Südtiroler Landwirt, Politik | 11.09.2014

Zugang zu Bildungsstätten sichern

Um die jungen Familien in entlegenen Weilern und Tälern zu unterstützen und den Zugang zu Bildungsstätten zu gewährleisten, sind die derzeitigen Schülertransport-Kriterien zu überarbeiten. von Ulrike Tonner

In entlegenen Gebieten ist es leider nicht überall selbstverständlich, dass Kinder einen gesicherten Transport zu Kindergarten oder Schule haben.

In entlegenen Gebieten ist es leider nicht überall selbstverständlich, dass Kinder einen gesicherten Transport zu Kindergarten oder Schule haben.

Gleichwertiger Zugang zu Bildungsstätten ist die Voraussetzung für den Erhalt des ländlichen Raumes, in dem Menschen gerne leben und arbeiten. Doch leider ist es nicht für alle Kinder selbstverständlich, dass sie den Kindergarten besuchen dürfen.

Kinder können Kindergarten nicht besuchen
In einigen entlegenen Gebieten werden die Kinder nicht abgeholt, so z.B. bei Familie Piffrader am Renzlerhof in Mühlbach in Obergais. Maria Piffrader bedauert, dass ihre beiden Söhne nicht den Kindergarten besuchen können, da die Gemeinde den Transport nicht organisiert. Piffrader erklärt: „Letztes Jahr wurde unser Sohn David das erste Halbjahr abgeholt, das zweite Halbjahr organisierte ich mich mit anderen Müttern über Fahrgemeinschaften, doch langfristig ist das keine Lösung.“ 100 Euro Benzinspesen pro Monat und 1 ½ Stunden Fahrzeit pro Tag ist für Familie Piffrader nämlich nicht realisierbar.

Transport für Eltern oft nicht möglich
Auch Claudia Fraccaroli aus Tesselberg in Gais möchte, dass ihre Kinder den Anschluss in der Dorf- und Schulgemeinschaft nicht verpassen, nur weil sie entlegen wohnen. Ganz bewusst hat die Familie in der kleinen Fraktion Tesselberg ihr Wohnhaus erbaut, wohlwissend, dass die Anfahrt lang und umständlich ist, doch hoffend, dass in der heutigen Zeit die Familien im ländlichen Gebiet unterstützt werden. Der Kindergarten in Uttenheim liegt 15 km entfernt und da sie berufstätig ist, ist es zeitlich nicht möglich, das Kind selbst hinzubringen: „Mein Wunsch ist, dass die Kinder die Möglichkeit haben den Kindergarten zu besuchen, und dass man nicht jedes Jahr herumdiskutieren muss, ob der Transport organisiert wird oder nicht.“

Kindergartenkinder dürfen nicht mitfahren
Eigentlich gäbe es einen Schülertransport, jedoch dürfen die Kindergartenkinder nicht mitfahren. Für den Kindergartentransport ist die Gemeinde zuständig und für den Schülertransport das Land. Das Amt für Schulfürsorge organisiert in Zusammenarbeit mit dem Amt für Mobilität für 4500 Schüler Sonderdienste. Um darauf Anrecht zu haben, müssen mindestens zwei Volksschulkinder und vier Mittelschulkinder vor Ort sein. Zusätzlich hat heuer das Land für 500 weitere Schüler einen Schülertransport genehmigt, für sogenannte Härtefälle.

Abänderung der Kriterien ist notwendig
Damit jedes Kind Zugang zu Bildung hat und nicht alle Jahre Sondergenehmigungen gemacht werden müssen, fordert Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer eine Abänderung der bestehenden Kriterien. Die Landtagsabgeordnete erklärt: „Zum einen sind die Familien kleiner geworden, zum anderen fällt auch der Kindergarten in den Bildungsbereich und auch die Oberschüler sollten beim Thema Schülertransport mitberücksichtig werden.“

Gemeinden sind gefordert
Die Gemeinden müssen ihre Verantwortung wahrnehmen, fordert Kuenzer: „Es gibt Gemeinden, die viele Fraktionen haben, und deshalb von dieser Problematik mehr betroffen sind. Es braucht deshalb hier eine Grundsatzentscheidung: Die Gemeinden müssen in Zusammenarbeit mit dem Land einen Ausgleich finden“, ergänzt sie. Auch die Menschen in den entlegenen Gebieten gehen heutzutage einer Arbeit nach und ihnen muss Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährt werden, denn nur dadurch bleiben junge Familien im ländlichen Raum.