Südtiroler Landwirt, Produktion | 17.07.2014

Gut beraten in die Rindermast

Dass die Produktion von einheimischem Fleisch im Aufwind ist, zeigt die Tatsache, dass es in Südtirol immer mehr Qualitätsfleisch-Programme gibt. Was es bislang nicht gab, ist eine zentrale beratende Anlaufstelle für alle Bauern, die in die Rindermast einsteigen wollen. Das soll sich nun ändern. von Dieter Herbst

Worauf bei der Produktion von heimischem Fleisch zu achten ist, soll den Südtiroler Viehzüchtern ab sofort flächendeckend vermittelt werden. (Foto: Helmuth Rier)

Worauf bei der Produktion von heimischem Fleisch zu achten ist, soll den Südtiroler Viehzüchtern ab sofort flächendeckend vermittelt werden. (Foto: Helmuth Rier)

Die extensive Tierhaltung zur Nutzung von Grünland hat in Südtirol in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Durch den Rückgang des Milchviehbestandes wurde vermehrt Grünland frei. Damit Wiesen und Weiden auch weiterhin genutzt werden und die dazugehörigen Stallungen nicht leer bleiben, soll die Beratung dahingehend verbessert und den Bauern Alternativen aufgezeigt werden.

Eine gangbare Lösung aus Sicht der Rinderzucht ist die Mast für die Produktion von einheimischem Fleisch. Da diese alternative Nutzungsform bis jetzt auf Verbandsebene teilweise stiefmütterlich behandelt wurde, hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Viehverbände, dem Kovieh und dem Bring vier Arbeitstreffen abgehalten. Ab Mitte Juli soll es nun eine organisierte Hilfestellung und Beratung für die Rindermast geben.

Aktuelle Programme und Vermarktung
In Südtirol existieren derzeit verschiedene Qualitätsfleisch-Programme. Einige davon sind auf ein Gebiet beschränkt – beispielsweise das Laugenrind (Deutschnonsberg/Ulten/Burggrafenamt/Vinschgau) oder das Sarner Fleisch (Sarntal) – andere sind wiederum spezialisiert auf das Endprodukt – zum Beispiel das graue BioBeef auf die Mutterkuhhaltung oder das Geisler Rind auf den Grauvieh-Ochsen. Seit 2007 existiert auch das Südtiroler Qualitätsfleischprogramm des Kovieh, das in ganz Südtirol tätig ist. Jedes Programm arbeitet eigenständig und hat mittlerweile seinen eigenen Kundenstock aufgebaut.

Allen Programmen gemeinsam ist, dass geeignetes Samenmaterial eingesetzt werden muss, um ein ideales Endprodukt erzeugen zu können. Daher werden für alle Doppelnutzungsrassen – Fleckvieh, Grauvieh, Original Braunvieh und auch für die Fleischrassen – eigene Stiere angeboten.

Im Zuge der Neuorganisation der Beratung in diesem Bereich wurde nun ein Infoblatt über die Haltung und Zucht ausgearbeitet, das speziell auf die Südtiroler Verhältnisse zugeschnitten ist. Geplant ist eine Hilfestellung für Betriebe, die aus verschiedensten Gründen die Milchwirtschaft aufgeben und einen anderen Erwerb in der Rinderhaltung suchen – unabhängig davon, welchem Qualitätsfleisch-Programm die Betriebe später beitreten werden. Alle Gebiete in Südtirol wurden mit zehn Ansprechpartnern abgedeckt, die erste Grundinformationen über Zucht, Haltung und auch mögliche Erlöse geben können. Für jene, die bereits seit Längerem in der Mast tätig sind und über Erfahrungen verfügen, ist diese Dienstleistung nicht vorgesehen.

Zentraler Ansprechpartner für dieses Angebot ist Maximilian Hofer, der beim Kovieh für das Südtiroler Qualitätsfleisch zuständig ist. Er steht unter der Rufnummer 0471 063860 für weitere Informationen zur Verfügung.

Mastformen im Vergleich

 

Kalbinnenmast

Ochsenmast

Mutterkuhhaltung

Vollmilchkalb

Ausgangsprodukt

Kalb ab ca.70 kg oder Einsteller mit 200–300 kg

Stierkalb mit ca. 70 kg oder Einsteller mit 200–300 kg

Mutterkuh mit saugendem Kalb

Kalb ab ca. 60 kg

Haltung

Sowohl Laufstall als auch

Anbindestall ideal

Sowohl Laufstall als auch

Anbindestall ideal, Weide und Almwirtschaft teilweise problematisch.

Laufstall

Haltung in Boxen

Fütterung

Betriebseigenes Grundfutter, Endmast durch Zufütterung von Kraftfutter ohne Silage

Betriebseigenes Grundfutter, Endmast mit Kraftfutter ohne Silage

Kuh bekommt betriebseigenes Grundfutter, das Kalb je nach Alter Muttermilch, Grundfutter und Kraftfutter

Vollmilch, Stroh und Maisflocken kommen in Frage

Zeitaufwand

Relativ gering

Relativ gering

Relativ groß

Relativ groß

Endprodukt

Kalbin zwischen

20 und 30 Monate mit Gewicht zwischen 550 und 700 kg

Ochse zwischen

20 und 30 Monate mit Gewicht zwischen 570 und 720 kg

Kalb zwischen 10 und 12 Monaten mit Gewicht von rund 400 kg

Kalb zwischen 3 und 5 Monaten mit Gewicht von 180 bis 220 kg

Absatzchancen

In Südtirol zurzeit sehr gut

In Südtirol zurzeit sehr gut

Absatz muss organisiert erfolgen, bei Neueinsteigern über Direktvermarktung

Gut