Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 28.08.2014

Guter Ruf und hohe Erwartungen

Südtirols Bäuerinnen und Bauern genießen in der Gesellschaft weiterhin ein hohes Ansehen. Das hat eine repräsentative Befragung ergeben. Weniger positiv sehen junge Befragte und Stadtbewohner die Landwirtschaft. Auch die Erwartungen der Bevölkerung an die Landwirtschaft sind gestiegen.

Mit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung sowohl in Südtirol als auch in Tirol haben die Bauernbünde beider Länder gemeinsam erhoben, wie die Bürgerinnen und Bürger die derzeitige Lage der Landwirtschaft einschätzen, welche Erwartungen sie an die Landwirtschaft von morgen haben und wie sie das Ansehen der Bäuerinnen und Bauern einschätzen. Die Ergebnisse sind erfreulich ausgefallen: „Knapp 89 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass die Bäuerinnen und Bauern einen sehr guten (18,4 Prozent) oder guten Ruf (70,4 Prozent) genießen.

Platz drei in der Rangliste
Damit liegen sie hinter den Ärzten und den Handwerkern auf den dritten Platz“, freut sich Landesobmann Leo Tiefenthaler. Die Gründe dafür sind laut Umfrage die Pflege der Kulturlandschaft und die hohe Qualität der produzierten Lebensmittel. Auch gaben viele Befragte an, dass die Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag für die Gesamtwirtschaft leistet und Arbeitsplätze schafft.
Besonders die deutschsprachige Bevölkerung schätzt zudem die große Vielfalt in der landwirtschaftlichen Produktion. „Erfreulich ist, dass knapp 90 Prozent der Befragten in der Landwirtschaft ein interessantes Berufsfeld sehen.“

Gegenüber Förderungen kritischer eingestellt
Kritischer beantworteten die Befragten die Frage nach der Notwendigkeit der Förderungen. „53 Prozent glauben, dass die Bauern zurecht Förderungen erhalten. Und immerhin über 47 Prozent sind überzeugt, dass die Bauern für ihre harte Arbeit keinen gerechten Lohn erhalten. Dem gegenüber erklärten immerhin 47 Prozent, dass die Landwirtschaft zu viel gefördert wird“, berichtet Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner.
Die Erwartungen an die Landwirtschaft „von morgen“ sind äußerst hoch. „Für 95 Prozent der Befragten ist eine krisensichere Ernährung der Bevölkerung sehr wichtig oder wichtig“, betont Tiefenthaler. Hoch im Kurs sind auch gentechnikfreie Lebensmittel (über 90 Prozent).
Eine immer größere Rolle spielt die regionale Herkunft: „Beim Wein entscheiden sich 53 Prozent der Konsumenten für heimische Produkte, beim Kauf von Milchprodukten ist das Thema Regionalität für 75 Prozent der Befragten entscheidend.“
Besonders für die deutschsprachigen Südtiroler ist die Herkunft ein ganz wichtiges Kriterium. Ob ein Produkt biologisch hergestellt wurde, scheint hingegen weniger wichtig zu sein: Lediglich bei Obst und Gemüse hat Bio einen größeren Stellenwert. „Kein besonderes Kriterium scheint der Preis zu sein: Nur für sechs Prozent bis elf Prozent der Kunden, meist sind es jüngere Kunden, ist der Preis von Bedeutung“, erklärt Tiefenthaler.

Tierwohl und Umweltschutz besonders wichtig
Einen hohen Stellenwert nimmt der Tier-, Umwelt- und Naturschutz ein. „Für über 97 Prozent der Befragten sind das Wohl der Tiere und der Umweltschutz sehr wichtig oder wichtig. Ähnlich bedeutend scheint die Pflege der Kulturlandschaft zu sein: 96 Prozent sehen darin auch in Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben der Landwirtschaft. Den Erhalt der landwirtschaftlichen Kulturflächen befürworten knapp 95 Prozent“, sagt Rinner.
Interessant ist die Zustimmung zu den Almerschließungen: 78 Prozent der Befragten gaben an, dass Almerschließungen für die Bewirtschaftung der Almen notwendig sind.

Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor anerkannt
Klar ist auch die Meinung der Bevölkerung zur wirtschaftlichen Bedeutung der heimischen bäuerlichen Betriebe. „Knapp 90 Prozent sind überzeugt, dass die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsmotor in strukturschwachen Gebieten ist. Und sogar über 97 Prozent sehen in der Sicherung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum auch weiterhin eine wichtige Aufgabe der Landwirtschaft.“

Junge Menschen und Stadtbewohner eher kritisch
Eines hat die Umfrage trotz aller positiven Ergebnisse aber auch gezeigt: Die jüngeren Befragten und die Stadtbewohner sehen die Landwirtschaft deutlich kritischer als beispielsweise die ältere Generation.
Gründe dafür sind wohl die zunehmendeEntfernung der Bevölkerung von der landwirtschaftlichen Produktion und damit verbunden das verlorengehende Wissen und das Verständnis für die Landwirtschaft. „Wir alle sind gefordert, das Informationsdefizit zu beseitigen und Werbung für unsere Leistungen zu machen. Wir müssen wieder mehr kommunizieren und die Landwirtschaft noch besser erklären“, stellte Rinner klar.

Ressourcen effizient nutzen
Zudem wird es zukünftig wichtig sein, noch mehr auf einen effizienten Einsatz der Ressourcen (Wasser, Energie) sowie den Schutz der Umwelt und das Tierwohl zu achten. „Das werden zentrale Erwartungen der Bevölkerung bleiben, genauso wie die Landschaftspflege und die Lebensmittelproduktion.“ Aber auch die Bäuerinnen und Bauern können von den Konsumenten etwas einfordern: „Den Kauf heimischer Produkte. Damit werden die heimischen Betriebe am besten unterstützt und können den Konsumenten zeigen, dass ihre Wertschätzung der Landwirtschaft ernst gemeint ist.“


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TIROL

„Müssen am Image arbeiten“
Die Ergebnisse der Befragung in Tirol zeigen in einigen Punkten ein etwas anderes Bild: Der Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzflächen, die sichere, regionale Lebensmittelproduktion und der Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft sind den Menschen auch in Tirol sehr wichtig. 70,4 Prozent der Befragten beurteilen das Ansehen der Tiroler Bauern als sehr gut bzw. gut. „Bei genauerer Analyse zeigt sich in Tirol aber, dass gerade junge Menschen die Bauern etwas schlechter bewerten. Daher müssen wir zeigen, wie die bäuerliche Arbeit heutzutage wirklich funktioniert“, stellt der Tiroler Bauernbund-Obmann Josef Geisler klar.
Die Bauern waren in Tirol letzthin mit vielen Problemstellungen konfrontiert. Das schlug sich im Image nieder. „Von den Agrargemeinschaften bis hin zur Almflächenfeststellung wurde oft ein falsches Bild der Landwirtschaft erzeugt. Daran müssen wir jetzt arbeiten. Wir müssen unseren Bauern zeigen, dass sie selbst die besten Imageträger sind“, sagt Bauernbund-Direktor Raggl.
Sehr positiv sind auch in Tirol die Bewertungen, wenn es um die heimischen Lebensmittel geht. Häufiger als in Südtirol wird in Tirol aber auf den Preis geschaut. „Junge Menschen bevorzugen zwar biologische Lebensmittel, möchten diese aber möglichst günstig erwerben. Beste Produkte bekommt man aber nicht zum Schleuderpreis“, betont Raggl. Größer als in Südtirol ist in Tirol der Wunsch nach gentechnikfreien Lebensmitteln.
58 Prozent der Befragten glauben, dass die Bauern für ihre Arbeit keinen gerechten Lohn bekommen. Auf die Frage, ob Bauern zu viele Förderungen bekommen, antworten zwei Drittel der Bevölkerung mit „Nein“. Hier ist das Tiroler Ergebnis besser als das Südtiroler Meinungsbild. „Die Berglandwirtschaft hat einen hohen Stellenwert und die Leute erkennen, dass die Bauern mit natürlichen Bewirtschaftungserschwernissen kämpfen“, sagt dazu Bauernbunddirektor Peter Raggl. 

Die beiden Bauernbund-Obmänner Leo Tiefenthaler (l.) und Josef Geisler (r.) stellten die Ergebnisse der Umfrage am Mittwoch in Bozen vor.

Die beiden Bauernbund-Obmänner Leo Tiefenthaler (l.) und Josef Geisler (r.) stellten die Ergebnisse der Umfrage am Mittwoch in Bozen vor.