Südtiroler Landwirt, Politik, Bauernbund | 09.10.2014

„Plattform Land“ vereint Kräfte

Abwanderung zu verhindern und eine intelligente Flächennutzung zu forcieren, sind die Ziele der „Plattform Land“, die kürzlich aus der Taufe gehoben wurde (siehe eigenen Bericht "Bauernbund schafft den Schulterschluss"). Südtiroler Bauernbund und Gemeindenverband knüpfen dafür ein starkes Netzwerk. von Michael Deltedesco (Interview)

Die „Plattform Land“ will den ländlichen Raum in Südtirol gezielt stärken. (Foto: Andreas Reiterer)

Die „Plattform Land“ will den ländlichen Raum in Südtirol gezielt stärken. (Foto: Andreas Reiterer)

Gemeinsam mit Partnern wollen Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Gemeindenverband-Präsident Andreas Schatzer mit der „Plattform Land“ gezielte Maßnahmen für den ländlichen Raum voranbringen. Im Interview erklären die beiden, was die Ziele dieses Netzwerkes sind und wie sie sich die Umsetzung dieser Ziele konkret vorstellen.

Südtiroler Landwirt: Die „Plattform Land“ will sich für die Anliegen des ländlichen Raumes einsetzen. Was sind die konkreten Ziele?
Leo Tiefenthaler: Wir haben zusammen mit dem Gemeindenverband Südtirol die „Plattform Land“ gegründet, der mittlerweile eine Reihe weiterer Partner angehören. Das Ziel dieser Plattform ist es, Abwanderung zu verhindern und eine intelligente Flächennutzung zu forcieren.
Der ländliche Raum war schon bisher ein großes Anliegen der politisch Verantwortlichen auf Landes-, Bezirks- und Gemeindeebene. Wir wollen mit der „Plattform Land“ Initiativen, die die Lebensqualität am Land erhalten bzw. verbessern, bündeln und unterstützen, gleichzeitig aber auch neue Maßnahmen
voranbringen.

Der Gemeindenverband Südtirol ist einer von zwei sogenannten Leadpartnern, also Hauptakteuren. Wieso dieses Engagement in der „Plattform Land“?
Andreas Schatzer: Wir sind froh, dass der Südtiroler Bauernbund diese Initiative gestartet hat. Für uns sind die Themen und Ziele der Plattform hochaktuell. Die Abwanderung ist ja auch für die betroffenen Gemeindeverwaltungen ein großes Problem. Etwas mehr als ein Dutzend Gemeinden sind von Abwanderungstendenzen betroffen, in gar einigen Gemeinden betrifft die Abwanderung hingegen einzelne Fraktionen. Die Gemeinde muss alles versuchen, um die Bevölkerung möglichst in der eigenen Gemeinde zu halten.
Die intelligente Flächennutzung ist ebenso ein klassisches Thema der Gemeinden. Wir sind froh, wenn wir gemeinsam mit Partnern eine noch intelligentere Flächennutzung anstreben können.

Abwanderung verhindert man unter anderem, indem Arbeitsplätze, Infrastrukturen, soziale Dienste usw. in der Peripherie erhalten bleiben. Aktuell sorgt die geplante Schließung der Geburtenabteilungen in einigen Krankenhäusern der Peripherie für Schlagzeilen. Gehen diese geplanten Maßnahmen nicht in die falsche Richtung?
Andreas Schatzer: Es ist schwierig, einerseits zu sparen, weil die öffentlichen Gelder knapper werden, und andererseits sämtliche Strukturen und Dienste weiter anzubieten. Für die Bevölkerung, aber auch für die Gemeinde selbst ist es natürlich immer schlecht, wenn funktionierende Strukturen wegfallen, weil sie auch Arbeitgeber sind und das Leben in der Gemeinde in der Umgebung aufwerten. Im konkreten Fall wird man einen Kompromiss finden müssen.

Herr Tiefenthaler, ein Ziel der „Plattform Land“ ist die intelligente Flächennutzung. Wie schwierig ist es, eine notwendige Entwicklung zuzulassen und gleichzeitig wertvollen Kulturgrund zu sparen?
Leo Tiefenthaler: In den letzten Jahren wurde relativ viel Fläche verbaut – etwa die Fläche eines Fußballfeldes täglich. Nun müssen wir in erster Linie versuchen, die leer stehenden Gebäude besser zu nutzen. Davon haben wir eine ganze Menge. Das kann gelingen, wenn z. B. die Sanierung besser gefördert wird. Hier sind alle – Politik, Verwaltung und Private – gemeinsam gefordert.

Herr Schatzer, welchen Beitrag können die Gemeinden für eine intelligente Flächennutzung leisten?
Andreas Schatzer: Dank der öffentlichen Mittel konnten in den letzten Jahren sehr viele Infrastrukturen errichtet werden. Wir haben Kindergärten, Schulen, Vereinshäuser, Sportplätze usw. gebaut. Auch in Zukunft wird es Flächen brauchen, die verbaut werden. Aber sicherlich nicht mehr so viele wie in den letzten Jahren und Jahrzehnten.
Ich stimme mit Obmann Tiefenthaler überein, dass es künftig vor allem darum gehen muss, bestehendes Bauvolumen besser zu nutzen. Auch sollten wir uns Gedanken machen, mehr in die Höhe zu bauen, als in die Breite wie bisher. Das würde ebenfalls helfen, Kulturgrund zu sparen. Gemeinsam, da bin ich mir sicher, werden wir dieses Ziel erreichen.


Lesen Sie dazu auch "Bauernbund schafft den Schulterschluss"