Südtiroler Landwirt, Produktion | 31.07.2014

Prüfen woher der Apfel kommt

Sind Äpfel und Milchprodukte aus Süd- und Nordtirol wirklich so unvergleichlich wie die Werbung es immer vorgibt? Mit dieser Frage haben sich die Partner des Projektes „OriginAlp“ in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Jetzt gibt es die ersten Antworten darauf. von Bernhard Christanell

Woher kommen diese Äpfel? Im Rahmen des Projektes „OriginAlp“ haben Forschungseinrichtungen in Süd- und Nordtirol Methoden entwickelt, mit denen diese Frage eindeutig beantwortet werden kann. (Foto: Ivo Corrà)

Woher kommen diese Äpfel? Im Rahmen des Projektes „OriginAlp“ haben Forschungseinrichtungen in Süd- und Nordtirol Methoden entwickelt, mit denen diese Frage eindeutig beantwortet werden kann. (Foto: Ivo Corrà)

Herkunft und Qualität von Lebensmitteln sind wichtige Entscheidungskriterien für den  Konsumenten, der zunehmend regionale Produkte bevorzugt. Die Partner aus Tirol und Südtirol haben sich im Rahmen des Innterreg-IV-Projektes „OriginAlp“ intensiv mit der Herkunfts- und Qualitätsbestimmung von regionalen Lebensmitteln beschäftigt: Am Versuchszentrum Laimburg wurden Qualität und Inhaltsstoffe von landwirtschaftlichen Produkten wie Milch und Milchprodukten, Äpfeln und Fleisch untersucht, an der Freien Universität Bozen wurde der Herkunftsnachweis für Produkte erforscht. An der Universität Innsbruck haben die Wissenschaftler an neuen Methoden zur raschen Prüfung von Qualität und Herkunft von regionalen Lebensmitteln mittels Infrarottechnologie gearbeitet. Die Agrarmarketing Tirol hat die verschiedenen Forschungsbereiche vernetzt, während der Sennereiverband Südtirol die Daten seines Labors zur Verfügung gestellt hat.

Tiroler Produkte eindeutig von anderen unterscheidbar
Die ersten Ergebnisse dieser vernetzten  Forschungsarbeit – die Ende Juli in Bozen vorgestellt wurden – können sich sehen lassen: Mit Hilfe der Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIR) – einer relativ neuen Untersuchungsmethode – ist es möglich, Lebensmittel eines Herstellers eindeutig von anderen Produkten abzugrenzen. „Wir konnten innerhalb eines Erntejahres Äpfel aus der Region Tirol deutlich von jenen aus anderen Ländern unterscheiden“, berichtete Projektleiter Christian Huck von der Universität bei der Vorstellung.

Mit Hilfe der Referenzmethoden des Versuchszentrums Laimburg können die Wissenschaftler auch Qualitätsparameter wie Zucker- und Säuregehalt bestimmen. Am Versuchszentrum Laimburg haben die Forscher mit Hilfe von verschiedenen nasschemischen Untersuchungen auch die Fettsäurezusammensetzung der Milch, die Qualität von Äpfeln während der Lagerung und die Nährstoffzusammensetzung im Fleisch untersucht. „Wir konnten beispielsweise nachweisen, dass die Qualität der Äpfel während der Lagerung konstant bleibt und dass wertvolle Inhaltsstoffe der Milch wie ungesättigte Fettsäuren von der Fütterung mit Grünfutter zusammenhängen“, erklärte der Direktor des Versuchszentrums Laimburg, Michael Oberhuber.
Diese Ergebnisse dienten als Datenbasis für weitere Forschungen zur Lebensmittelqualität und bildeten die Grundlage für die Entwicklung von Methoden zur Qualitätsbestimmung wie etwa der schon erwähnten Nah-Infrarot-Spektroskopie. Zudem konnte die Laimburg auf die Labordaten zur Milchanalyse des Südtiroler Sennereiverbandes zurückgreifen.

An der Freien Universität Bozen ist die Herkunft von Lebensmitteln mit der Isotopenanalyse bestimmt worden. Isotope sind Atome desselben chemischen Elements; sie ermöglichen einen Herkunftsnachweis und geben gleichzeitig Informationen etwa über Anbauverfahren oder den Einsatz verschiedener Düngemittel.

Unterscheidbarkeit am Markt immer wichtiger
Dass die Erkenntnisse und Methoden aus dem Projekt „OriginAlp“ für die heimische Landwirtschaft sehr nützlich sind, davon ist der Obmann des Sennereiverbandes Südtirol, Joachim Reinalter, überzeugt: „Wir werben am Markt ja vor allem mit der Qualität und der Herkunft unserer Produkte. Südtirol und Tirol stehen für sichere, gesunde Lebensmittel. Bei der großen Menge an Produkten aus aller Welt ist es für ein kleines Land wie uns wichtig, dass wir auch mit verlässlichen wissenschaftlichen Methoden die Herkunft und Qualität nachweisen können.“
Die Ergebnisse von „OriginAlp“ sind für die Forschung nur ein Zwischenstopp auf einem langen Weg. „Zurzeit hat das Gerät für die Nah-Infrarot-Spektroskopie noch die Größe eines Haarföns. Eines Tages wird es vielleicht möglich sein, mit viel kleineren Geräten die gleichen Ergebnisse zu erzielen. Dann könnte der Konsument direkt im Supermarkt prüfen, ob ein Produkt wirklich gut ist“, blickte Christian Huck voraus. Doch das ist vorerst noch Zukunftsmusik.

Mehr Infos zum Projekt „OriginAlp“ gibt es hier.