Südtiroler Landwirt, Produktion | 09.10.2014

Das Kreuz mit dem Kraut

In Europa sind ungefähr 30 verschiedene Kreuzkrautarten bekannt. Sie alle weisen einen mehr oder weniger hohen Gehalt an Giftstoffen auf, welche die Leber von Nutztieren dauerhaft schädigen. Letzthin wurden in Südtirol drei Arten beobachtet. von Thomas Prünster, BRING

Das schmalblättrige Greiskraut blüht von Juni bis Wintereinbruch.

Das schmalblättrige Greiskraut blüht von Juni bis Wintereinbruch.

Alle Kreuzkrautarten, auch Greiskraut genannt, enthalten Giftstoffe (Pyrrolizidinalkaloide) die hepatotoxisch sind, also die Leber schädigen. Diese Lebertoxine reichern sich in der Leber zwar nicht an, aber Leberzellen werden irreversibel geschädigt und sind nicht mehr zu behandeln.
Das bewirkt, dass auch durch eine geringe Aufnahme über einen längeren Zeitraum hinweg die Leber dermaßen geschädigt wird, dass das Tier schlussendlich verendet. Bei Rindern ist bei einem Anteil von einem Prozent im Heu in drei Monaten die letale Dosis erreicht, bei einem Anteil von zehn Prozent in 20 Tagen. Zudem sind diese Giftstoffe krebserregend. Am empfindlichsten reagieren Pferde, gefolgt von Rindern (siehe Tabelle).

Alle Pflanzenteile sind giftig
Alle Pflanzenteile des Kreuzkrautes sind giftig, wobei die Blüte die höchste Konzentration aufweist. Frischpflanzen enthalten zudem Bitterstoffe, sodass es von erfahrenen Weidetieren, sofern ausreichend Futtermenge vorhanden ist, nicht gefressen wird. In Heu oder in der Silage gehen diese Bitterstoffe im Gegensatz zu den Giftstoffen allerdings verloren, sodass die Pflanzenteile von den Tieren unbemerkt aufgenommen werden. Daher kann es besonders in der Winterfütterung zu schleichenden Vergiftungen führen. Die Symptome einer Vergiftung sind Appetitlosigkeit, Durchfall, Mattheit und herabgesetzte Reflexe, Gehstörungen, Speichelfluss, Krämpfe, Haarausfall, Rückgang der Milchleistung, Verwerfen, Leberschädigung und Tod.
Die Gattung Kreuzkraut (Senecio) vermehrt sich vorwiegend über die Samen. Ähnlich wie der Löwenzahn besitzen die Samen der Kreuzkrautarten Schirmchen, wodurch sie mit dem Wind über weite Strecken getragen werden können. Allerdings gibt es neben den einjährigen Arten, welche im intensiven Dauergrünland selten vorzufinden sind, auch mehrjährige Arten mit Speicherwurzeln. Zu Letzteren zählen unter anderem das Jakobs-Kreuzkraut, Alpen-Kreuzkraut und das Schmalblättrige Kreuzkraut, welche auch des Öfteren in Südtirol vorgefunden wurden. Diese können somit auch als Pflanze überwintern.
Grundsätzlich kann das Kreuzkraut anhand seiner gelben Blüte, welche die Form einer Margerite besitzt, erkannt werden. Zudem sind mehrere Blütenköpfe pro Pflanze vorhanden.

Jakobs-Kreuzkraut
Das Jakobs-Kreuzkraut ist auch unter dem Namen Jakobs-Greiskraut bekannt. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Rosette mit tief geschlitzten Blättern. In der Regel blüht es erst im zweiten Jahr, nachdem sich der aufrechte Stängel entwickelt und verzweigt hat. Erste blühende Pflanzen findet man ab Mitte Juni, die Hauptblütezeit ist Juli bis August. Ausgewachsene Pflanzen werden bis zu einem Meter hoch. Die kräftigen Stängel sind meist rot gefärbt.
Die Verbreitung der Pflanze erfolgt über unzählige Samen. Lässt man die Pflanze ungestört wachsen und aussamen, ist sie am Vegetationsende soweit geschwächt, dass sie im Folgejahr meistens nicht mehr austreibt. Allerdings keimen im Folgejahr tausende neuer Pflanzen. Wird durch einen ständigen Schnitt die Pflanze kurz gehalten, so bleibt sie über Jahre bestehen. Allerdings wird so die weitere Vermehrung unterbunden.

Alpen-Kreuzkraut
Das Alpen-Kreuzkraut kommt in Höhen zwischen 400 und 2100 Meter vor und bevorzugt frische, kalkhaltige und nährstoffreiche Böden. Es wird 30 bis 120 Zentimeter hoch und ist speziell in überdüngten Flächen, Viehlagerstätten und in der Nähe von Almen oder Lagerstätten von Wirtschaftsdüngern zu finden. Das Alpen-Kreuzkraut bildet einen dichten Bestand und verdrängt andere Pflanzenarten. Somit kann sie sich ungestört ausbreiten. Die Ausbreitung erfolgt, wie bei den meisten Kreuzkrautarten, über die Samen. Ein Wurzelstock kann um die 8000 keimfähige Samen pro Jahr bilden. Bei fehlender Bekämpfung verdoppelte sich in einem Feldversuch die Dichte der Triebe des Alpenkreuzkrautes innerhalb eines Jahres (Peratoner et al., unver. Ergebnisse).

Schmalblättriges Kreuzkraut
Diese Kreuzkrautart – mit dem lateinischen Namen Senecio inaequidens – wird bis zu
60 Zentimeter hoch und stammt ursprünglich aus Südafrika. Ein besonderes Unterscheidungsmerkmal sind die linealisch bis schmal lanzettlich, nur ein bis fünf Millimeter breiten und um die sechs Zentimeter langen Blätter.
Das Schmalblättrige Kreuzkraut bevorzugt warme und trockene Standorte mit sandigen Böden. Es ist vor allem auf extensiven Standorten und Weideflächen vorzufinden. Die Blütezeit beginnt im Juni und endet erst bei Wintereinbruch. Die Ausbreitung erfolgt vor allem entlang von Straßen, Autobahnen und Eisenbahnlinien, wo die Samen durch Luftverwirbelungen und in Reifenprofilen transportiert werden. Sie produziert sehr große Samenmengen, die vom Wind verbreitet werden. Zudem bildet das Schmalblättrige Kreuzkraut einen dichten Bestand, wodurch konkurrenzschwache Arten zurückgedrängt werden.

Maßnahmen zur Vorbeugung
Grundsätzlich verhindert eine geschlossene Grasnarbe die Keimung der Samen des Kreuzkrautes. Ab zwei Schnitten wird das Aussamen verhindert und eine Weitervermehrung eingedämmt. Die Schnitte sollten in einem Abstand von maximal sechs bis acht Wochen erfolgen. Dadurch werden die Kreuzkrautarten zwar nicht direkt bekämpft, aber eine Vermehrung wird unterbunden. Einzelne Pflanzen sollten deshalb ausgehackt und von der Fläche entfernt werden. Bei der mechanischen Bekämpfung von Giftpflanzen sollten aber immer Handschuhe getragen werden. Bei einer höheren Besatzdichte kann die Bestandeslenkung auch chemisch erfolgen. Diese sollte im Frühjahr im Rosettenstadium erfolgen und muss eventuell nach einiger Zeit wiederholt werden, um auch die Nachtriebe zu entfernen. Allerdings sollte die genaue Vorgangsweise vorher mit einem Fachberater abgesprochen werden. Umbau und Fräsen brachten langfristig nur geringe Erfolge.

Grünlandflächen regelmäßig begutachten
Das Kreuzkraut ist eine nicht zu unterschätzende Giftpflanze, da sie sowohl für den Mensch als auch für das Tier eine hohe Toxizität aufweist. Sie verursacht irreversible Leberschäden, die je nach Aufnahmemenge bis zum Tod führen können.
Da dies erst nach monatelanger Futteraufnahme geschehen kann, sind die Ursachen oft unklar, da man bereits monatelang gefüttert hat. Deshalb sollte jeder Betrieb seine Grünlandflächen, verstärkt auch die Weideflächen, auf einen eventuellen Besatz mit Kreuzkraut kontrollieren. Sollten einzelne Pflanzen vorhanden sein, sind diese sofort zu entfernen. Bei einem vermehrten Auftreten sollte man aber einen Fachberater zur Bestandeslenkung kontaktieren.


Letale Dosis von Jakobs-Kreuzkraut

Tierart

Frischmasse / kg Körpergewicht

Pferd

40 bis 80 g

Rind

140 g

Ziege

1,3 bis 4,0 kg

Schaf

Über 2 kg