Produktion | 10.07.2014

Roggen- und Dinkelsorten auf dem Prüfstand

Die Anbaueigenschaften von Roggen- und Dinkel-Landsorten überprüfen und ihre Nutzung als Brotgetreide erarbeiten: Das ist Ziel des Forschungsprojektes „CereAlp“ am Versuchszentrum Laimburg, das beim Sägemüllerhof in Gais und beim Mair am Hof in Dietenheim vorgestellt wurde. von LPA – Landespresseamt

Bei der Begutachtung der Dinkelsorten (von li.): Andreas Schiner, Leiter des Sägemüllerhofes; Manuel Pramsohler, Projektmitarbeiter CereAlp des VZ Laimburg; Andreas Tschöll, Landwirtschaftskammer Tirol.

Bei der Begutachtung der Dinkelsorten (von li.): Andreas Schiner, Leiter des Sägemüllerhofes; Manuel Pramsohler, Projektmitarbeiter CereAlp des VZ Laimburg; Andreas Tschöll, Landwirtschaftskammer Tirol.

Regionale, qualitativ hochwertige landwirtschaftliche Produkte haben in der Alpenregion gute Vermarktungschancen. „Produzenten fragen daher verstärkt nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus regionaler Produktion, die zu unverwechselbaren und typischen Produkten veredelt werden können“, weiß Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler.
Projektleiter Giovanni Peratoner erklärte, worum es beim Forschungsprojekt „CereAlp“ geht.: „Wir erheben die Anbaucharakteristiken sowie die backtechnologischen und geschmacklichen Eigenschaften von 69 unterschiedlichen Roggen- und Dinkel-Landsorten aus unserer Region und vergleichen sie mit sieben modernen Zuchtsorten“, berichtete Peratoner. Das Projekt „CereAlp“ ist eine Kooperation zwischen dem Versuchszentrum Laimburg und dem Amt der Tiroler Landesregierung, Fachbereich landwirtschaftliches Versuchswesen. Finanziert wird es vom Interreg IV-Programm Italien-Österreich.

Inhaltsstoffe und Backeigenschaften
Tirol und Südtirol verfügen über einen großen Schatz an Landsorten. Das sind traditionelle Getreidesorten, die durch den wiederholten Anbau an einem bestimmten Standort an Bauernhöfen entstanden sind, und ein lebendiges Natur- und Kulturerbe darstellen. Zusätzlich zu den im Feld erhobenen Daten wie Auswinterung, Ertrag, Wuchshöhe, Standfestigkeit und Ausfallneigung werden die einzelnen Sorten auch auf ihre Inhaltsstoffe und Qualitätseigenschaften fürs Backen analysiert: „Wir werden die Backeignung der Sorten in einem Backversuch testen und sie auch sensorisch prüfen. Denn wir wollen herausfinden, ob die Landsorten anders oder besonders schmecken. Das könnte sie für die Herstellung von Brotspezialitäten zusätzlich interessant machen“, betont Peratoner. Damit könnten regionale Kreisläufe im Brotgetreidebereich angestoßen werden, wie sie bereits im Projekt Regiokorn erfolgreich vom Anbau bis zur Herstellung von Brotspezialitäten durch Südtiroler Bäcker umgesetzt worden sind.

Deutliche Unterschiede zu Zuchtsorten erkennbar
Zwar ist es für Aussagen zu Ertrag und Backeigenschaften der Sorten noch zu früh, doch sind bereits im Feld deutliche Unterschiede zwischen Land- und Zuchtsorten zu erkennen. So bilden die Roggenlandsorten deutlich längere Halme und reifen ein bis zwei Wochen vor den heute angebauten Zuchtsorten ab. Bei den Dinkelsorten sind die sichtbaren Unterschiede dagegen deutlich weniger ausgeprägt.
Die Ergebnisse des Projektes sollen im nächsten Jahr beim ersten Tiroler und Südtiroler Getreidetag vorgestellt sowie in einem Sortenkatalog zur Verfügung gestellt werden.