Markt | 11.09.2014

EU: Erzeugermilchpreise rückläufig

Nach einem kurzfristigen Anstieg im Juni waren die Erzeugermilchpreise in der EU im Juli 2014 wieder rückläufig. Der russische Importstopp für Lebensmittel aus westlichen Ländern hat den Abwärtstrend im August verstärkt. von AIZ

Aufgrund des Russland-Embargos wird derzeit in der EU mehr Rohmilch zu Butter und Magermilchpulver verarbeitet.

Aufgrund des Russland-Embargos wird derzeit in der EU mehr Rohmilch zu Butter und Magermilchpulver verarbeitet.

Führende Molkereien in den EU-Ländern zahlten ihren Lieferanten im Schnitt 38,65 Cent netto je kg Rohmilch, das entspricht gegenüber dem Vormonat einem Minus von 0,34 Cent. Die Vorjahreslinie konnte aber um 1,7 Prozent überschritten werden. Dies geht aus der jüngsten Erhebung des niederländischen Bauernverbandes (LTO) hervor. Die Erzeugerpreise differieren in der Union weiterhin sehr stark: Der Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten Auszahlungsleistung betrug im Juli mehr als 10 Cent.

Der LTO-Durchschnittswert wird auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 großen Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß sowie einer jährlichen Anlieferung von 500.000 kg errechnet. Der höchste in dieser Erhebung ermittelte Preis wurde vom italienischen Unternehmen Granarolo mit 45,81 Cent gezahlt und blieb damit gegenüber Juni unverändert. Am unteren Tabellenende rangierte diesmal die irische Molkerei Kerry, die ihren Bauernmilchpreis um zwei Cent auf mit 34,92 Cent senkte.

Russisches Embargo verändert Warenstrom
Die LTO-Experten führen den im Juli rückläufigen Milchpreis auf die weiter steigende Rohmilchanlieferung und den geringeren Bedarf an Molkereiprodukten in China zurück. Dadurch sei der Markt aus dem Gleichgewicht geraten. Potenzielle Käufer hätten – in Erwartung weitersinkender Preise – abgewartet und damit die Stimmung am Weltmarkt nicht gerade verbessert.

Der russische Importstopp für Lebensmittel aus westlichen Ländern habe sich erst im Laufe des Monats August ausgewirkt und den negativen Preistrend am Milchmarkt verstärkt, stellt die LTO fest. Dies treffe speziell auf Käse zu, weil dieser bei den Exporten von Molkereiprodukten nach Russland die größte Bedeutung habe. Die von Moskau verhängte Importsperre werde voraussichtlich zu einem geänderten Warenstrom führen. Künftig werde mehr Rohmilch zu Butter und Magermilchpulver verarbeitet, dadurch dürfte die erhoffte Preisstabilisierung in diesen Segmenten vorerst ausbleiben.