| 04.09.2014

Alpine Landwirtschaft hat Zukunft

Eine Gruppe, bestehend aus Journalisten aus ganz Europa, absolvierte vor Kurzem eine Reise durch die Alpen, um sich ein Bild von der dortigen Landwirtschaft zu machen.

Die „We are Alps“-Gruppe am Stilfser Joch.

Die „We are Alps“-Gruppe am Stilfser Joch.

Die achttägige Reise der internationalen Journalistengruppe mit Teilnehmern aus Italien, Slowenien, Deutschland, Litauen, Norwegen und Österreich bot diesen viele Besichtigungen, Diskussionen und Verkostungen lokaler Produkte. Im Mittelpunkt des Programms stand dabei immer die alpine Landwirtschaft. Begleitet wurden sie dabei von einem Team des Ständigen Sekretariats der Alpenkonvention mit Generalsekretär Markus Reiterer und seiner Stellvertreterin Simona Vrevc.
Begonnen hat die Reise unter dem Motto „We are Alps“ in Domodossola im nördlichen Piemont nahe der Schweizer Grenze. Hier besichtigten die Teilnehmer eine landwirtschaftliche Kooperative. Dort finden junge Erwachsene mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung die Möglichkeit,  in der Arbeit mit Tieren und beim Anbau von Gemüse Erfahrungen zu sammeln.
Im Veltlin-Tal stand dann der Wein im Mittelpunkt des Interesses. Noch immer gibt es dort 3000 Weinbauern, die in Handarbeit auf 1200 Hektar Wein anbauen und dabei 2500 Kilometer Terrassen erhalten und bewirtschaften. Die Qualität des im Tal produzierten Weins ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Der damit erzielte Erlös ist aber nicht in der gleichen Dimension gewachsen. In Sondrio besichtigten die Teilnehmer die „Fondazione Fojanini“. Hier wird seit 1998 anwenderorientiert geforscht und es werden Empfehlungen für den Anbau der Weintrauben und der Weinproduktion ausgearbeitet.
Bei der nächsten Station im Schweizer Valposchiavo lernten die Journalisten ein ambitioniertes Projekt kennen: In diesem 20 Kilometer langen Tal hat man sich zum Ziel gesetzt, 100 Prozent biologische Landwirtschaft zu erreichen. Bereits 91 Prozent der Betriebe sind von „Bio-Swiss“ zertifiziert, einem in der Schweiz auf hohe Akzeptanz bauenden Label.

Probleme und Chancen im Stilfser- Joch-Nationalpark
Einen weiteren Reisehalt legten die Teilnehmer am Stilfser Joch ein. Hier diskutierte man über die Probleme und Chancen des dort bestehenden Nationalparks, der von skitouristischen Interessen bedrängt wird. Anschließend erlebten sie den intensiven Apfelanbau im Vinschgau. Gemäß dem Schwerpunkt der Reise ­­– dem UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe – fanden sie hier vor, dass die Produktion überwiegend in familiären Betrieben mit weniger als drei Hektar Betriebsfläche erfolgt.
In Deutschnofen und im Tiroler Valser Tal standen schließlich noch Besuche von familiären Betrieben an, die sich mit Käse, Milch und Fleisch sowie unterschiedlichen Modellen der Direktvermarktung am Leben erhalten.
Als Ergebnis der Reise durch die Alpen lässt sich sagen, dass die Berglandwirtschaft ohne entsprechende Förderungen nicht überlebensfähig ist. Damit sind die erschwerten Bedingungen gegenüber dem Flachland abzugelten. Zugleich leisten bergbäuerliche Betriebe wichtige Beiträge zur Abwendung von Naturgefahren und zur Erhaltung der Kulturlandschaft. Diese Förderungen sollten in den nächsten Jahren aufgrund der EU-Strukturreformen steigen. Die im Ziele des Berglandwirtschaftsprotokolls der Alpenkonvention werden damit aber sicher noch nicht erreicht.
Zugleich machte die Reise auch deutlich, dass es neben finanzieller Unterstützung in der familiär strukturierten Landwirtschaft auf die Innovation der Betroffenen ankommt. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Beispielen, angefangen bei hochwertigen Produkten, deren origineller Vermarktung und der sinnvollen Verbindung mit dem Tourismus. hannes schlosser