Technische Beratung, Südtiroler Landwirt | 11.09.2014

Erst denken, dann bauen

Wenn sich Bauherren in der Anfangsphase eines Bauprojektes in Geduld üben und viele Gedanken machen, erhalten sie sich den Spielraum für wichtige Entscheidungen. Das empfiehlt die SBB-Betriebsberatung in einer demnächst erscheinenden Broschüre. Der „Südtiroler Landwirt“ veröffentlicht folgenden Auszug schon vorab.

Der Bauplan ist das Herzstück des Projektes. Doch davor braucht es ein klares Gesamtkonzept, damit das Ergebnis am Ende auch stimmig ist. (Foto: TRgreizer, www.pixelio.de)

Der Bauplan ist das Herzstück des Projektes. Doch davor braucht es ein klares Gesamtkonzept, damit das Ergebnis am Ende auch stimmig ist. (Foto: TRgreizer, www.pixelio.de)

Die Umsetzung einer Idee in ein fertiges Bauwerk muss gründlich durchdacht sein. Je mehr der Bauherr bei der Planung ins Detail geht, desto mehr Entscheidungen kann er noch relativ frei treffen. Denn mit fortschreitendem Planungsprozess nimmt der Handlungsspielraum ständig ab: Die bereits geschaffenen Tatsachen schränken die Möglichkeit immer mehr ein.

Landwirtschaft mit Eigenheiten
Dies gilt grundsätzlich für jede Baumaßnahme. In der Landwirtschaft ist das nicht anders, aber oft kommen noch einige spezielle Eigenheiten dazu.

Bauen als einschneidendes Ereignis
Daher sollten Bauherren in der Landwirtschaft in erster Linie Folgendes bedenken: Baumaßnahmen an landwirtschaftlichen Wirtschafts- und Wohngebäuden können sich in vielfacher Hinsicht auf Erscheinungsbild, Zweckmäßigkeit sowie betriebliche Ausrichtung des Bauernhofs auswirken. Baumaßnahmen erfordern zudem einen hohen Kapitalaufwand und binden den Betrieb über Jahrzehnte.
Die Gebäudeplanung an der Hofstelle kann sich beziehen auf:
- Neubau einzelner Gebäudeteile, Gebäude oder der ganzen Hofstelle;
- Sanierung, Umbau oder Anpassung bestehender Gebäude;
- Teilweise oder vollkommene Aussiedlung bzw. Verlegung der Hofstelle.

Betriebswirtschaftliche Planung
Im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Planung werden die wesentlichen Produktionsziele und der hierzu notwendige Betriebsaufbau und -ablauf festgelegt. Diese richten sich im Wesentlichen nach der Verfügbarkeit von Kulturgrund, Arbeitskapazität und Kapital. Von besonderer Wichtigkeit ist die Wirtschaftlichkeitsanalyse der geplanten Tätigkeit samt Erstellung eines Finanzierungsplanes. Die betrieblichen Kennzahlen und Investitionskosten sollten hierzu realistisch abgeschätzt werden, um das geplante Bauvorhaben mit den betrieblichen Voraussetzungen abzustimmen. Vor allem der finanzielle und arbeitstechnische Rahmen sollten von Beginn an bekannt sein, um die Umsetzung und
Langlebigkeit des Vorhabens nicht zu gefährden.
Die verschiedenen Einflussfaktoren müssen folglich mit dem betrieblichen Gesamtkonzept abgestimmt werden. Daraus ergeben sich die für den Betrieb tragbaren Investitionskosten und folglich das Ausmaß sowie die Einteilung der zu planenden Bauelemente.

Produktionstechnische Planung
Das Ziel der produktionstechnischen Planung ist es, die betriebswirtschaftlichen Vorgaben in ein technisches und bauliches Konzept umzusetzen. Auf Grundlage des geplanten Arbeits- und Produktionsablaufes, der Vorstellungen des Bauherrn sowie unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben werden die erforderlichen Bauwerke bestimmt. Das Planungskonzept sollte
Möglichkeiten für künftige betriebliche Erweiterungen bzw. Anpassungen vorsehen und diese nicht versperren.

Standortwahl und Raumplanung der Hofstelle
Die Standortwahl der Hofstelle ist unter Bedacht der zur Verfügung stehenden Grundstücke und der gesetzlichen Vorgaben (z. B. Gefahrenzonen, Landschaftsplanung) zu treffen. Zu berücksichtigen sind zudem die Beschaffenheit des Baugrunds (Untergrund, Geländeform, Erweiterungsmöglichkeiten), die Erschließungsmöglichkeiten (Zufahrt, Strom, Wasser und Abwasser) und die landschaftlichen Aspekte. Im Sinne der Landesraumordnung gilt als Hofstelle der ständige Sitz eines tatsächlich bewirtschafteten landwirtschaftlichen Betriebes, wo die zum Betrieb gehörenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude stehen. Es handelt sich in der Regel um die Gebäude des Bauernhofs, die zum Wohnen und Arbeiten bestimmt sind, welche demnach an der Hofstelle eine funktionelle Einheit bilden.

Grundsätzliche Gestaltung der Hofanlage
Zunächst gilt es, die grundsätzliche Gestaltungsfrage der Hofanlage zu klären: die Anordnung der Wohn- und Wirtschaftsgebäude zueinander und zum Gelände. Nach Möglichkeit sollten alle Wohnräume, Keller und Garagen im Wohnhaus untergebracht werden. Die Produktionseinheiten wie Stall, Futterlagerräume, Silos, Magazine, Geräte- und Maschinenräume sollten im Bereich des Wirtschaftsgebäudes errichtet werden. Durch geschickte Abstimmung mehrerer Baukörper lassen sich qualitativ hochwertige Außenräume schaffen, die vielseitig nutzbar sind.

Bei Erweiterung den Altbestand berücksichtigen
Bei der Erweiterung einer Gebäudegruppe sollten die Gestaltungselemente des Altbestandes in der Konzeption mitberücksichtigt werden. Gut geplante Gebäudeausrichtungen und -proportionen, aufeinander abgestimmte Dachformen, -neigungen und -eindeckungen sowie die gewählten Baumaterialien können das Bauvorhaben mit dem Bestand zu einem Ensemble vereinen. Große neu errichtete Bauvolumen sollten anschaulich gegliedert werden, um Harmonie und Maßstab an der Hofstelle zu erhalten.