiwillige wie noch nie auf einem Bergbauernhof im Einsatz. „Über 2400 Helfer haben sich heuer gemeldet und haben Bergbauernfamilien nur gegen Kost und Logis unter die Arme gegriffen“, freute sich Monika Thaler, Koordinatorin des Vereins, bei der Vorstellung der Zahlen und wies auf ein besonders erfreuliches Detail hin: „32 Prozent der Helfer sind unter 34 Jahre alt.“ Der überwiegende Teil der Helfer sei zwischen 35 und 64 Jahren alt und komme vorwiegend aus Deutschland. „Etwa jeder siebte Freiwillige kommt aus Südtirol selbst – in erster Linie aus Bozen, dem Eisack- und dem Pustertal“, berichtete Thaler. Dazu gebe es vereinzelt Helfer aus Finnland, Polen oder Spanien. Keine mengenmäßigen Unterschiede gebe es zwischen Männern und Frauen als freiwillige Helfer: Diese halten sich in etwa die Waage.

Einige kommen Jahr für Jahr
Seit nunmehr 15 Jahren kommt Fritz Schaider aus Bayern zu freiwilligen Arbeitseinsätzen nach Südtirol. Alljährlich hilft er einer Bäuerin aus dem Raintal für mindestens drei Wochen bei der Heuernte. Er wollte schon einmal einen anderen Bergbauernhof kennen lernen und auch woanders helfen, aber „seine“ Bauernfamilie sei so herzlich und freundlich – und so könne er einfach nicht anders, als alle Jahre doch wieder dort zu helfen.
Ebenso beachtliche Unterstützung lässt Gisela Keller dem Verein und den Bergbauern in Südtirol zuteil werden. Sie fährt nun schon seit dem Jahr 2002 zu freiwilligen Arbeitseinsätzen aus Hessen nach Südtirol und unterstützt hier zwei Bergbauernfamilien – und das jährlich an insgesamt 41 Tagen!
Darüber hinaus unterstützt sie den Verein zusätzlich, indem sie jedes Jahr mit einer Reisegruppe nach Südtirol kommt und dabei den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze  und seine Arbeit vorstellt. So manch einer aus der Reisegruppe hat sich daraufhin auch für einen freiwilligen Arbeitseinsatz begeistern lassen und angemeldet.

Mehr als 21.000 Einsatztage
War im Vorjahr die Schallmauer von 20.000 Einsatztagen durchbrochen worden, zählt der Verein heuer sogar mehr als 21.000 Tage, was einem wirtschaftlichen Gegenwert von über 1,65 Millionen Euro entspricht.
Immer mehr werden aber nicht nur die Freiwilligen, sondern auch die hilfesuchenden Bauern. „Die Freiwilligen waren auf knapp 340 Höfen im Einsatz, ein knappes Dutzend mehr als im Vorjahr“, berichtet Thaler. Viele Anträge kommen immer aus dem Vinschgau, aber auch aus dem Passeier- und Ultental.

Lob von Trägerorganisationen
Erfreut über die Bilanz des Jahres 2014 zeigten sich auf der Erntedankfeier auch die weiteren Träger des Vereins, nämlich Lebenshilfe, Caritas und Jugendring. „Einen besonderen Dank wollen wir der Jugend aussprechen, die damit zeigt, dass Sie Verantwortung übernimmt für die Zukunft und das Gemeinwohl“, unterstrich Michi Peer vom Südtiroler Jugendring und ermutigte die Jugendlichen zum Weitermachen. Claudia Tscholl von der Lebenshilfe betonte: „Die Lebenshilfe setzt sich für Menschen ein, die aufgrund einer Beeinträchtigung zeitweise oder dauerhaft auf Unterstützung angewiesen sind. Auf vielen Südtiroler Bauernhöfen leben ältere oder behinderte Menschen. Auch ihnen kommt der wertvolle Einsatz der vielen Helferinnen und Helfer direkt oder indirekt zugute.“ Matthias Spögler von der Caritas bedankte sich mit seinen Worten: „Wo immer sich Menschen für andere, für Schwächere einsetzen, ist Caritas. Mit eurem konkreten und tatkräftigen Einsatz unterstützt ihr die Bergbauern in Südtirol.“


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Sponsoren gesucht - Finanzielle Unterstützung

Die Vermittlung von immer mehr Freiwilligen erfordert auch einen immer größeren Aufwand im Büro und damit höhere Kosten. Daher ist der Verein auf der Suche nach Sponsoren, um die Tätigkeit so wie bisher weiterführen zu können. Zu 45 Prozent finanzieren die Trägerorganisationen – Südtiroler Bauernbund, Caritas, Lebenshilfe und Jugendring – derzeit den Verein. Die öffentliche Hand unterstützt den Verein mit knapp 30 Prozent. Den Rest steuern Firmen und private Spender bei. Eine besondere Zusammenarbeit gibt es seit Herbst 2013 mit der Despar-Gruppe (ASPIAG). Das Unternehmen hat Tragetaschen mit dem Logo des Vereins drucken lassen. „Zwei Cent für jede biologisch abbaubare Tragetasche, die in den Geschäften verkauft wird, gehen an den Verein“, freut sich Monika Thaler. Zudem sorge die Aktion dafür, dass der Verein im eigenen Land noch bekannter wird und damit auch mehr Helfer aus Südtirol zum Mithelfen animiert werden. „Wir helfen, damit der VFA leichter helfen kann“, erklärt Despar-Direktor Robert Hillebrand bei der Erntedankfeier im Sarner Bürgerhaus. „Despar unterstützt ganz gezielt dieses Projekt, weil so die Hilfe multipliziert wird.“ Das Lebensmittel-Unternehmen ist der Südtiroler Berglandwirtschaft seit jeher verbunden, und er ist auch einer der größten Abnehmer landwirtschaftlicher Produkte aus der Region. „In unserem Sortiment befindet sich eine Vielzahl von Produkten heimischer Höfe; so schaffen wir die wirtschaftliche Basis für die Südtiroler Landwirtschaft“, erläutert Hillebrand. Ziel der Despar-Aktion ist es, dem VFA bis Juni 2015 insgesamt 100.000 Euro (fünf Millionen Taschen) zu übergeben. Hillebrand ist zuversichtlich: „Wir sind auf einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen.“


www.bergbauernhilfe.it