Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 09.10.2014

Nachhaltige Holznutzung stärken

Die EU-Gremien arbeiten rund drei Jahre an einer neuen Strategie für die Wälder und den forstbasierten Sektor. Im kommenden Frühjahr soll das EU-Parlament darüber entscheiden – der folgende Beitrag bietet einen Überblick zum aktuellen Stand der Diskussion. von Herbert Dorfmann, EU-Parlamentarier

Wohin der Weg der Forstwirtschaft in der Europäischen Union führt, soll die neue EU-Forststrategie festlegen. Bis zum kommenden Frühjahr soll diese unter Dach und Fach sein. (Foto: www.agrarfoto.at)

Wohin der Weg der Forstwirtschaft in der Europäischen Union führt, soll die neue EU-Forststrategie festlegen. Bis zum kommenden Frühjahr soll diese unter Dach und Fach sein. (Foto: www.agrarfoto.at)

Im September 2013 hat die EU-Kommission eine neue Forststrategie veröffentlicht und dem EU-Parlament sowie dem Rat unterbreitet. Der neuen Strategie ist eine zweijährige Konsultation und Zusammenarbeit zwischen der EU-Kommission, den EU-Ländern und Interessenträgern vorausgegangen. Die letzte EU-Forststrategie stammt aus dem Jahr 1998 und war angesichts der zunehmenden Beanspruchung der Wälder durch Wirtschaft und Freizeitindustrie sowie der politischen, ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 15 Jahre nicht mehr aktuell. Das Europäische Parlament wird den Vorschlag in den nächsten Monaten diskutieren und eine Stellungnahme dazu ausarbeiten. Mitte Februar 2015 wird im Landwirtschaftsausschuss des Parlaments über den Berichtsentwurf abgestimmt werden, im März 2015 im Plenum des EU-Parlamentes.

40 Prozent der EU ist Wald
Mehr als 40 Prozent der Landfläche der EU sind mit Wäldern bedeckt. Die herausragende Bedeutung des Waldes für Europa ist daher unumstritten. Durch Aufforstung und die natürliche Vegetationsfolge haben sich die Waldflächen der EU in den letzten Jahrzehnten um rund 0,4 Prozent ausgedehnt. Im Unterschied zur Agrarpolitik ist die Forstpolitik weitgehend Angelegenheit der Staaten. Es gibt also keine wirkliche gemeinsame europäische Forstpolitik, sondern nur gemeinsame Strategien, die dann in den einzelnen Mitgliedstaaten umgesetzt werden.
Wälder sind multifunktional – sie dienen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Zwecken. Sie bieten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum und spielen eine große Rolle bei der Reduzierung der Auswirkungen des Klimawandels und anderen Umweltgefahren. Knapp ein Viertel der Waldfläche der EU steht im Rahmen von Natura 2000 unter Schutz.

Bedeutung häufig unterschätzt
Die wirtschaftliche Bedeutung der Wälder ist hoch, wird jedoch häufig unterschätzt. Wälder tragen zur ländlichen Entwicklung bei und bieten EU-weit rund drei Millionen Arbeitsplätze. Die meisten Einnahmen aus Wäldern werden immer noch mit Holz getätigt. Deshalb ist die Holzwirtschaft auch ein Schwerpunktthema der Strategie. Holz als erneuerbarer, klima- und umweltfreundlicher Rohstoff ist gefragter denn je, sei es für die Möbelindustrie, als Material für die innovative Holzbautechnik oder als fossiler Brennstoff, der andere treibhausgasintensive Stoffe ersetzen kann.
Die Forschung und Förderung der nachhaltigen Nutzung von Holz soll intensiviert werden. Fünf Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der EU stammen bereits aus Holz-Biomasse. Schätzungen zufolge wird Biomasse aus Holz auch im Jahr 2020 noch die wichtigste Quelle erneuerbarer Energie sein. Durch die gestiegene Nachfrage besteht sicherlich ein verbessertes Beschäftigungspotenzial im Forstsektor.
So vielfältig die Funktion des Waldes ist, so vielfältig sind auch die Politikbereiche, die auf den Forstsektor einwirken und sich oft überschneiden – z.B. Klima-, Umwelt-, Energie-, Industrie- und Landwirtschaftspolitik. Mit der neuen EU-Forststrategie will man den Sektor klar eingrenzen und die relevanten Bestimmungen überschaubar halten.
In der neuen Forststrategie sind Forstbewirtschaftungspläne für Waldbesitzer vorgesehen, die Behörden müssen diese überprüfen. Dies wird im Parlament sehr kritisch gesehen, da ein Ansteigen der Bürokratie und somit der Kosten für Waldbesitzer befürchtet wird.
In Südtirol würde sich durch diese obligatorischen Forstbewirtschaftungspläne nicht allzu viel ändern, da Wälder mit einer Größe von mehr als hundert Hektar bereits mittels Waldbehandlungsplan bewirtschaftet werden. Für Wälder mit einer Fläche von unter hundert Hektar sieht das Landesforstgesetz Waldkarteien vor, die ihre Bewirtschaftung und Nutzung regeln. Waldkarteien und Waldbehandlungspläne ergeben zusammen aussagekräftige Grundlagen für eine nachhaltige Behandlung unserer Wälder. Sie dienen auch als Instrumente zur Kontrolle der Einhaltung von Nachhaltigkeitsforderungen im Sinne der Waldzertifizierung.
Die Ziele und Grundsätze, welche in der neuen EU-Forststrategie festgeschrieben sind, können als durchaus kohärent mit den forstpolitischen Zielen Südtirols bewertet werden und die meisten der darin festgeschriebenen Ziele erfüllt Südtirol in der Waldbewirtschaftung schon seit langer Zeit.