Südtiroler Landwirt | 17.07.2014

Für ein leichteres Nebeneinander

Immer mehr Obstanlagen grenzen an biologisch bewirtschaftete Anlagen. Um das Nebeneinander von Obst- und Biobauern zu erleichtern, haben der Bauernbund und die Obst- und Bioverbände kürzlich ein Abkommen mit Maßnahmen gegen die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln geschlossen. von Tobias Egger

Vertreter der betroffenen Organisationen und Verbände haben das Abkommen unterzeichnet.

Vertreter der betroffenen Organisationen und Verbände haben das Abkommen unterzeichnet.

Während die Landesrichtlinien das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln neben öffentlichen Flächen und Privathäusern regeln, betrifft das Bio-Abkommen die Ausbringung angrenzend an biologische Obstanlagen.

Die Ausarbeitung einer solchen Regelung schien notwendig, nachdem es im Nachbarsbereich von biologisch und integriert bewirtschafteten Anlagen immer wieder zu Konflikten aufgrund der wechselseitigen Abdrift von Pflanzenschutzmitteln gekommen war. Abdrift kann Schäden an Blättern und Früchten verursachen oder zu unerlaubten Rückständen im Bio-Obst führen.

Um derartige Fälle zu vermeiden, haben sich die Obstvermarktungsorganisationen VOG und VI.P gemeinsam mit dem Bauernbund, Bioland, AGRIOS und dem Beratungsring auf eine Reihe von Richtlinien im Bereich des Pflanzenschutzes geeinigt. Vertreter der Organisationen haben die „Vereinbarung für ein konfliktfreies Nebeneinander“ vor Kurzem unterschrieben. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler begrüßt die Vereinbarung: „Wir haben jetzt ein Dokument, in dem beschrieben ist, welche Vorkehrungen die Obstbauern zur Vermeidung von Abdrift treffen müssen und wie mit eventuell auftretenden Schäden durch Abdrift umzugehen ist.“

Die in der Vereinbarung enthaltenen Richtlinien müssen von allen Bauern eingehalten werden, die Pflanzenschutzbehandlungen in einer Obstanlage vornehmen, die an eine Bioobstanlage angrenzt und umgekehrt.
In der Vereinbarung sind Abstände für die Ausbringung der Mittel festgelegt. Innerhalb eines Abstandes von sechs Metern zur Grundstücksgrenze darf nur in Richtung des eigenen Grundstücks gespritzt werden. Empfohlen wird das Anpflanzen einer Hecke oder die Aufrüstung des Sprühgerätes mit einem Gebläseaufsatz und Injektordüsen. Dann nämlich reduziert sich der notwendige Abstand auf drei Meter zur Grundstücksgrenze.

Grundsätzlich dürfen Pflanzenschutzbehandlungen der Vereinbarung zufolge nur bei geeigneten Windverhältnissen und mit angepasster Einstellung des Sprühgerätes vorgenommen werden. Bei Neupflanzungen sieht die Regelung bestimmte Abstände zwischen der letzten Baumreihe und der Grundstücksgrenze vor, die eine äußere Fahrgasse ermöglichen.

Schlichtungsstelle eingeführt
Neben den Richtlinien zur Vermeidung von Abdrift beinhaltet die Vereinbarung erstmals auch die Möglichkeit zur rechtlichen Schlichtung von Konfliktfällen. Bei Nicht-Beachtung der Richtlinien sowie bei bestimmten Schäden durch Abdrift kann der betroffene Grundeigentümer seinen Fall zur Schlichtung anmelden. Es ist dann eine Aussprache der Konfliktparteien bei der betreffenden Vermarktungsorganisation vorgesehen. Sollte es dabei zu keiner einvernehmlichen Lösung kommen, kann der Fall vor dem Schiedsgericht der Handelskammer Bozen behandelt werden.

Für SBB-Vizeobmann Bernhard Burger bilden die in der Vereinbarung enthaltenen Richtlinien die geeignete „Grundlage für ein gutes Miteinander von biologischem und integriertem Obstbau“. Für die Zukunft seien weitere Ergänzungen möglich. Daneben sieht Burger die gemeinsame Vereinbarung auch als Ausdruck eines verantwortungsbewussten Umgangs der Obstbauern mit Pflanzenschutzmitteln: „Wir unterstreichen damit auch den gegenseitigen Respekt der Landwirte für die Bewirtschaftungsweise ihrer Kollegen.“ Burger hatte die Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung des Abkommens geleitet.

Nach der Unterzeichnung des Bio-Abkommens ist nun ein weiteres Abkommen in Arbeit, das die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln angrenzend an Futterwiesen, Acker- und Kräuterbauflächen regeln soll. „Wir wollen jetzt auch Richtlinien für ein besseres Nebeneinander von Obstbauern und biologisch arbeitenden Grünlandwirten vereinbaren“, erklärt Tiefenthaler, „damit jeder Landwirt erfolgreich seiner Bewirtschaftungsweise nachgehen kann.“

Hier ist das Abkommen zum Nachlesen.