Südtiroler Landwirt, Marketing | 09.10.2014

„Bring dein Herz zum Singen“

Er ist einer der renommiertesten Referenten im deutschen Sprachraum und Bestsellerautor. Am 21. Oktober gibt Robert Betz auf der „14. Fachtagung Urlaub auf dem Bauernhof“ Tipps für das Glücklichsein. Den Lesern des „Südtiroler Landwirt“ gibt er schon vorab einen Einblick in seine Ideenwelt. von Michael Deltedesco (Interview)

Auch für bäuerliche Familien gilt: Um glücklich zu werden, gilt es vor allem sich aktiv für das zu entscheiden, was man wirklich tun will.

Auch für bäuerliche Familien gilt: Um glücklich zu werden, gilt es vor allem sich aktiv für das zu entscheiden, was man wirklich tun will.

Südtiroler Landwirt: Die Bäuerinnen und Bauern sind jahrein, jahraus gleich mehrfach gefordert: Bauernhof, Familie und Gästebetreuung. Wie wichtig ist es da, nicht sich selbst zu vergessen, mal eine Auszeit zu nehmen, sich etwas Gutes zu tun?
Robert Betz: Ja, bei dieser Dreifachbelastung entsteht mit der Zeit oft eine Überlastung und Überforderung, die mit Erschöpfung und anderen körperlichen Symptomen einhergeht.
In meinem Vortrag geht es genau darum, wie wir bei so vielen Aufgaben gesund und glücklich bleiben – oder wie wir es wieder werden.
Eine Auszeit, zu der in den Hauptsaisonzeiten oft kaum Raum zur Verfügung stehen, ist nur ein Faktor und nicht der wichtigste. Denn viele denken: Solange ich mir keinen Tag frei nehmen kann, muss ich durchhalten, bis ich irgendwann meine Batterien wieder auftanken kann. Noch wichtiger ist, mit welcher geistigen Einstellung – also mit welchen Gedanken und Überzeugungen über das Leben, die Arbeit, mich selbst und meine Mitmenschen – wir durch unsere Tage gehen und wie wir täglich mit uns und besonders unseren Gefühlen umgehen. Denn Stress, Druck und Überforderung entstehen in erster Linie in uns, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wenn die Freude und Leichtigkeit bei der Arbeit verloren gehen, dann haben wir das unbewusst selbst erschaffen, ohne dass wir das natürlich bewusst wollten.

Sie sagen: Glücklich ist nicht der, der „normal“, angepasst ist, sondern der, der seinen eigenen Weg findet und ihn geht. Wie finde ich aber den eigenen, „richtigen“ Weg.
Der „normale“ Mensch ist für mich derjenige, der sein Leben nach den Erwartungen, Wünschen und Forderungen der anderen ausrichtet, so wie die meisten von uns es als Kind gelernt haben. Die Grundfrage darf sich jeder stellen: „Was sagt mir mein Inneres, mein Herz, zu dem, was ich tue und wie ich es tue?“
In Bauernfamilien zum Beispiel, in denen Sohn oder Tochter den Hof einmal weiterführen soll, sollten sich diese fragen: „Passt das wirklich zu mir? Will ich das wirklich?“ Wenn diese Entscheidung mit dem Gefühl der Unfreiheit, der Verpflichtung getroffen wird, weil die Eltern das selbstverständlich voraussetzen, führt das über kurz oder lang zu einem nicht glücklichen Leben.
Was der jeweils „richtige“ Weg eines Menschen ist, spürt derjenige, der sich von seinem Inneren, seiner Intuition, seinem Bauchgefühl bzw. seinem Herzen führen lässt. Dies bedarf aber der bewussten Entscheidung: „Will ich ein glückliches Leben führen voller Freude und Leichtigkeit und dabei mein Herz zum Singen bringen oder will ich es anderen recht machen und vor allem für andere da sein und mich aufopfern? Diese Frage haben sich bis heute die meisten Menschen nicht bewusst beantwortet.

Das Herz ist klüger als der Verstand, ist eine Ihrer Thesen. Wieso das?
Unser Verstand ist voller oft verurteilender Gedanken, die nicht der Wahrheit entsprechen. Ein Beispiel: Das Leben ist ein Kampf, harte Arbeit oder ungerecht. Oder: Ich bin nicht gut genug usw.
Wir Menschen haben solche Gedanken seit Jahrhunderten übernommen und von Generation zu Generation weitergegeben. Richten wir unser Leben weiter nach solchen Gedanken aus, anstatt unsere ganz eigene Wahrheit zu finden, führen sie uns in ein leidvolles, nicht glückliches Leben. Wenn ich meine Zuhörer frage: „Wer von Ihnen hatte eine glückliche Mutter oder einen glücklichen Vater?“, dann zeigt sich, dass das bei weniger als fünf Prozent der Menschen der Fall war oder ist.
Ich sage das nicht als Vorwurf, aber das zeigt doch: Unsere Eltern konnten uns offensichtlich kein Rezept für ein glückliches Leben mit auf den Weg geben, wenn sie selbst nicht glücklich waren. Und des, obwohl alle Eltern das Beste für ihre Kinder wollen und ihr Bestes geben.

Und wenn wir das von den Eltern nicht lernen können, dann lehrt es uns das Herz?
Unser Herz verfügt über großes Wissen und große Weisheit. Es zeigt uns durch Signale, wo unser Weg in ein glückliches und erfolgreiches Leben langgeht.
Das sind Signale wie: „Das hier fühlt sich stimmig und jenes fühlt sich unstimmig an.“ Die einen nennen es „Intuition“, die anderen „Bauchgefühl“. Bei unseren Vorfahren gab es immer welche, die sich auch hieran hielten, das waren in den Augen der anderen weise Männer und Frauen. Gerade im Umgang mit der Natur im Leben des Bauern war dieses innere Wissen oft gefragt. Bei Fragen wie: „Wann bringen wir die Saat aus? Wie wird das Wetter? Wann soll geerntet werden?“
Wenn die Freude und Leichtigkeit im Leben verloren gegangen sind, dann fast immer deshalb, weil der Mensch nicht auf sein Herz, auf seine innere Stimme gehört hat.
In dieser Zeit lernen dies immer mehr Menschen wieder, was deren Mitmenschen zunächst einmal oft irritiert. Aber gerade die jüngere Generation stellt jetzt oft Altes, selten Hinterfragtes, in Frage.
Sie fragt: „Gibt es nicht einen anderen Weg?“ Sie möchte das Leben der Eltern nicht einfach kopieren, wie es viele von uns getan haben.

Und wie sollen die Eltern damit umgehen?
Darüber dürfen sich Eltern freuen, auch wenn ihr Kopf es oft gern anders hätte.  Denn kein Vater oder keine Mutter wünscht sich für die Kinder ein unglückliches Leben.