Wirtschaft | 17.09.2014

Südtirols Obstbau-Familien sind Erfolgsmodell

Der Südtiroler Obstbau ist ein Erfolgsmodell, von dem viele in der Welt lernen können. Dieses äußerst positive Zeugnis stellt die Welternährungsorganisation (FAO) der heimischen Apfelwirtschaft aus.

Apfelkonsortium-Obmann Georg Kössler, FAO-Vertreterin May Hani, Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, Messe-Direktor Reinhold Marsoner.

Apfelkonsortium-Obmann Georg Kössler, FAO-Vertreterin May Hani, Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, Messe-Direktor Reinhold Marsoner.

Wie bäuerliche Familienbetriebe am Markt bestehen und ein sicheres Einkommen erwirtschaften können, beschäftigt Regierungen und Landwirtschaftsorganisationen weltweit. Nahezu 98 Prozent der bäuerlichen Betriebe sind Familienbetriebe, die weltweit über 60 Prozent der Lebensmittel produzieren. Dennoch kämpfen bäuerliche Familienbetriebe vielfach ums Überleben, da ihnen der Zugang zu Wissen, Technologien und Märkten schwerer fällt als Großbetrieben. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (kurz FAO) hat das „Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe“ zum Anlass genommen, um die Apfelproduktion in Südtirol näher zu untersuchen. Denn gerade in Südtirol konnte die Kleinstrukturiertheit in der Landwirtschaft erhalten werden.

Mehr noch: Die kleinen Familienbetriebe haben mit der Apfelproduktion ein Erfolgsmodell entwickelt. Südtirol produziert heute rund 50 Prozent aller in Italien verkauften Äpfel, in Europa liegt der Marktanteil bei über zehn Prozent, weltweit sind es zwei Prozent. „Das ist eine außergewöhnliche Leistung für kleine Betriebe“, betonte May Hani von der FAO. Sie hat die Erfolgsfaktoren der bäuerlichen Apfelproduzenten in Südtirol untersucht. Rund 8000 Kleinbetriebe produzieren heute auf durchschnittlich 2,5 Hektar Anbaufläche Äpfel. Auf Einladung des Südtiroler Apfelkonsortiums wurden die Ergebnisse der Studie vor kurzem im „Haus des Apfels“ in Terlan vorgestellt.

Kooperation, Weiterbildung und Innovation als Erfolgsfaktoren

Der Erfolg der heimischen Apfelproduktion liegt laut der FAO-Vertreterin vor allem darin, dass sich ein richtiges „Lern- und Innovationsnetzwerk“ entwickelt hat. „Produzenten, Genossenschaften und Verbände, Forschungseinrichtungen, Beratungsdienste, öffentliche und private Akteure arbeiten flexibel und professionell zusammen – und das ist nicht einfach“, erklärte May Hani.

Als weiteren Baustein bezeichnete May Hani die Bereitschaft aller Beteiligten zum ständigen Lernen und zur Innovation. „Die Südtiroler Apfelproduzenten sind sehr mit ihrer Kultur und Tradition verbunden, aber gleichzeitig innovativ. Sie haben die modernsten Lagerungs- und Marketingtechniken angenommen und sind stets auf der Suche nach neuen Ideen, um noch effizienter zu werden.“ Diese Weiterentwicklung erfolge durch Erfahrung, durch Nachahmung und durch Akquisition. Dadurch habe die Branche veränderten Marktbedingungen und neuen Anforderungen stets erfolgreich begegnen können. Bemerkenswert sei es auch, dass alle Beteiligten Wissen nicht als Konkurrenzprodukt behandeln, sondern es innerhalb des Netzwerks teilen und daraus einen Mehrwert schaffen. Die politischen Rahmenbedingungen in Südtirol bewertet die FAO ebenfalls als förderlich.

„Beispiel, von dem viele lernen können“

Unterm Strich ist die Südtiroler Apfelproduktion ein Vorzeigemodell für bäuerliche Familienbetriebe. „Es ist zwar kein System, das man einfach kopieren kann“, betonte May Hani, „aber ein Beispiel, von dem viele lernen können.“ Die Welternährungsorganisation informiert auf mehreren Wegen über das Südtiroler Modell, so zum Beispiel auf dem Weltforum für den Ländlichen Raum von 23. bis 25. September in Buenos Aires.

Für den Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums und des VOG, Georg Kössler, ist die FAO-Studie eine große Auszeichnung für die Südtiroler Obstwirtschaft. „Der Obstbau ist trotz seiner kleinen Strukturen sehr erfolgreich und bietet unseren Familienbetrieben die Möglichkeit weiter zu bestehen.“ Die positive Entwicklung soll weiter gehen. „Wir sehen uns durch die Studie darin bestätigt, auch in Zukunft diesen Weg weiter zu beschreiten“, sagt Kössler. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler wies zudem darauf, dass die Apfelwirtschaft – vom bäuerlichen Betrieb über die Genossenschaften bis zu den vor- und nachgelagerten Bereichen – auch zahlreiche Arbeitsplätze biete. „Und wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, sind das sichere Arbeitsplätze.“ Ebenso freute er sich darüber, dass gerade die Jugend großes Interesse an der Apfelproduktion habe.

Vortrag auf der Interpoma im November

Die FAO-Studie wird auf der Messe Interpoma einem internationalen Publikum vorgestellt. „Die Erfolgsgeschichte der Südtiroler Apfelwirtschaft wird auch durch die Interpoma wiederspiegelt“, unterstreicht Messedirektor Reinhold Marsoner. Die Interpoma ist weltweit die einzige internationale Fachmesse für Anbau, Lagerung und Vermarktung des Apfels und gilt als Innovationsplattform. Heuer findet die Messe vom 20. bis 22. November in Bozen statt.


Hier ein kurzes Video zur Vorstellung der Studie in Terlan