Internationales | 26.06.2014

Deutschland: Mehr Sachlichkeit beim Pflanzenschutz

Sachliche Argumente statt billiger Polemik beim Thema Pflanzenschutz: Das wünschten sich die deutschen Bauernverterter beim Deutschen Bauerntag in Bad Dürkheim. Kritik äußerten sie an einer praxisfernen Risikodiskussion bei der Zulassung von Wirkstoffen. von AIZ

Joachim Rukwied: Risikodiskussion ist rein theoretisch und überzogen

Joachim Rukwied: Risikodiskussion ist rein theoretisch und überzogen

In Deutschland flammt vor allem im Ackerbau die Diskussion um die Folgen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln immer wieder auf. „Wir brauchen eine bedarfsgerechte Düngung sowie eine breite Palette an Wirkstoffen für den Pflanzenschutz. Alles andere wäre kein nachhaltiger Ackerbau.“, stellte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, beim Deutschen Bauerntag in Bad Dürkheim fest. Er übte Kritik an einer „überzogenen, rein theoretischen Risikodiskussion“ bei der Zulassung von Wirkstoffen. Die rund 800 Teilnehmer unterstrichen diese Botschaft an die Politik selbstbewusst mit Schildern, auf denen „Pflanzen ernähren und schützen - Wir können das!“ zu lesen war. Damit wollten die Bauern Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ermutigen, sich in der nationalen und europäischen Gesetzgebung konsequent für einen wettbewerbsfähigen Pflanzenbau einzusetzen.

Wettbewerbsfähigkeit gefährdet
Eine große Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Ackerbaus sieht Wolfgang Vogel, Vorsitzender des Fachausschuss für Getreide im Deutschen Bauernverband (DBV), in falsch gesetzten politischen Rahmenbedingungen, etwa in der EU-Agrarpolitik, bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln oder bei pauschalen Obergrenzen in der Düngung: „Wir haben schon vor Jahren den Weg in den freien Markt beschritten. Fachlich unbegründete Eingriffe in bewährte landwirtschaftliche Produktionsverfahren und dadurch steigende Erzeugungskosten bedrohen unsere hart erkämpfte Wettbewerbsfähigkeit massiv“, warnte Vogel.

Mittelzulassung EU-weit harmonisieren
Der DBV-Umweltbeauftragte Friedhelm Decker verwies beim Bauerntag auf die Agenda 21 der Vereinten Nationen, wonach auf landwirtschaftlichen Flächen produktiv und effizient gewirtschaftet werden müsse und gleichzeitig unerwünschte Umweltauswirkungen soweit wie möglich zu reduzieren seien. In der Frage der Pflanzenschutzmittel-Zulassung mahnte er eine strenge, vor allem aber eine „wissenschaftlich basierte und risikoorientierte Zulassung“ ein. Weiters forderte er, die Harmonisierung der Mittelzulassung in Europa müsse mithilfe der zonalen Bewilligung endlich in die Tat umgesetzt werden. Besonders problematisch ist laut Decker, dass immer öfter Zielkonflikte entstehen, beispielsweise die Vermeidung von Resistenzen bei gleichzeitig immer weniger vorhandenen Wirkstoffen. „Hier brauchen die Landwirte dringend praktische Lösungen“, betonte der Experte.