Steuerberatung | 20.06.2014

Die Regeln und ihre Ausnahmen bei Einkäufen in EU-Ländern

Wenn Betriebe in anderen EU-Staaten Waren oder Dienstleistungen kaufen, müssen sie sich mindestens 30 Tage vorher ins VIES-Register beim Steueramt eintragen. Im Bereich Landwirtschaft gibt es einige Befreiungen. Hier die Details.

Plant ein Betrieb einen innergemeinschaftlichen Einkauf von Waren oder eine Dienstleistung, muss er sicherstellen, dass sein Betrieb 30 Tage vorher ins VIES-Register beim Steueramt eingetragen wurde.
Befreit von dieser Regelung sind Betriebe im Pauschalsystem und befreite Landwirtschaftsbetriebe, die Wareneinkäufe unter 10.000 Euro tätigen.

Einkauf von Gütern
1.) Landwirtschaftsbetriebe im Pauschalsystem

Innergemeinschaftlicher Erwerb bis zu 10.000 Euro

Für Betriebe im Pauschalsystem ist für den EU-Erwerb von Gütern (z.B. Vieh, Bäume, Maschinen …) eine Freigrenze von 10.000 Euro vorgesehen. Innerhalb dieser Grenze erfolgt die Besteuerung im Ursprungsland, d.h. die MwSt. wird im Ausland geschuldet. Solange die Betriebe diese Obergrenze nicht überschreiten, gehen sie folgendermaßen vor:
Dem Verkäufer ist die eigene Identifikationsnummer (entspricht der MwSt.-Nr. mit dem Präfix IT) nicht mitzuteilen.
Die ausländische Mehrwertsteuer wird direkt dem Lieferanten bezahlt, dazu ist natürlich der im Ausland gültige Mehrwertsteuersatz (Umsatzsteuersatz) anzuwenden.
Es bestehen keine weiteren bürokratischen Pflichten (z.B. keine INTRA-Listen).

Innergemeinschaftlicher Erwerb über 10.000 Euro

Wird diese Schwelle an innergemeinschaftlichen Erwerben überschritten, so erfolgt die so genannte Bestimmungslandbesteuerung und es werden die italienischen MwSt.-Sätze angewandt.
Die Eintragung ins VIES-Register muss 30 Tage vorher erfolgt sein.
Dem Lieferanten ist die eigene MwSt.-Nummer mit dem Präfix „IT“ mitzuteilen.
Die erhaltene Rechnung ist zu nummerieren und eventuell mit dem Gegenwert in Euro zu vervollständigen.
Auf der Rechnung werden der betreffende italienische MwSt.-Satz und der entsprechende MwSt.-Betrag vermerkt.
Die Rechnung wird mit Bezug auf den Monat des Erhalts der Rechnung im Register der Einkaufs- und Verkaufsrechnungen registriert.
Es ist eine INTRA 2-Lieferantenliste abzufassen.
Die Einzahlung der Mehrwertsteuer erfolgt mit dem nächsten periodischen Abschluss.

2.) Landwirtschaftsbetriebe im Normalsystem
Für Landwirtschaftsbetriebe im Normalsystem gibt es keine Sonderregelungen. Das bedeutet, dass diese die oben genannte Regelung der Landwirtschaftsbetriebe im Pauschalsystem für Erwerbe über 10.000 Euro immer anwenden müssen. Die Erwerbe von Waren werden im Bestimmungsland besteuert.

3.) Befreite Landwirtschaftsbetriebe
Landwirtschaftsbetriebe mit einem Vorjahresumsatz bis zu 7000 Euro sind von der MwSt.-Registerführung befreit. Sie können auch die Regelung für Erwerbe bis zu 10.000 Euro anwenden.
Für Einkäufe über dieser Schwelle ist eine spezielle Vorgangsweise vorgesehen, da die Mehrwertsteuer an den italienischen Staat eingezahlt werden muss.

Innergemeinschaftlicher Erwerb über 10.000 Euro
Erst sobald die Erwerbe aus den EU-Mitgliedsstaaten die Grenze von 10.000 Euro überschreiten, erfolgt die Besteuerung im Bestimmungsland (also in Italien) und es entstehen folgende Verpflichtungen:
Dem Verkäufer ist die eigene Identifikationsnummer mit dem Präfix „IT“ mitzuteilen.
Für diesen EU-Einkauf ist ein Einkaufsregister anzulegen.
Der Erwerb erfolgt ohne Anwendung der ausländischen Mehrwertsteuer. Die erhaltene Rechnung ist eventuell mit dem Gegenwert in Euro, dem italienischen MwSt.-Satz und dem MwSt.-Betrag zu ergänzen und zu registrieren.
Die Landwirtschaftsbetriebe müssen außerdem die Mehrwertsteuer mittels Vordruck F24 einzahlen und den Vordruck Intra 12 mit den Einzahlungsdaten beim Steueramt einreichen.
Schließlich ist noch die INTRA 2-Lieferantenliste für das Zollamt zu erstellen.

Die Regeln beim Erwerb von Dienstleistungen
Wenn eine Dienstleistung von Unternehmen innerhalb der Europäischen Union in Anspruch genommen wird, wie zum Beispiel Lizenzrechte oder Werbung auf Buchungsinternetseiten, gilt die Freigrenze von 10.000 Euro nicht.
In diesem Fall müssen die  Betriebe wie folgt vorgehen:
Die Eintragung ins VIES muss 30 Tage vorher erfolgt sein.
Dem Lieferanten ist die eigene MwSt.-Nummer mit dem Präfix „IT“ mitzuteilen.
Die erhaltene Rechnung ist zu nummerieren und eventuell mit dem Gegenwert in Euro zu vervollständigen.
Auf der Rechnung werden der betreffende italienische MwSt.-Satz und der entsprechende MwSt.-Betrag vermerkt.
Die Rechnung wird mit Bezug auf den Monat des Erhalts im Register der Einkaufs- und Verkaufsrechnungen registriert.
Es ist eine INTRA 2-Lieferantenliste abzufassen.
Die Einzahlung der Mehrwertsteuer erfolgt für Betriebe im Pauschalsystem mit dem nächsten periodischen Abschluss.

Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU-28 - 2014)

Mitgliedsstaat

Währung

Mitgliedsstaat

Währung

Belgien (BE)

Euro

Niederlande (NL)

Euro

Bulgarien (BG)

Lew

Österreich (AT)

Euro

Dänemark (DK)

Dänische Kr.

Polen (PL)

Zloty

Deutschland (DE)

Euro

Portugal (PT)

Euro

Estland (EE)

Euro

Rumänien (RO)

Leu

Finnland (FI)

Euro

Schweden (SE)

Schwedische Kr.

Frankreich (FR)

Euro

Slowakei (SK)

Euro

Griechenland (GR)

Euro

Slowenien (SI)

Euro

Irland (IE)

Euro

Spanien (ES)

Euro

Italien (IT)

Euro

Tschechien (CZ)

Tschechische Kr.

Kroatien (HR)

Kuna

Ungarn (HU)

Forint

Lettland (LV)

Euro

Vereinigtes

Königreich (GB)

Britisches Pfund Sterling

Litauen (LT)

Litas

Luxemburg (LU)

Euro

Zypern (CY)

Euro

Malta (MT)

Euro


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Empfohlene Vorgehensweise
Wenn Wareneinkäufe oder Dienstleistungen aus der EU geplant sind, empfiehlt der Südtiroler Bauernbund, vorher folgende Punkte abzuklären.

Freigrenze
Kann die Freigrenze bis zu 10.000 Euro für den Einkauf von Waren genutzt werden?

VIES-Register
Ist die Eintragung ins VIES-Register 30 Tage vor dem Einkauf erfolgt?

Bürokratische Vorschriften
Welche bürokratischen Verpflichtungen müssen eingehalten werden (INTRASTAT-Meldung, Bezahlung der Mehrwertsteuer …)?


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Beratung beim Bauernbund empfohlen
Vor innergemeinschaftlichen Einkäufen empfiehlt der Südtiroler Bauernbund, unbedingt ein beratendes Gespräch in der Abteilung Steuerberatung des zuständigen Bauernbund-Bezirksbüros zu führen.