Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 11.09.2014

Trüber Sommer

In den vergangenen Jahren ist es wegen längerer Trockenperioden immer wieder zu Futterausfällen gekommen. Heuer macht der viele Regen den Bergbauern zu schaffen. Der Landesbauernrat hat sich deshalb zusammen mit Landesrat Arnold Schuler mit Hilfsmaßnahmen und möglichen Problemen mit den Förderungen beschäftigt. von Michael Deltedesco

Für die vom vielen Regen im Sommer geplagten Grünlandbauern ist Hilfe in Aussicht. (Foto: Manuel Gruber)

Für die vom vielen Regen im Sommer geplagten Grünlandbauern ist Hilfe in Aussicht. (Foto: Manuel Gruber)

Aus mehr oder weniger allen Landesteilen haben die Bezirksobmänner des Südtiroler Bauernbundes bei der jüngsten Sitzung des Landesbauernrates Ernteausfälle gemeldet. In einigen Gebieten steht teilweise noch der erste Schnitt, andernorts fehlt der komplette zweite Schnitt (siehe dazu auch „Südtiroler Landwirt“ Nr. 15 vom 29. August, S. 51). Besorgte Bauern haben den Bezirksobmännern von Ausfällen von 50 Prozent und mehr im Vergleich zu einem normalen Jahr gesprochen.

Je steiler die Wiesen, desto höher der Ausfall
„Je höher und steiler die Wiesen sind, desto größer ist der Ausfall. Durch die andauernden Regenfälle sind die Böden so aufgeweicht, dass eine maschinelle Bewirtschaftung nicht möglich bzw. zu gefährlich gewesen wäre“, berichteten die Bezirksobleute übereinstimmend. Auch dort, wo die Ernte besser verlaufen ist, klagen die Bauern aufgrund des überreifen Futters über eine schlechte Qualität.
Mit einem blauen Auge davongekommen sind jene Betriebe, die ihre Wiesen in den Gunstlagen haben, über eine Heubelüftung verfügen und genügend Helfer bei der Heuernte hatten.

Unterstützungsprogramm ist in Ausarbeitung
Zwar ist es für eine exakte Erhebung der Schäden noch zu früh, klar ist aber, dass der September die Ernteausfälle nicht mehr ausgleichen wird. „Es wird heuer, zum Unterschied bei Trockenheit, wohl flächendeckend Nässeschäden geben“, befürchtete Landesrat Arnold Schuler.
Auch deshalb hat er angekündigt, die betroffenen Bauern zu unterstützen. „Derzeit prüfen wir, wie und in welchem Umfang wir helfen können. Wir brauchen ein finanzierbares, unbürokratisches und möglichst gerechtes Unterstützungsprogramm.“
In den nächsten Tagen sollen die Berechnungen abgeschlossen sein und für kommenden Montag hat Schuler den Bauernbund zu einer weiteren Lagebesprechung eingeladen. Sicher ist, dass Kriterien wie die Höhenlage oder die Steilheit berücksichtigt werden. Individuallösungen soll es keine geben. Auch ein 1:1-Ausgleich der Ernteausfälle wird nicht möglich sein. Wie genau die Erhebung der Schäden erfolgen wird und wann, ist derzeit noch nicht klar. Offen ist derzeit auch, woher das Geld für die Entschädigung für die Futterausfälle kommen wird.

Gelder nicht nur aus dem Landwirtschaftsbudget
Wenn es nach Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Direktor Siegfried Rinner geht, dann dürfen die Geldmittel nicht nur aus dem Landwirtschaftsbudget kommen. „Das wäre nur eine Umverteilung vorwiegend innerhalb der Berglandwirtschaft. Wir hoffen, dass auch Mittel aus anderen Töpfen und aus dem Landeskatastrophenfonds kommen. Das wäre ein starkes Zeichen der Solidarität der Gesellschaft mit der Berglandwirtschaft“, betonen Tiefenthaler und Rinner. Hier könnte auch die Politik zeigen, dass ihr die Berglandwirtschaft wirklich ein Anliegen ist.
Eine weitere Möglichkeit wäre, beim nationalen Katastrophenfonds anzuklopfen. Die Erfolgsaussichten sind dabei aber eher gering.

Was passiert mit den Förderungen?
Sorgen bereiten den Bergbauern und dem Landesbauernrat aber nicht nur die drohenden finanziellen Verluste durch die Futterausfälle, sondern auch die Förderungen.
Viele Bauern haben sich verpflichtet, auf das Silieren zu verzichten. „Nun sind sie vielfach zum Silieren gezwungen, sonst bleibt das Gras auf den Feldern stehen“, warnten die Bezirksobmänner.
Damit ergäbe sich ein zweites Problem: Viele Bauern haben um die Landschaftspflegeprämie angesucht. Können sie ihre Flächen nicht mähen, drohen ebenfalls finanzielle Einbußen. Tiefenthaler, Rinner und die Bezirksobmänner schlagen deshalb eine Ausnahmeregelung in dieser besonderen Situation vor, um die Bauern nicht noch zusätzlich zu belasten.